Fenerbahce

Ex-Sportdirektor Damien Comolli: „Fenerbahce zerstört sich immer wieder von selbst“


Damien Comolli, zwischen Juni 2018 und Januar 2020 bei Fenerbahce als Sportdirektor tätig, sprach mit Alp Ulagay von „futbolarena.com“ über seine Zeit bei den Gelb-Marineblauen in Istanbul. Dabei verriet der aktuelle Klubpräsident des französischen Ligue 2-Vertreters FC Toulouse unter anderem brisante Details über die Zusammenarbeit mit Präsident Ali Koc. GazeteFutbol fasst die Aussagen des 49-jährigen Franzosen zusammen…

Damien Comolli über das Zustandekommen seines Engagements bei Fenerbahce:

„Bereits vor den Vorstandswahlen hatte ich mit Ali Koc zehn bis zwölf Monate lang ein Projekt ausgearbeitet. Ich glaube, wir hatten im August 2017 angefangen. Wir haben die Mannschaft und deren Spielstil analysiert. Zudem geschaut, ob wir Spieler aus der U15 und U16 hochziehen können. Dabei haben wir zahlreiche Spiele der Fenerbahce-Jugendmannschaften beobachtet. Es ging darum, dass wir bei einer erfolgreichen Wahl sofort hätten starten können. Nachdem er zum Vereinspräsidenten gewählt wurde, war ich am nächsten Tag in Istanbul. Ich habe Ali Koc bereits 2-3 Jahre vor den Wahlen kennengelernt.“

… über die Zielsetzung bei Fenerbahce zur damaligen Zeit:

„In erster Linie wollte ich ein langfristiges Projekt beginnen und zunächst die Mannschaft verjüngen, da wir die drittälteste Mannschaft in Europa hatten. Natürlich wollte ich auch zu einem bestimmten Zeitpunkt den Titel gewinnen. Einer unserer Fehler war sicherlich, dass Ali Koc öffentlich kommuniziert hat, dass wir im ersten Jahr Meister werden. Meiner Meinung nach waren wir nicht bereit dafür. Weder ich, er, die Mannschaft oder der Verein. Ich wollte die beste Jugendförderung in der Türkei aufbauen, die bestmöglichen Rahmenbedingungen für den Erfolg schaffen und dem Verein eine Siegermentalität einimpfen. Dazu sollten keine Ü30-Spieler mehr verpflichtet und unsinnig Geld ausgegeben werden. Ein anständiger und offensiv ausgerichteter Spielstil gehörte ebenfalls dazu. Das waren die Grundideen.“

… über seine ersten Transfers bei Fenerbahce:

„Wir wussten, dass uns das Financial Fairplay einschränkt. Wir wussten aber nicht, wie schlecht die finanzielle Situation tatsächlich ist. Auch hatten wir keine Ahnung über den tatsächlichen Schuldenstand. Das waren unglaubliche Summen. Viele Spielerverpflichtungen konnten wir daher erst gar nicht umsetzen. Ich kann ihnen das Beispiel Lautaro Martinez nennen. Vor seinem Wechsel nach Europa hatten wir ihn sehr oft beobachtet. Doch es war uns schlichtweg nicht möglich, die Ablösesumme zu bezahlen, nachdem uns die realen Zahlen des Vereins vor Augen geführt worden waren. Das ist uns dann immer wieder passiert.“

… über die erfolglose erste Saison:

„Das hat mehrere Gründe. Ein unerfahrener Präsident, ein ausländischer Sportdirektor und ein ausländischer Trainer. Diese Konstellation war zum Beispiel nicht richtig. Ich persönlich wollte Abdullah Avci als Coach, als er noch Basaksehir trainierte. Wenn der Trainer ein Ausländer ist, sollte zumindest der Sportdirektor ein Türke sein. Ein weiterer Faktor war, dass unsere Art der Zusammenarbeit in der Türkei keiner verstanden hat. Weder die Öffentlichkeit noch der Verein. Von Beginn an hat man versucht unsere Arbeit kaputtzumachen. Slimani hat nach Fenerbahce in Monaco und Lyon gespielt. Ayew hat nach Fenerbahce 18 Tore bei Swansea gemacht und der angeblich so schlechte Michael Frey ist der beste Torschütze Belgiens. Erfolglosigkeit hat im Endeffekt mit den Vereinsstrukturen zu tun und wie ein Verein geführt wird. Fenerbahce hat heute immer noch das gleiche Problem. Man zerstört sich selbst.“

… über das Innenleben im Verein:

