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Startseite » Bei Fenerbahce und Adanaspor: Das Türkei-Abenteuer von Joachim Löw
Fenerbahce 21. Oktober 2020

Bei Fenerbahce und Adanaspor: Das Türkei-Abenteuer von Joachim Löw

Von Erdem Ufak28 Minuten Lesezeit
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Bei Fenerbahce und Adanaspor: Das Türkei-Abenteuer von Joachim Löw

Joachim Löw führte die deutsche Nationalelf zum WM-Titel 2014 und sitzt auch noch heute auf der Trainerbank. In der Türkei erinnert man sich gerne an seine Zeit bei Fenerbahçe und Adanaspor.


Joachim Löw, seit über 15 Jahren der Trainer der deutschen Nationalmannschaft, ist kein Unbekannter in der Türkei – vor allem nicht bei den Fans des Istanbuler Traditionsvereins Fenerbahçe. Der erfolgreiche Trainer, der die deutsche Fußballnationalmannschaft 2014 zum Weltmeistertitel führte, hatte die Blau-Gelben in der Saison 1998/99 trainiert und war anschließend Trainer bei Adanaspor. Danach endete das Abenteuer von Löw in der Türkei. Doch was hat sich während seiner Zeit bei Fenerbahçe alles ereignet?

Nach der Trennung von Otto Baric war Fenerbahçe vor der Saison 1998/99 auf der Suche nach einem neuen Trainer. Sie hatten als Kandidaten den Italiener Carlo Ancelotti nach Istanbul geholt. Ancelotti besuchte während seines zweitägigen Aufenthaltes in Istanbul die Fußballanlagen, es kam aber zu keiner Einigung. So wandte sich Fenerbahçe dem damals 38-jährigen deutschen Trainer Joachim Löw zu, der bis dahin mit dem VfB Stuttgart in der Bundesliga zweimal den vierten Platz erreicht, den DFB-Pokal gewonnen und im UEFA-Pokal im Finale gespielt hatte. Am 16. Juni 1998 unterschrieb er für ein Jahr. Seine Assistenten waren Frank Wormuth und Ismail Kartal.

Die erste Enttäuschung

Bevor es zu einer Einigung zwischen Löw und Fenerbahçe kam, transferierte Fenerbahçe Elvir Balic von Bursaspor, Sergio Neves von Botafogo sowie Metin Diyadin und Erkan Sözeri von Genclerbirliği.

Nach der Einigung mit Löw holte Fenerbahçe Bachirou Salou nach Istanbul. Auch Löw wollte ihn unbedingt in seinem Team sehen. Doch der aus Togo stammende Stürmer konnte sich in der Metropole nicht einleben, so dass seine Zeit bei Fenerbahçe sehr kurz war. Danach spielte er bei Borussia Dortmund. Mit Salou erlebte Joachim Löw seine erste Enttäuschung bei Fenerbahçe.

Ein Beispiel der deutschen Disziplin

Fenerbahçe bestritt am 7. Juli 1998 sein erstes Spiel unter der Leitung von Löw in Kadıköy. Der Gegner hieß Steaua Bukarest. Das Spiel endete mit einem 2:0-Sieg. Danach folgte ein Trainingscamp in Deutschland.

Löw hatte während des Spiels mit Erzurumspor in Kadıköy Sergio aus dem Spiel genommen, weil dieser seine Freude übertrieben zum Ausdruck gebracht hatte und damit das Publikum der gegnerischen Mannschaft provozierte. Er schrieb daher eine Beschwerde an den Vorstand, damit der brasilianische Fußballer eine Geldstrafe erhält. Löws Verhalten wurde in der türkischen Presse als ein Beispiel für Fairplay und die deutsche Disziplin interpretiert.

Die ersten Transfers nach Löw waren Viorel Moldovan und Murat Yakın. Auch Jay-Jay Okocha, ein bekannter Name im deutschen Fußball, nahm nach der Weltmeisterschaft 1998 an den Trainingseinheiten bei Fenerbahçe teil. Er wurde jedoch später an Paris Saint-Germain transferiert.

Fenerbahçe gewinnt gegen UEFA-Pokalsieger AC Parma

Nach den Niederlagen gegen die Stadtrivalen Galatasaray und Beşiktaş bei den TSYD-Pokalspielen hatte das torlose Unentschieden gegen Çanakkale-Dardanelspor und die 2:1 Niederlage gegen die schwedische Mannschaft IFK Göteborg beim UEFA-Pokal-Auswärtsspiel den Druck auf Löw erhöht.

In der zweiten Liga-Woche hatte Fenerbahçe bis zum Fußballderby mit Galatasaray eine Siegesserie. So hatte man im UEFA-Cup IFK Göteborg eliminiert und AC Parma in Kadıköy mit 1:0 besiegt. In der gleichen Saison gewann AC Parma den UEFA-Cup. Nur gegen Fenerbahçe und Girondins Bordeaux hatte die Mannschaft verloren.

