Türkischer Fußball

Europapokal: Türkischer Fußball erreicht neuen Tiefpunkt

Wenn man das formstarke Medipol Basaksehir außen vor lässt, enttäuschten die türkischen Vertreter ihre Fans maßlos in dieser Europapokalsaison. Die Truppe von Okan Buruk ist nach dem gestrigen 2:1-Erfolg bei Borussia Mönchengladbach das einzige Team, das auf europäischer Bühne überwintert. Galatasaray (Champions League), Besiktas und Trabzonspor (Europa League) blamierten sich regelrecht bis auf die Knochen und schieden allesamt als Gruppenletzter aus. Die Endbilanz zeigt eindeutig, dass sich die Teams nicht mit Ruhm bekleckert haben: In 24 Spielen gab es vier Siege (drei durch Basaksehir), vier Unentschieden und satte 16 Niederlagen. Die Ergebnisse zeigen, dass der türkische Fußball abseits von Edirne einen neuen Tiefpunkt erreicht hat.

Galatasaray wird zur Schießbude der Champions League   

Rekordmeister und amtierender Titelträger Galatasaray erzielte in sechs Gruppenpartien in der „Königsklasse“ nur einen einzigen Treffer. Stattdessen feierten Real Madrid (6:0) und Paris Saint-Germain (5:0) vor heimischer Kulisse ein Schützenfest gegen die Gelb-Roten. Galatasaray ist unter allen 32 Teams die Mannschaft mit den wenigsten Toren. Trainer-Ikone Fatih Terim beendete in dieser Saison das Kapitel Europa ohne einen einzigen Sieg. Es gab lediglich zwei Remis gegen Club Brügge. In Summe war der Etat von Terim dem Niveau nicht gewachsen. Der 66-Jährige nahm nach der Klatsche in Paris den Misserfolg auf die eigene Kappe: „Ich beschuldige meine Spieler nicht und übernehme die volle Verantwortung für diese Ergebnisse.“

Besiktas chancenlos bei „machbaren“ Aufgaben

Genauso desaströs beendete Erzrivale Besiktas den Europa League-Aufenthalt. Obwohl die Schwarz-Weißen in der Liga langsam aber sicher in die Spur zurückfinden, hatten sie in Europa nicht den Hauch einer Chance. Dabei konnte man verhältnismäßig schwächeren Gegnern wie Sporting Braga, SK Slovan Bratislava und den Wolverhampton Wanderers nicht das Wasser reichen. Nach sechs Spielen in der Gruppe K gab es einen Sieg und fünf Niederlagen. Im letzten Gruppenspiel gab es ein 0:4 gegen Wolverhampton. Nun richtet Chefcoach Abdullah Avci den Fokus auf die Liga: „In der Süperlig läuft es aktuell gut. Nach dem Derby gegen Fenerbahce werden wir unsere Schlüsse über die Resultate ziehen.“

Basaksehir avanciert zum Aushängeschild der Türkei

Den enttäuschenden Vorstellungen konnte Medipol Basaksehir Widerstand leisten und die erhitzten türkischen Gemüter mit dem gestrigen Last-Minute-Treffer in Gladbach etwas beruhigen. Mit einer grandiosen Vorstellung marschierten die Istanbuler als Spitzenreiter der Gruppe J um AS Rom, Borussia Mönchengladbach und Wolfsberger AC ins Sechszehntelfinale. In sechs Spielen erkämpfte man sich drei Siege, ein Remis und ging zweimal als Verlierer vom Platz. Dementsprechend war die Freude bei Lehrmeister Okan Buruk groß nach dem 2:1-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach: „Wir widmen diesen Sieg der ganzen Türkei. Es war ein wichtiger Triumph. Ich bin stolz auf dieses Team.“  

Trabzonspor-Trainerstab hakt Thema Europa früh ab

Trabzonspor-Coach Ünal Karaman ließ bereits ab dem vierten Spieltag zahlreiche Ergänzungsspieler auflaufen und schonte gesetzte Stammkräfte für die Ligaduelle. In der Gruppe C der Europa League holten die „Sardellenstädter“ in der Endabrechnung ein Remis bei fünf Niederlagen. FK Krasnodar, FC Getafe und der FC Basel waren den Bordauxrot-Blauen überlegen. Nach dem 0:2 beim FC Basel gab sich Trainer Ünal Karaman dennoch optimistisch für die nächsten Jahre: „Ich hoffe, dass wir die Türkei in den nächsten Jahren besser präsentieren. Wir haben gegen starke Gegner gespielt und müssen weiterhin hart arbeiten.“          

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Hüseyin Yilmaz

Hüseyin Yilmaz

Wirtschaftswissenschaftler, Freier Sportjournalist, Kosmopolit, Hürriyet Gücer-Fan und Spor Toto Süper Lig-Liebhaber

1 Kommentar

  1. Avatar
    13. Dezember 2019 um 15:52

    Die “Ankündigungskönige” aus der Süperlig die vor jeder Europapokalsaison solche Sätze raushauen wie “das Ziel ist das Finale” oder ähnlichen schwachsinn, sind nach der diesjährigen Europapokal Gruppenphase wieder mal als substanzlose Großmäuler ohne Hirn und Verstand enttarnt worden.

    In jedem anderen europäischen Fussballverband hätten solche Fussballfunktionäre, Spieler oder Trainer mit dieser desaströsen Erfolgslosigkeit keinerlei Daseinsberechtigung mehr, in der türkischen Süperlig hingegen klopft man sich weiterhin gegenseitig auf die Schulter und sonnt sich am Erfolg der türkischen NM, weil man nach Jahren der Abstinenz wieder einmal eine Endspielteilnahme erreicht hat.

    Die Realität ist aber, das in der Süperlig weder in der Vergangenheit Fussball nach europäischen Qualitätstandards gespielt wurde noch heute. Ich meine die Zahlen der diesjährigen Europapokalsaison der türkischen Vertreter liegen doch auf der Hand oder?

    Die Frage die sich für jeden Verantwortlichen in der Süperlig stellen muss ist folgende….

    Können wir den türkischen Vereinsfussball mit solchen Leuten wie z.B. Ersun Yanal, Fathi Terim und Kollegen erfolgreicher machen und positiv weiterentwickeln oder können wir es nicht?

    Ich für meinen Teil glaube nicht daran, das Ersun, Fathi und Co. mit ihrem antiken Fussballverständnis und ihrer niedrigen Trainerqualifikation positive Impulse für den türkischen Vereinsfussball insbesondere auf europäischer Bühne geben können.

    Ich empfinde diese alteingesessenen und nutzlosen Schmarotzer wie Terim, Yanal und Co. die ausnahmslos aus ihren zufälligen Erfolgen aus der Vergangenheit leben als absolute Belastung für eine positive Entwicklung des türkischen Fussballs.

    Aber solange die dummen türkischen Anhänger in den Stadien in Kadiköy, Sariyer und woanders die Namen dieser Trainer brüllen wird sich an der Qualität des türkischen Vereinsfussballs rein gar nichts ändern und wir müssen weiterhin zusehen wie türkische Vereine in der europäischen Pampa gegen Slovan, Vardar; Molde, Skenderbeu und Co. sich bis auf die Knochen blammieren und nach Hause zurückgeschickt werden.

    Aber Hauptsache Fathi Terim ist weiterhin der “Imperator”, dann ist doch alles gut im türkischen Fussball oder, also wo ist das Problem?