Montella schlägt vor Italien-Duell Alarm: „Befinden uns in einem Szenario, in dem wir sehen, wo wir stehen“
Vor dem vierten Gruppenspiel in der UEFA Nations League A bei Italien hat sich der türkische Nationaltrainer Vincenzo Montella auf einer Pressekonferenz im Renato-Dall’Ara-Stadion ausführlich zur angespannten Lage geäußert. Die türkische Nationalmannschaft steht in der Gruppe 1 nach drei Niederlagen massiv unter Druck. Der Cheftrainer verwies dabei auf die fehlende Erfahrung auf Spitzenniveau: „Das ist nicht die Situation, die wir uns gewünscht haben. Auch wenn wir zum ersten Mal auf diesem Niveau antreten, wollen wir gegen jeden gewinnen. Dafür arbeiten wir sehr hart. Der Grund, warum ich betone, dass wir erstmals auf diesem Niveau spielen, ist, dass wir als Land keine Erfahrung damit haben. Wir sammeln weiter Erfahrungen. Ich hoffe, dass wir morgen das erreichen können, was wir uns wünschen.“
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Verletzungssorgen als Chance für neue Gesichter
Die personelle Lage vor dem Gastspiel in Bologna stellt das Trainerteam vor eine immense Herausforderung. Neben dem gesperrten Arda Güler muss die Mannschaft auf eine Reihe absoluter Leistungsträger verzichten. Vincenzo Montella ordnete die Ausfallliste gewohnt realistisch ein: „Leider fehlt morgen Arda. Wie Sie wissen, fehlen auch Hakan, Kenan, Baris, Orkun und Mert Müldür. Sie alle sind für uns sehr wichtige Spieler. Wir können diese Situation als Gelegenheit betrachten, neue Gesichter zu sehen. Ich bin zuversichtlich, dass wir morgen ein gutes Ergebnis erzielen werden.“
Kritik an unsachlichen Debatten und Stürmer-Forderung aus der 3. Liga
Der italienische Übungsleiter zeigte sich offen für sachliche Rückmeldungen, setzte jedoch eine klare Grenze bei unsachlichen Debatten rund um die Kaderzusammenstellung. Montella betonte in diesem Zusammenhang unmissverständlich: „Ich kenne die Dynamiken des Fußballs ganz genau, und Sie kennen sie ebenfalls. Natürlich stelle ich mich jeder Kritik, aber Kritik, die jeder Logik entbehrt, höre ich mir nicht an. Wir spielen zum ersten Mal in unserer Geschichte in der Liga A. Das haben wir gemeinsam erreicht, aber wir müssen mit sehr großen und wichtigen Ausfällen zurechtkommen. In einem anderen Szenario würden wir uns nicht in einer Situation befinden, in der wir sehen müssen, wo wir stehen. Aber momentan befinden wir uns genau in einem solchen Szenario.“

Wie unverständlich manche externen Forderungen ausfallen, verdeutlichte der Nationaltrainer mit einer Anekdote von der jüngsten Medienrunde. „Wir sind inzwischen an einem so merkwürdigen Punkt angelangt, dass man mich bei der vergangenen Pressekonferenz auf einen 31-jährigen Stürmer angesprochen hat, der in der 3. Liga spielt. Offen gesagt wurde von mir verlangt, diesen 31-jährigen Stürmer in den Kader zu berufen“, so Montella überrascht.
Eindringlicher Appell zum Schutz der Nationalspieler
Besonders der Schutz seiner Schützlinge vor der medialen Öffentlichkeit liegt dem Coach am Herzen. Er verwies darauf, dass man trotz 42 Strafraumaktionen im Duell mit Belgien ohne Tor geblieben sei und einige Akteure positionsfremd aushelfen müssten. Montella appellierte daher eindringlich: „Einige unserer Spieler spielen nicht auf ihren angestammten Positionen. Obwohl wir im Spiel gegen Belgien 42-mal in den Strafraum gekommen sind, konnten wir kein Tor erzielen. Das Einzige, was mich traurig macht, ist die harte und ungerechte Kritik an unseren Spielern. Sie sind genau wie wir auch Menschen. Wenn die Kritik ungerecht und hart ist, kann sie sie beeinflussen.“

Abschließend bat er die Öffentlichkeit um geschlossene Rückendeckung für das Team: „Meine Bitte an Sie ist: Unterstützen Sie unsere Spieler. Harte und ungerechte Kritik kann zu einem Leistungsabfall von fünf oder zehn Prozent führen. Wenn man sie dagegen unterstützt, können sie fünf oder zehn Prozent mehr Leistung bringen. Jeder würde das Gleiche empfinden, egal wer es ist. Sie sind genauso wie wir emotionale Wesen. Deshalb glaube ich, dass wir sie bestmöglich unterstützen müssen.“

Ozan Kabak beschwört Teamgeist: „Bleiben weiterhin vereint“
Neben dem Nationaltrainer nahm auch Abwehrspieler Ozan Kabak auf dem Podium Platz. Der Innenverteidiger räumte Fehler in den ersten Partien ein, stellte jedoch klar, dass die Mannschaft gegen Italien eine Reaktion zeigen wolle. Ozan Kabak betonte auf der Pressekonferenz im Vorfeld der Partie den familiären Zusammenhalt der Auswahl: „Unsere größte Stärke sind unsere Freundschaft, unser Zusammenhalt und die familiäre Atmosphäre. Das war so, als es gut lief. Jetzt läuft es schlecht, aber wir bleiben weiterhin vereint. Ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam wieder aufstehen werden. Daran glauben wir alle von ganzem Herzen.“
Hinsichtlich der defensiven Anfälligkeit versprach der Abwehrallrounder gezielte Verbesserungen. Man kassiere als Verbund derzeit schlicht zu viele Gegentore, habe im Training aber intensiv an taktischen Stellschrauben gearbeitet. Ein Erfolgsweg bestehe schließlich darin, den eigenen Kasten sauber zu halten oder nur minimale Treffer zuzulassen, um mit einem positiven Resultat aus Italien heimzukehren.