Im Fußballderby gegen Galatasaray erzielte Fenerbahçe in den ersten 20 Minuten zwei Tore. Doch wegen dem Elfmeter, der durch Erol Bulut verursacht wurde, kassierten die Blau-Gelben eine rote Karte. Mit zehn Spielern auf dem Feld hatte sich der Spielverlauf geändert. Durch den Spielstand von 2:2 ging zugleich die Siegesserie zu Ende. Löws Mannschaft hatte nach dem Spiel mit Galatasaray auch Niederlagen gegen Trabzonspor, AC Parma und Beşiktaş kassiert. Aufgrund von individuellen und defensiven Fehlern ging Löws Unglücksserie weiter.

In der Zwischenzeit verließ der brasilianische Mittelstürmer Sergio Neves das Team. Als Neuzugang kam Linksverteidiger Dimas von Juventus Turin.

Löws einzige Pokalfreude bei Fenerbahçe

Fenerbahçe konnte Beşiktaş am 10. November 1998 mit 2:0 besiegen und damit den Atatürk-Pokal gewinnen: der einzige Titel unter Löw.

Nach nacheinander folgenden torreichen Erfolgen beendete Fenerbahçe die erste Saisonhälfte als Tabellenführer. Der Vorstand war zufrieden, so dass Löws Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert wurde. Allerdings gab es eine zusätzliche Klausel im Vertrag, die hieß: „(…) falls Fenerbahçe zum Saisonende den Meistertitel bekommt.“

Das Team wurde in der Folgezeit mit dem Transfer vom Spielmacher Sergen Yalcın verstärkt. Es folgte ein 5:2-Sieg gegen Borussia bei einem Freundschaftsspiel.

Verletzung verhindert Meisterschaft

Obwohl Fenerbahçe gut in die zweite Saisonhälfte gestartet war, brach die Siegesserie nach neun Spielen, nachdem sich Diyadin während des Auswärtsspiels gegen Samsunspor sein Bein gebrochen hatte. Das vielleicht größte Pech in Löws Karriere bei Fenerbahçe war, dass Metin Diyadin die Saison auf Grund seiner Beinfraktur beenden musste.

In der Woche darauf verlor Fenerbahce die Tabellenführung, der Abstieg nahm seinen Lauf. Viele Experten waren sich einig, dass Fenerbahçe die Saison als Meister abgeschlossen hätte, wenn Diyadin sich nicht das Bein gebrochen hätte.

Die Pechsträhne geht weiter

Vor dem Derby gegen Beşiktaş verletzte Rüstü Reçber seine Hand, als er seine Stollen putzte und konnte daher nicht auflaufen. Im Spiel verlor der Ersatztorwart Murat Şahin den Ball an die gegnerische Mannschaft, Verteidiger Jes Högh wehrte den Ball im letzten Moment mit seiner Hand ab – wodurch er sowohl einen Elfmeter als auch eine rote Karte verursachte. Danach faulte der Beşiktaş-Spieler Murat Şahin den Fenerbahce-Verteidiger Uche Okechukwu – und brach ihm das Bein.

Die Verletzungsserie ging weiter, als Högh, dessen Nase im Spiel gegen Antalyaspor zertrümmert wurde, einen Monat lang nicht spielen konnte. Erol Bulut, der im Spiel gegen Gaziantepspor ein Hirntrauma erlitten hatte, konnte in den verbleibenden fünf Spielen der Saison nur zwölf Minuten auflaufen.

Löw sagte über die Sportjournalisten, die ihn kritisierten, diese hätten „keine Ahnung von Fußball“. Die Sportjournalisten meinten wiederum, dass er sich wie ein Praktikant verhalte.

Elvir Balic, damals einer der wichtigsten Spieler bei Fenerbahçe, wurde aufgrund seiner Leistung von Real Madrid beobachtet und später von der spanischen Mannschaft transferiert.

Aufgrund der hohen Verletzungsrate bei Fenerbahçe bezog Löw Spieler aus den Jugendmannschaften ein. Dabei entdeckte er Murat Bölükbaş. Dieser erzielte in den letzten beiden Spielen der Saison drei Tore.

Fenerbahçe wurde mit 22 Siegen, sechs Unentschieden, sechs Niederlagen und 72 Punkten Tabellendritter. Als der Vertrag für die neue Saison wegen der speziellen Zusatzklausel hinfällig wurde, setzte Joachim Löw seiner Karriere bei Fenerbahçe nach dem 4:1-Sieg gegen Erzurumspor am 29. Mai 1999 einen Schlusspunkt.

