Selcuk Inan über den WM-Einzug der Türkei: „Die Stabilität von Montella hat den Erfolg gebracht“
Der frühere Nationalspieler Selcuk Inan hat den WM-Einzug der Türkei nach dem 1:0 gegen den Kosovo mit großer Freude begleitet und die Entwicklung der Milli Takim deutlich gelobt. Der heutige Trainer von Kocaelispor sieht in der Arbeit von Vincenzo Montella einen zentralen Erfolgsfaktor und traut der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2026 auch das Weiterkommen in der Gruppe zu (mehr zur türkischen WM-Gruppe D).
Selcuk Inan bedankt sich bei Mannschaft und Trainerteam
Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur IHA machte Selcuk Inan zunächst deutlich, wie stolz ihn dieser Erfolg macht. „Ich möchte allen Spielern danken, die ihren Beitrag geleistet haben, dem Chefcoach, dem Trainerstab, dem Materialteam, allen, die dabei waren.“ Gleichzeitig betonte er: „Sie haben uns als Menschen, die diese Gefühle selbst erlebt haben, stolz und glücklich gemacht. Wir können ihnen nur von ganzem Herzen danken.“
Der frühere Mittelfeldspieler hob hervor, dass diese Mannschaft den Erfolg verdient habe. Aus seiner Sicht verfügt die Türkei über eine sehr gute Generation, starke Einzelspieler und einen Trainer, der der Gruppe Stabilität gegeben hat. Genau deshalb sei die Qualifikation für die Weltmeisterschaft aus seiner Sicht folgerichtig und kein Zufall.
„Es ist nicht einfach, das Spiel von außen zu verfolgen“
Besonders eindrücklich beschrieb Selcuk Inan die Gefühle rund um den Abend aus der Perspektive eines ehemaligen Nationalspielers. „Es ist nicht einfach, das Spiel von außen zu beobachten.“ Dazu sagte er weiter: „Die Menschen sind sehr aufgeregt. Man kann von außen nichts tun. Wir können nur beten und versuchen, ihnen unsere Energie zu schicken.“
Damit machte er deutlich, wie anders sich ein solches Spiel anfühlt, wenn man nicht selbst auf dem Platz steht. Wer diese Momente früher aktiv erlebt habe, spüre die Anspannung auch vor dem Fernseher oder am Spielfeldrand ganz besonders. Gerade deshalb sei die Freude über den Erfolg der aktuellen Nationalmannschaft für ihn so intensiv gewesen.
Selcuk Inan traut der Türkei das Weiterkommen zu
Mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2026 zeigte sich der 41-Jährige optimistisch. „Ich glaube, sie können die Gruppe erfolgreoch meistern.“ Diese Aussage ist bemerkenswert, weil Selcuk Inan die Lage gleichzeitig realistisch einordnet. Er betonte, dass die Türkei nicht zwangsläufig der Favorit ihrer Gruppe sei, aber sehr wohl zu den Mannschaften gehöre, die realistische Chancen auf das Weiterkommen hätten.
Seiner Einschätzung nach ist schon die konstante Teilnahme an großen Turnieren ein Erfolg an sich. Er erklärte, dass Stabilität wichtiger sei als alles andere und dass die Türkei künftig dauerhaft bei solchen Endrunden vertreten sein müsse. Nach 24 Jahren wieder eine Weltmeisterschaft zu erreichen, dürfe kein Ausnahmezustand bleiben, sondern müsse der neue Standard werden.
„Wir müssen immer dabei sein“
Genau an diesem Punkt formulierte Selcuk Inan seine vielleicht wichtigste Botschaft. „Es ist sehr wichtig, an diesen Turnieren teilzunehmen. Wir sollten das nicht noch einmal erleben. Wir müssen bei diesen Turnieren immer dabei sein.“ Damit verknüpfte er den aktuellen Erfolg mit einer grundsätzlichen Erwartung an die Zukunft des türkischen Fußballs.
