Serdal Adali greift TFF scharf an und entwirft ein neues Besiktas: wirtschaftlich unabhängig und sportlich stabil
Besiktas-Präsident Serdal Adali hat bei der ersten ordentlichen Ratssitzung des Jahres 2026 eine Rede gehalten, die weit über einen normalen Lagebericht hinausging. Der Klubchef sprach über die Entwicklung der Fußball- und Basketballabteilung, über Sponsoring, Transfers, Stadionerlöse und die wirtschaftliche Zukunft des Vereins. Zugleich griff er den türkischen Fußballverband (TFF), die Schiedsrichter, den VAR und den Rechteinhaber ungewöhnlich scharf an. Im Zentrum seiner Botschaft stand jedoch eine klare Vision: ein Besiktas, das sportlich konkurrenzfähig ist und wirtschaftlich auf eigenen Beinen steht.
Adali eröffnet mit Lob für Team, Stadion und alte Erfolge
Zu Beginn seiner Rede erinnerte Adali mit Respekt an Mircea Lucescu, den Architekten der Meistermannschaft im 100. Vereinsjahr. Danach richtete er den Blick auf den jüngsten Sieg und auf das Stadionjubiläum. „Wir haben gestern Abend ein gutes Spiel gemacht, viele Tore erzielt. Ich gratuliere unserem Trainer Sergen Yalcin, unserem Trainerteam und unseren Spielern zu diesem schönen Sieg.“
Außerdem betonte er die symbolische Bedeutung des Tages. Das Stadion von Besiktas wurde vor zehn Jahren eröffnet, und für Adali war dies Anlass, an gewonnene Meisterschaften, Trophäen und europäische Nächte zu erinnern. Gleichzeitig formulierte er den Wunsch, dass diese Siege in den kommenden Jahren weiter zunehmen sollen.
Große Hoffnung auf den EuroCup und klare Basketball-Strategie
Ein zentraler Teil seiner Ausführungen galt der Basketball-Abteilung. Adali zeigte sich überzeugt, dass der Klub mit einer stabilen und richtigen Struktur auf einem guten Weg sei. Besonders stolz sprach er über den Einzug ins EuroCup-Finale und formulierte ein klares Ziel: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir den EuroCup gewinnen und unserer Gemeinschaft den größten Sieg in unserer Basketballgeschichte schenken werden.“
Dabei lobte er ausdrücklich die Arbeit des Basketball-Vorstands, von Nedim Yücel und Cheftrainer Dusan Alimpijevic. Zusätzlich kündigte er an, dass die Basketball-Infrastruktur künftig in der Sporthalle der Halic Universität in Levent arbeiten und dort auch Spiele austragen werde. Für Adali ist das ein Baustein, damit die Stars von morgen in einer geordneten Struktur wachsen können.
„Ich sehe eine Mannschaft, die das Besiktas-Trikot gut repräsentiert“
Im Fußball wollte der Präsident bewusst ein Signal der Zuversicht senden. Er erinnerte daran, dass die Vereinsführung beim Amtsantritt um Zeit gebeten habe, um einen richtigen Kader aufzubauen. Zugleich machte er deutlich, dass das Team trotz noch nicht erfüllter Maximalziele inzwischen ein anderes Bild abgebe als in den vergangenen Jahren. „Vielleicht sind wir beim sportlichen Erfolg noch nicht dort, wo wir sein wollen, aber wenn wir uns das Team heute ansehen, können wir dieses Licht sehen.“
Noch klarer wurde er im nächsten Satz: „Ich sehe ehrlich gesagt eine Besiktas-Mannschaft, die in letzter Zeit gut gespielt, gut gekämpft und das Besiktas-Trikot gut repräsentiert hat.“ Für Adali ist damit wieder der Glaube zurückgekehrt, dass gute Tage, Erfolge und Meisterschaften nicht nur eine Erinnerung, sondern wieder ein realistisches Ziel sein können.
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Qualitätsspieler, Verkäufe und ein deutlich reduziertes Gehaltsbudget
Der Klubchef verband diese sportliche Entwicklung direkt mit wirtschaftlichen Kennzahlen. Er erklärte, dass Besiktas den Kader mit Qualitätsspielern verstärkt habe und jeder dieser Transfers nicht nur sportlich helfen, sondern im Fall eines späteren Verkaufs auch wirtschaftlichen Gewinn bringen solle. „Wir stellen uns einen Besiktas vor, der auf seinen Füßen steht und seine wirtschaftliche Unabhängigkeit erlangt hat.“
Adali führte dazu mehrere Zahlen an. Seit Amtsantritt habe der Klub in nur zwei Transferperioden für 72 Millionen Euro Spieler verkauft. Gleichzeitig sei das Durchschnittsalter des Kaders auf 26 Jahre gesenkt worden. Besonders wichtig sei ihm außerdem die Reduzierung des Gehaltsbudgets der Fußballmannschaft auf 34,1 Millionen Euro. Für ihn sind das keine Nebendetails, sondern Grundpfeiler eines nachhaltigeren Modells.
