Süper Lig

Wie kann die Süper Lig die Zuschauerzahlen steigern?

Fußball ist in der Türkei die beliebteste Sportart und die türkische Süper Lig stellt die höchste Spielklasse dar. Die Fußballfans des Landes stehen mit Leidenschaft größtenteils hinter einem der vier Top Vereine der Türkei und die Süper Lig findet auch international Beachtung. In der UEFA Fünfjahreswertung steht die Süper Lig aktuell auf Platz 11. Doch sinkende Zuschauerzahlen bringen die Vereine in Bedrängnis. Von einer Auslastung der Stadien, wie man sie aus Bundesliga oder Premier League kennt, können die Manager der türkischen Clubs nur träumen. Dabei wären Ticket- und Merchandising-Verkäufe dringend nötig, um Schulden abzubauen.

Rückläufige Zuschauerzahlen der Süper Lig im Vergleich zu anderen Top Ligen

Gerade der Auftakt der Saison beschert den Vereinen volle Spielstätten und damit volle Kassen, doch in der Türkei lief die Saison 2019/20 der Süper Lig nur zaghaft an. Weitere schwache Spieltage blieben nicht aus. Galatasaray bringt es gerade mal auf eine Auslastung von zwei Drittel des Türk Telekom-Stadions in der laufenden Saison. Die Zahlen von Fenerbahce , Trabsonspor oder Besiktas sehen kaum besser aus.


Leere Stadien: Der türkischen Süper Lig fehlen die Zuschauer


Der Vergleich mit der deutschen Bundesliga zeigt schnell: Die Klubs der Süper Lig haben ein Zuschauerproblem. Die 1. Bundesliga bringt es in der Saison 2019/2020 auf eine Stadionauslastung von insgesamt 92,1 Prozent. Vereine wie SC Freiburg, Borussia Dortmund, der 1. FC Köln und auch der 1. FC Union Berlin füllen ihre Spielstätten im Schnitt zu mehr als 99 Prozent. Der FC Bayern München bringt es sogar auf 100 Prozent. Was also läuft falsch im türkischen Fußball beziehungsweise wie könnten die Süper Lig-Klubs wieder Zuschauer gewinnen?


Stadionauslastung der Vereine der 1. Fußball-Bundesliga in der Saison 2019/2020 zum 16. Spieltag


Clubs behelfen sich mit Sportwetten-Sponsoren

Zu den schwachen Besucherzahlen kommt die Tatsache, dass die Ticketpreise in der Türkei ohnehin nicht hoch angesetzt sind. Bei den durchschnittlichen Ticketpreisen liegt die Türkei nicht einmal unter den ersten 20 Plätzen, während Deutschland an zehnter Stelle steht und England die Liste anführt. Auch wenn die Premier League bei den Zuschauerzahlen keine Probleme hat, macht die Top-Liga dennoch vor, wie die Vereine zusätzlich Geld in die Kassen spülen können.

Wettanbieter sind ein klassischer Partner der Premier League. Auch wenn nicht alle Clubs Werbung eines Anbieters auf den Trikots tragen, so haben dennoch alle Vereine eine Partnerschaft mit einem Wettanbieter. Gerade für kleinere Vereine kann dies eine Chance sein, von der Beliebtheit der Branche zu profitieren und die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich zu lenken. Clubs wie Aston Villa, Bournemouth, Burnley, Crystal Palace, Everton, Newcastle United, Norwich City, Watford, West Ham United und die Wolverhaptom Wanderers tragen Sportwetten-Werbung auf ihren Trikots.

Deutsche Klubs der Bundesliga mit lokalen Sponsoren

Abgesehen von Sportwetten-Unternehmen stehen Finanzdienstleister und der Einzelhandel an der Spitze der Trikotsponsoren von Vereinen in den europäischen Top-Fußball-Ligen, wie aus einem UEFA-Bericht zum Sponsoring hervorgeht. In Deutschland sind der FC Bayern München, FC Schalke 04, VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund die Clubs mit den höchsten Einnahmen durch Trikotsponsoring in der Saison 2019/2020. Oft sind Unternehmen vor Ort Partner der Vereine wie etwa “Schwarzwaldmilch” im Fall von SC Freiburg oder “Volkswagen” und VfL Wolfsburg. Dazu kommen deutsche Markennamen und Traditionsunternehmen als Partner der Bundesliga Clubs wie “Telekom”, “Postbank”, “Rewe”, “Wiesenhof” oder “Henkel”.

Sinkende Zuschauerzahlen als Ausdruck der türkischen Fußball-Krise

Das Problem der rückläufigen Stadionbesuche ist ein Symptom der Krise, in welcher der Sport in der Türkei steckt. Prestigeträchtige Transfers und teure Spielerkäufe sind Teil eines Missmanagements der Vereine, das zu roten Zahlen geführt hat. Die Gesamtschulden der Süper Lig belaufen sich auf rund 2,3 Milliarden Euro, was ein Vielfaches der Jahreseinnahmen darstellt. Der türkische Fußballverband TFF hat deshalb zusammen mit dem Bankenverband ein Rettungsprogramm von etwa zwei Milliarden Euro zusammengestellt. Dieses beinhaltet die Schuldenübernahme etlicher Klubs durch die Staatsbank. Auf dem Plan stehen außerdem Finanzauflagen und strengere Überwachung durch die Finanzaufsicht.