Am selben Tag war auch der aktuelle Fenerbahçe-Trainer Bulut, der mit Löw auf der Bank saß, zum letzten Mal bei Fenerbahçe gesetzt.

Karriere bei Adanaspor nach fünf Spielen abgeschlossen

Nach Fenerbahçe folgte für Löw eine Einstellung beim Karlsruher SC. Dort saß er in der Saison 1999/00 bei 18 Spielen auf der Trainerbank, verließ das Team jedoch noch vor Saisonende.

Vor dem Pokalspiel zwischen Adanaspor und Galatasaray am 13. Dezember 2000 hatte Löw mit Adanaspor einen Einjahresvertrag unterzeichnet. Er schaute das Spiel im Ali-Sami-Yen-Stadion von der Tribüne aus. Da sein Vertrag noch nicht besiegelt war, sah er sich auch das Spiel gegen Kocaelispor am 17. Dezember 2000 von der Tribüne aus an. Es endete mit einem 4:4-Unentschieden.

Nach der Bestätigung seines Vertrages durch den Türkischen Fußballverband bestritt Löw sein erstes Spiel als offizieller Trainer von Adanaspor am 22. Dezember 2000 gegen Istanbulspor – es endete 2:2. Es war das letzte Spiel der ersten Saisonhälfte. Adanaspor lag mit 14 Punkten einen Platz über der Abstiegszone.

Im Kader befanden sich Spieler wie Altan Aksoy, Cenk İşler, Evren Turhan, Mehmet Yozgatlı, Mutlu Topçu, Sven Scheuer und Volkan Arslan. Löw holte in der Saisonpause auch seine ehemaligen Schützlinge Bulut und Thomas Berthold hinzu. Besonders Berthold war ein erfahrener Spieler, der bei der Fußball-WM 1990 im Team der deutschen Nationalmannschaft gelistet war.

Nach der ersten Saisonhälfte verlor die Mannschaft von Löw im ersten Spiel 2:3 gegen Gençlerbirliği. Nach der 1:2-Niederlage gegen Beşiktaş am 18. Februar 2001 fiel Adanaspor auf den 16. Platz zurück und damit in die Abstiegszone. Adanaspor hatte zunächst gut ins Spiel gefunden. Die Mannschaft erhielt sogar Applaus von den Beşiktaş-Fans, nachdem sie mit 1:0 in Führung gegangen waren. Doch für einen Sieg reicht es nicht.

Das Spiel gegen Yimpaş Yozgatspor, das mit einem 3: 3-Unentschieden endete, war das letzte in Löws Adanaspor-Karriere. Der deutsche Trainer kündigte am 28. Februar 2001 und verließ die gleichnamige Stadt.

Während Adanaspor mit Löw als Trainer in fünf Spielen zwei Unentschieden und drei Niederlagen erzielte, konnte der Verein auch nach Löw keine Siege einfahren und verabschiedete sich somit am Ende der Saison aus der ersten Liga der Türkei.

Als Löw Jahre später mit der deutschen Nationalelf die Weltmeisterschaft gewann, wurde auch seine Vergangenheit wieder aufgerollt. In der Presse erinnerte man sich an seine Zeit bei Adanaspor. Vereinspräsident Çağdaş Ergin sagte, er habe damals den deutschen Trainer persönlich gekündigt.


Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst auf trtdeutsch.com

Link: https://www.trtdeutsch.com/sport/das-turkei-abenteuer-von-joachim-low-3128835

Autor: Ömer Özkal


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2 Kommentare

  1. fenerim_28 Am 22. Oktober 2020 11:09

    Man jagt Joachim vom Hof. 20 Jahre später, nachdem Joachim Weltmeister wird, lädt man ihn ein und überreicht ihm ein Trikot. Als ob Joachim was für den 3 Sterne Klub übrig hätte…. Richtiger „Arschkriecher Move“ von Fenerbahce!!

    Verstehe sowieso nicht, warum man Joachim gefeuert hat. Ein dritter Platz damals ist doch völlig ok! Zu dieser Zeit gab es eine Über-Über-Übermacht im türkischen Fußball genannt „Avrupa Fatihi“….

  2. efsane07 Am 22. Oktober 2020 10:18

    Den Satz von Löw finde ich echt geil und absolut zutreffend….

    Löw sagte über die Sportjournalisten, die ihn kritisierten, diese hätten „keine Ahnung von Fußball”. Die Sportjournalisten meinten wiederum, dass er sich wie ein Praktikant verhalte.

    Da Löw mittlerweile Weltmeister mit der deutschen NM geworden ist, hatte er hier doch absolut recht was er damals über türkische Sportjournalisten sagte, das sie „keine Ahnung“ haben die heute übrigens immer noch bei ASpor, Sabah, Fanatik, Fotomac und Co. arbeiten und immer noch die selben Holzköpfe wie vor 20 Jahren sind oder?

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