„Es waren am Ende alle gegen mich. Ich möchte ein weiteres Beispiel nennen. Ich habe lange darauf bestanden, dass Emre Belözoglu unser Trainer wird und es ihm auch selbst gesagt. Meine Meinung war, dass Emre mit einem erfahrenen Sportdirektor erfolgreich wird. Das musste ja nicht ich sein. Der Vorstand war dagegen. Dann verlasse ich den Verein und Emre wird plötzlich Trainer. Er ist unglaublich intelligent und hingebungsvoll. Ein richtiger Leader. Er wird ein fantastischer Trainer. Doch er braucht Erfahrung an seiner Seite. Schauen Sie sich an, was er mit Basaksehir bewegt. […] Ich habe dem Vorstand immer die Frage gestellt, wieso Spieler, die zu Fenerbahce wechseln, einen Leistungsabfall zu verzeichnen haben. Wieso ist ein Zanka, der Fenerbahce ablösefrei verlassen hat, Stammspieler bei Brentford? Und ich kann Ihnen versichern, dass Brentford gegen Fenerbahce gewinnen würde. Es ist wirklich schade. Es passieren täglich so viele Dinge im Verein, da kannst du unmöglich alles bewältigen. Statt die Verantwortungsträger zu unterstützen, wird immer wieder versucht, alles kaputtzumachen. Die Mannschaft letztes Jahr war fantastisch. Dennoch konnte man nicht Meister werden. Um Meister zu werden, brauchst du Harmonie, Zusammenhalt, das richtige Konstrukt und keinerlei Störfaktoren. Also alles, was nicht auf Fenerbahce zutrifft. Da bringen dir die besten Spieler, die besten Trainer nichts.“





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4 Kommentare

  1. 2. Januar 2022 um 18:24 —

    Ich finde das Emre Belözoglu von vielen falsch abgestempelt wird.

    Kann sein das er Vorurteile hat, die eine oder andere Rote Karte kassiert hat und sich mehrmals nicht benehmen konnte und wahrscheinlich auch Aggressionsprobleme hat, jedenfalls als Fußballer. Aber die Persönlichkeiten und Charaktereigenschaften sind mir persönlich erstmal zweitrangig. An erster Stelle steht bei mir die Leistung.

    Emre war als Spieler immer stets erfolgreich und kann auch als Trainer überzeugen.

    Comolli schwärmt nicht ohne Grund von Emre.

    Und ich persönlich hätte Emre Belözoglu nicht gefeuert.
    Zwar hat er es nicht geschafft in den letzten 10 Spielen die Meisterschaft zu holen, aber wer weiß wie es Ausgegangen wäre wenn Ali Koc früher reagiert hätte mit der Kündigung von Erol Bulut.

    Ali Koc hat sowieso komplett verschissen.
    Comolli sagt zwar das sie über die tatsächlichen Schulden und FFP Auflagen keine Ahnung hatten, aber wie kann das sein das einer der reichsten Männer der Türkei Jahrelang im Fenerbahce Vorstand arbeitet und anschließend als Präsident kandidiert und so tut als hätte von nichts eine Ahnung.

    Ich nehme Mal an das jeder Vorstandsmitglied eines Vereins auch Zugang zu den Büchern hat oder ?

    Klar hat Aziz Yildirim hier und da mit den Zahlen jongliert, ein arabisches Konto eröffnet und den Verein von hinten *****

    Aber so ein Finanzexperte wie Ali Koc hätte locker sowas früher schon erahnt 🙂

    Das hat auch für Ali Koc in die Karten gespielt. Wenn Aziz in der letzten Saison Meister geworden wäre, würde es jetzt mit Aziz weitergehen. Cok net.

  2. 2. Januar 2022 um 14:09 —

    Ja gabs schon einige komische Moves bei Fener…. Emre wegzuschicken war aber keiner davon….

  3. 2. Januar 2022 um 10:50 —

    Wenn man in den 3,5 Jahren unter Ali Koc über 60 Spieler zu FB transferiert, dann kann man im Nachinein nicht die finanzielle Situation des Vereins als Ausrede für sein eigenes Versagen heranziehen oder?

    Man hat doch ausnahmslos Massenware zu FB transferiert, diese 60 Transfers haben bis auf wenige Ausnahmen nichts mit Qualität zu tun oder?

    Es ist sowieso lächerlich, wenn ich von Comolli solche Namen wie Lautaro Martinez in Bezug auf FB lese, der würde niemals zu uns wechseln, da brauche ich kein Sportdirektor zu sein um das zu wissen oder?

    Wenn Brentford FB schlagen kann, dann hat er als FB Sportdirektor gemeinsam mit seinem Boss Ali Koc in seinem Job total versagt oder sieht das jemand anders?

  4. 1. Januar 2022 um 23:31 —

    Selbst Comolli sagt genau das, was ich immer anpranger.

    Alle die zu uns wechseln werden schlechter.
    Spieler die uns verlassen, rocken beim nächsten Verein…

    Ali Koc, der ganze Vorstand… die müssen alle weg.

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