„Wir werden Besiktas wirtschaftlich ausgeglichen gestalten“
Mit Blick auf die Debatten um Mietspieler und Verwaltungsgebühren verteidigte Adali die Entscheidungen der Vereinsführung entschieden. Er räumte zwar ein, dass diese Positionen gestiegen seien, erklärte dies aber mit der Qualität der verpflichteten Spieler und den damit verbundenen Bonus- und Gehaltsstrukturen. Gleichzeitig versicherte er, dass alle Gebühren innerhalb der von FIFA und TFF erlaubten Grenzen geblieben seien.
Dann folgte einer der schärfsten und zugleich deutlichsten Sätze seiner Rede: „Keine Panik wegen dieser Themen, lassen Sie alle ganz beruhigt sein. Wir werden Besiktas nicht den geringsten Schaden zufügen und den Verein wirtschaftlich ausgeglichen machen.“ Gemeint war damit eine wirtschaftliche Glättung und Stabilisierung, nicht ein Risiko für den Klub. Adali wollte unmissverständlich klarmachen, dass die finanzielle Sanierung für ihn kein Lippenbekenntnis ist.
Scharfer Angriff auf TFF, MHK, VAR und den Rechteinhaber
Besonders explosiv wurde die Rede, als Adali auf den Zustand des türkischen Fußballs zu sprechen kam. Er warf dem Verband, den Schiedsrichtergremien und dem VAR vor, seit Jahren eine Liga nach eigenen Vorstellungen zu formen und Besiktas dabei strukturell aus dem Rennen zu drängen. „Leider muss ich sagen, dass Fußball in unserem Land weit weg von Gleichheit, Gerechtigkeit und Leistung gespielt wird.“
Er griff auch den Rechteinhaber an und unterstellte diesem eine gezielte Wahrnehmungssteuerung gegen Besiktas. Positionen, die zugunsten des Vereins entschieden werden müssten, würden nicht gezeigt, während Szenen gegen den Klub sofort groß auf den Bildschirm kämen. Adali stellte offen die Frage, warum frühere Verantwortliche nie härter auf diese Entwicklungen reagiert hätten.
„Wir konnten keinen von 86 Millionen Türken zur WM schicken“
Besonders emotional wurde Adali, als er über die internationale Bedeutung der türkischen Schiedsrichter sprach. Dass bei der Weltmeisterschaft keine türkischen Referees vertreten seien, bewertete er als Symbol für den Zustand des Systems. „Wir konnten keinen Schiedsrichter aus der großen Republik Türkei mit 86 Millionen Einwohnern zur Weltmeisterschaft schicken.“
In diesem Zusammenhang wandte er sich auch direkt an TFF-Präsident Ibrahim Haciosmanoglu. Sinngemäß fragte er, was dieser an seiner Stelle tun würde, wenn eine so große und etablierte Gemeinschaft wie Besiktas Woche für Woche unter denselben Diskussionen leiden müsse. Adali machte klar, dass er die Verantwortung für diese Entwicklung nicht bei sich, sondern bei den entscheidenden Gremien sehe.
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1,9 Milliarden TL neue Sponsoring-Einnahmen in vier Monaten
Neben aller Kritik präsentierte der Präsident auch konkrete wirtschaftliche Fortschritte. Er erklärte, dass der Verein seit der Divan-Sitzung im Dezember innerhalb von nur vier Monaten zwölf neue Sponsoring- und Kooperationsverträge abgeschlossen habe. Diese sollen dem Klub insgesamt rund 1,9 Milliarden TL eingebracht haben.
Besonders wichtig waren für ihn die beiden großen Verlängerungen mit Tüpras und BEKO. Der Namenssponsorenvertrag mit Tüpras wurde um drei Jahre bis zum Ende der Saison 2028/29 verlängert und bringt 1,18 Milliarde TL, komplett im Voraus bezahlt. Auch die Brustsponsoring-Vereinbarung mit BEKO läuft für weitere drei Jahre und hat laut Adali einen Wert von fast 500 Millionen TL. Alle Einnahmen aus diesen beiden Deals sollen direkt in die Tilgung der Schulden gegenüber dem Bankenkonsortium fließen.
Stadion-Konzerte sollen rund drei Millionen Dollar Gewinn bringen
Ein weiteres viel diskutiertes Thema sprach Adali ebenfalls offensiv an: die Konzertveranstaltungen im Stadion. Er kündigte an, dass der Rasen im Tüpras-Stadion nach der Saison wie üblich entfernt und erneuert werde. In dieser Phase sollen Konzerte stattfinden, die dem Verein erhebliche Mehreinnahmen bringen.