Inhaltlich lobte er dabei ausdrücklich die Entwicklung unter Montella. Die Türkei habe sich für die Europameisterschaft qualifiziert, dort die Gruppenphase überstanden, sei in die Liga A der UEFA Nations League aufgestiegen und habe nun auch das Ticket für die WM gelöst. Diese Abfolge sei aus seiner Sicht alles andere als selbstverständlich und verdiene große Anerkennung.
Historische WM-Rückkehr: Die Türkei ist nach 24 Jahren wieder dabei – zum dritten Mal überhaupt
Montellas Stabilität als Schlüssel zum Aufschwung
Besonders klar wurde Selcuk Inan, als es um den Einfluss des italienischen Nationaltrainers ging. „Natürlich können wir sagen, dass diese Stabilität Erfolg bringt.“ Und weiter: „Diese Trilogie ist nicht einfach zu erreichen. Deshalb sollten wir sowohl dem technischen Team als auch den Spielern immer wieder gratulieren.“
Indirekt ist damit auch seine Analyse der letzten Monate beschrieben: Die Nationalmannschaft wirkt gefestigter, erfahrener und auf hohem Niveau konkurrenzfähig. Viele Spieler stehen bei großen Vereinen unter Vertrag, sammeln Erfahrung in der UEFA Champions League und in europäischen Wettbewerben. Genau das verleiht dem Team aus seiner Sicht zusätzliche Reife für ein Turnier wie die Weltmeisterschaft.
Auch Kritik und soziale Medien ordnet Selcuk Inan ein
Neben dem Sportlichen sprach der frühere Nationalspieler auch über den Umgang mit Kritik. „Das ist Teil des Spiels.“ Er erinnerte daran, dass auch seine Generation Reaktionen und Kritik habe aushalten müssen, betonte aber, dass die heutige Zeit durch soziale Medien noch einmal andere Anforderungen mit sich bringe.
Inan ist überzeugt, dass die aktuelle Spielergruppe mental mit diesen Umständen umgehen kann. Die junge Generation sei sich der Dynamik sozialer Medien bewusst und wisse, dass dies inzwischen Teil des Profifußballs sei. Deshalb rechnet er nicht damit, dass die Mannschaft dadurch aus dem Gleichgewicht gerät.
Die Erinnerung an das Island-Tor von 2015 ist bis heute lebendig
Besonders emotional wurde es, als Inan auf sein entscheidendes Tor gegen Island auf dem Weg zur EURO 2016 zurückblickte. „In diesem Moment erlebt ein Mensch eine solche Explosion von Emotionen.“ Er ergänzte: „Jedes Mal, wenn ich darüber spreche, fühlt es sich an, als würde es noch einmal passieren.“
Der ehemalige Nationalspieler erinnerte daran, dass das Land damals schwierige Zeiten durchlebt habe und die Qualifikation eine besondere emotionale Wirkung entfaltet habe. Für ihn sei es einer der wichtigsten Momente seines Lebens gewesen, dem Land mit diesem Tor Freude und Stolz geschenkt zu haben. Genau deshalb könne er auch nachempfinden, was die heutigen Nationalspieler nach dem Treffer von Kerem Aktürkoglu gegen den Kosovo empfunden haben.
Selcuk Inan sieht in Kerem Aktürkoglu den neuen Matchwinner
Zum Abschluss zog Selcuk Inan die direkte Verbindung zwischen damals und heute. „Gestern hat Kerem Aktürkoglu dasselbe getan.“ Diese Aussage zeigt, wie sehr ihn das entscheidende Tor der aktuellen Mannschaft an seinen eigenen historischen Moment erinnerte.
Für Selcuk Inan ist deshalb klar: Der WM-Einzug der Türkei ist nicht nur ein Erfolg auf dem Papier, sondern ein Moment, der sich tief im kollektiven Gedächtnis festsetzen kann. Die Mannschaft hat dem Land nach 24 Jahren wieder eine Weltmeisterschaft geschenkt – und mit Montellas Stabilität, dem gewachsenen Teamgefüge und Spielern mit internationaler Erfahrung sieht ein EM-Held von 2016 sogar gute Chancen, dass diese Geschichte in Nordamerika noch weitergeht.