Kann Borussia Dortmund der Süper Lig als Vorbild dienen?

An der Schuldenfalle hat der TFF mit Schuld, da es trotz finanzieller Nöte der Klubs in der Vergangenheit zu keinen nennenswerten Sanktionen kam. Aktuell hat Fenerbahce über 500 Millionen Euro Schulden, die Verbindlichkeiten von Galatasaray belaufen sich auf mehr als 300 Millionen Euro, während den Klubs Besiktas und Trabsonspor jeweils fast 400 Millionen beziehungsweise 200 Millionen Euro fehlen. Hierzulande müssten Vereine mit einer derartigen finanziellen Situation Konkurs anmelden und damit auch einen Abstieg hinnehmen. Gerade im Hinblick auf die türkischen Fans hat der TFF aber die Süper Lig-Klubs bislang verschont.

Jetzt gelten auch Vorgaben von der UEFA, etwa für Transfergeschäfte. Das allerdings beeinflusste die Leistung auf dem Spielfeld und führte zu Niederlagen, einem schwachen Saisonauftakt und ausbleibenden Fans in den Stadien. Die Abwärtsspirale setzt sich also fort.


Anstoß zu einer finanziellen Umstrukturierung der Süper Lig?


In der Bundesliga gab es in der Vergangenheit einen vergleichbaren Fall. Im Jahr 2005 stand Borussia Dortmund vor dem finanziellen Aus. Es folgte jedoch der Aufstieg zu einem der finanziell erfolgreichsten Klubs in Europa. Der Schlüssel lag in der Umstrukturierung: Auf eine Tilgung der Schulden folgte ein Verkauf der teuersten Spieler. Heute nimmt Borussia Dortmund jährlich bis zu 350 Millionen Euro ein. Ein Vorbild also für die Vereine der türkischen Süper Lig? Damit diese Lösung greifen kann, müssen aber Politik und Sanktionen verhindern, dass die Klubs in der Türkei über ihren Verhältnissen wirtschaften.

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1 Kommentar

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    16. Januar 2020 um 13:55

    Ein Modell wie beim BVB aufzubauen schafft kein türkischer Verein. Ich nehme jetzt GS als Beispiel versuche zu erklären, warum wir dieses Modell nicht nachahmen können.
    Wir können unsere Spieler verkaufen, das wäre kein Problem. Abnehmer für Belhanda, Feghouli und Co. würden wir finden, jedoch ist kein Verein der Welt dumm genug die Gehälter zu zahlen, welche wir aktuell zahlen. Höchstens die Araber oder die Russen.
    Angenommen wir werden die Großverdiener los, ich denke kaum, dass man daraus lernt und eine Gehaltsobergrenze einführt. Heißt es werden trotzdem einige 3 Mio oder mehr verdienen, wobei das Maximum 2 Mio sein sollte.

    Wir haben keine richtige Einnahmequelle, die CL zähle ich nicht dazu. Was wir von Sponsoren oder Merchandising bekommen ist erbärmlich. Das gilt für alle Vereine in der Türkei. Wir kriegen durch Terra Pizza 18 Mio Lira, was fast 3 Mio Euro macht. Das sind Peanuts.
    TV Gelder, Ticketeinnahmen, Sponsoren im Stadion usw. bringen uns kaum was ein.
    Man muss irgendwie versuchen einen dicken Fisch an Land zu ziehen, aber dafür muss man anständigen Fußball spielen damit diese das Interesse bekommen.

    Ich habe es schon mal unter einem Artikel geschrieben, wenn man die Schulden der türkischen Vereine löschen würde, würden alle nach einer Saison wieder rote Zahlen schreiben. Keiner würde versuchen sich zu verbessern.
    Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass irgendein Verein mal schwarze Zahlen schreibt, bei uns geht es minimal nach oben, wir haben in den letzte 3 Quartalen positive kleine Zahlen gezeigt. Jedoch ist das einfach nichts, man hat vom riesigen Eisberg namens Schulden mit einer kleinen Zange was weggeschlagen.

    Für mich gibt es einige Vorsätze/Regeln um die Schulden effektiven jedes Jahr zu verringern:
    – Die Großverdiener eben zu verkaufen und das Gehaltsgefüge verkleinern -> Eine Gehaltsobergrenze schaffen
    – Eigene Juwelen zu verkaufen wir bei Ozan Kabak (darauf kann ich natürlich sehr lange hoffen)
    – Mehrere GSStores in Deutschland, Schweiz, Holland und Österreich eröffnen und die Fans dort versorgen -> Gleichzeitig hätte man eine große Einnahmequelle geschaffen
    – Bessere Sponsoren finden, die auch in der Lage sind 6 Mio oder mehr zu zahlen
    – Keine dummen oder sinnlosen Transfers tätigen wie bei Jimmy Durmaz, Adem Büyük und Co.

    Ich hätte noch viel mehr Vorsätze aber ich denke die reichen ja schon, mir würde es reichen, wenn man wenigstens 2 oder 3 von denen einhalten würde.