Nach seinen Angaben werden diese Veranstaltungen Einnahmen von etwa vier Millionen Dollar erzeugen. Die neue Spielfläche werde rund 700.000 Dollar kosten. Daraus ergibt sich laut Adali ein Nettoertrag von ungefähr drei Millionen Dollar. Mit diesen Zahlen wollte er den Kritikern zeigen, dass solche Sommerveranstaltungen für Besiktas wirtschaftlich sinnvoll und kein Verlustgeschäft sind.
Adali verspricht ein stärkeres Besiktas in der kommenden Saison
Zum Abschluss seiner Rede zeichnete der Präsident ein bewusst positives Zukunftsbild. Er erklärte, dass Besiktas heute schon ein viel hoffnungsvolleres und positiveres Bild abgebe als noch vor Monaten. Die Enttäuschung, das Chaos und der Vertrauensverlust der vergangenen Jahre sollten mit der kommenden Saison endgültig aufgebrochen werden.
Sein Schlussappell war entsprechend deutlich. Die Gemeinschaft, die Unterstützer und die Mitglieder müssten diesen Weg gemeinsam mitgehen. Wenn das gelinge, werde ein sportlich stärkeres und wirtschaftlich unabhängigeres Besiktas entstehen. Genau das ist die Vision, die Serdal Adali nun mit großer Schärfe nach außen getragen hat.



Ein Kommentar
Ich muss Adali in großen Teilen seiner Rede zustimmen, dass man bei der anstehenden WM komplett auf türkische Schiedsrichter verzichtet zeugt seitens der FIFA nicht gerade von großem Vertrauen oder gar Qualität gegenüber der türkischen Schiedsrichtermafia.
Ich würde diesen Umstand sowieso als große nationale Schande bezeichnen, dass ein 86 Millionen Volk keinen einzigen Schiedsrichter zu einem Großereignis wie einer FIFA WM schicken kann, das ist eine Bankrotterklärung gegenüber den türkischen Schiedsrichtern und ein klarer Beweis von Misstrauen.
Auch in der Türkei traut keiner irgendwelchen türkischen Schiedsrichtern sie werden als durchwegs korrupt, manipulativ und opportunistisch bewertet und angesehen, dass nach dem Wettskandal bis dato noch kein einziger TFF Funktionär hinter Gittern sitzt ist nicht nur ein großer Skandal, sondern bestätigt dieses große Misstrauen gegenüber dem türkischen Fussballverband noch weiter.
Was den Rechteinhaber angeht, so pflichte ich Adali auch hier bei, auch in unseren Spielen werden kritische Positionen in unserem Sinne nicht gezeigt oder übergangen in der Zusammenfassung gibts absolut keine kritischen Szenen die pro FB ausgelegt werden können, die Qualität der Übertragungen haben sich im Vergleich zu Show TV, Kanal D oder Lig TV Zeiten auch erheblich verschlechtert, damals war die Qualität der Übertragungen sehr viel höher als heute.
beIN Sports investiert sogut wie absolut gar nichts in die Qualität ihrer Übertragungen, in der Bundesliga sieht man inzwischen auch eine Schiedsrichterkamera oder in der Sportschau ist eine vergößerte Lupe zu sehen, die kritische Szenen auflöst, auch bei der Zweitverwertung dürfen keinerlei Bilder von den Spielen gezeigt werden, was im Endeffekt auch total kontraproduktiv für den türkischen Fussball ist.
Passolig ist sowieso der allerletzte Mist, dadurch bleiben viele türkische Stadien vollkommen leer, türkische Traditionsmannschaften wie Eskisehir, Bursa, Karsiyaka und Co. werden aufgrund von Missmanagment, Korruption und politische Dogmen durch irgendwelche Retortenmannschaften insbesondere aus Istanbul ersetzt, das steigert auch nicht gerade das Interesse an der türkischen (sari kirmizi) Istanbul-Lig.
Dass FB in dieser Liga seit 12 Jahren auch nicht mehr die Meisterschaft gewinnen darf ist auch absolut kontraproduktiv für einen freien, offenen und fairen Wettbewerb, eigentlich wird der türkische Fussball finanziell wie sportlich in den Ruin getrieben, es würde mich inzwischen nicht wundern, wenn mehr türkische Fussballanhänger ausländische Ligen verfolgen als die türkische Süperlig, da es dort im Vergleich zur türkischen Liga auch Fussball zu sehen gibt.
Ich habe es schon eine Million Mal geschrieben, dass ich mir unter diesen Bedingungen niemals im Leben ein beIN Sports Abo holen würde, ich meine wieso soll ich für eine Liga Geld bezahlen, wenn unsere Mannschaft seit nunmehr 12 Jahren nicht einmal Meister werden darf, als FB’li ist das nicht in meinem persönlichen Interesse.