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Home»Süper Lig»Die BOLZR-Wochenkolumne: Warum türkische Kommentatoren keinen Spaß machen
Süper Lig 19. November 2019

Die BOLZR-Wochenkolumne: Warum türkische Kommentatoren keinen Spaß machen

Von Mikail Uzun34 Minuten Lesezeit
Kolumne Süper Lig
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Die meisten, die den türkischen Fußball verfolgen, kennen sie. Sei es Ercan Taner, Melih Sendil oder Yalcin Cetin. Der türkische Fußball wird selbstverständlich größere Baustellen als diese haben. Erinnert ihr Euch als leidenschaftlicher Sportkonsument vor dem Fernseher jedoch nicht auch ständig an die Zeiten, als die Spiele der Süper Lig noch live im Radio übertragen wurden? Mittlerweile kann jede Partie – auch internationale Ligen – über den Rechteinhaber „beIN SPORTS“ über die volle Länge verfolgt werden. Die Technologie setzt in dieser Hinsicht ihre Entwicklung fort, doch eines ist gleich geblieben. Die Kommentatoren sagen weiterhin jeden einzelnen Spieler an, der an den Ball kommt. Doch damit nicht genug. Nicht selten bekommt man zu hören auf welcher Seite er den Ball angenommen und an wen er ihn weitergeleitet hat, oder ob der Ball im Seiten- oder im Toraus gelandet ist. Wie bereits erwähnt, hat der türkische Fußball größere Baustellen. Doch ich möchte hiermit einen Denkanstoß geben, da mich dieses Thema seit geraumer Zeit beschäftigt.

Weniger Spielernamen, mehr Storytelling

Meistens schalte ich den Kommentator bereits nach fünf Minuten auf Stumm, da ich die Spielernamen nicht zum zehnten Mal hören möchte. Schließlich sehe ich das selbst. Anstelle von „Spieler X passt zu Spieler Y, Y spielt zurück zu X, der spielt den Ball lang nach vorne, doch der Ball landet im Toraus“ würde ich mir als Fußballfan besonders in weniger ansehnlichen Spielen mehr Statistiken und Hintergrundinformationen wünschen. Mir kommen Themen wie beispielsweise die früheren Begegnungen beider Teams, besondere Vorkommnisse in diesen Partien, kuriose Ergebnisse oder herausstechende Spieler in den Sinn. Da dies auf Dauer vom Spielgeschehen zu sehr ablenken würde, sollte es natürlich in einem angemessenen Rahmen erfolgen. Der Aufgabenbereich eines Kommentators sollte nicht darin beschränkt sein, über 90 Minuten lediglich Spielernamen anzusagen und bei Toren oder Torchancen möglichst laut zu schreien.

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Aussprache üben, Mut zur eigenen Meinung

Besonders in internationalen Partien fällt mir auf, dass ich Spielernamen teilweise im Internet nachschauen muss, da die Aussprache des Kommentators nicht verständlich ist. In der heutigen Zeit sollte die Information über die Aussprache – selbst bei fehlenden Sprachkenntnissen – kein großes Hindernis darstellen.  Was mir persönlich ebenfalls fehlt, ist die eigene Meinung der Kommentatoren in strittigen Situationen. Selbst die heikelsten Szenen werden lediglich mit „Der Assistent hebt die Fahne“, oder „Der Schiedsrichter entscheidet (nicht) auf Strafstoß, die Spieler beschweren sich“ kommentiert. Wer die Spiele anderer Ligen auf anderen Sprachen wie beispielsweise Deutsch oder Englisch verfolgt, weiß, dass die Kommentatoren sich nicht davor scheuen, ihre eigene Meinung zu der Szene oder sogar zu den Leistungen der Spieler zu äußern. In der Türkei wird das wahrscheinlich aus Angst vor unangemessener Kritik gemieden.

Veraltete Arbeitsweise an die heutige Zeit anpassen

Die Art und Weise wie türkische Kommentatoren ihre Arbeit erledigen ist leider veraltet. Durchgehend das wiederzugeben, was der Zuschauer bereits selbst sieht, sollte nicht Sinn der Sache sein. Der Kommentator trägt die Verantwortung dafür, das Event zu veranschaulichen und den Zuschauer – wenn nötig – mit Randinformationen zu versorgen und dadurch zu unterhalten. In einem Fußballspiel, in dem sich die Teams einen offenen Schlagabtausch liefern, wird das weniger nötig sein. Doch auch in solchen Begegnungen kann der Kommentator den Zuschauer aktivieren, indem er die Atmosphäre rüberbringt. Dazu muss er darauf achten, in welchen Situationen es angebracht wäre, sich selbst etwas zurückzuhalten und in welchen Phasen er nachhelfen muss. All das würde das Spielerlebnis erheblich verbessern. Selbst in ansehnlichen und temporeichen Partien bin ich persönlich von den türkischen Kommentatoren genervt, da sie mit ihren – nicht vorhandenen – Erzählungen eher überflüssig sind.

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3 Kommentare

  1. efsane07 Am 19. November 2019 23:18

    Ich muss mich der Kritik von Hr. Uzun absolut anschließen, jemand der bei so einer banalen Sache wie Fussball keine eigene Meinung vertreten kann ist für mich absolut ferngesteuert, so einen kannst du weder im richtigen Leben noch als Fussballkommentator gebrauchen.

    Jemand der den Namen Vadat Muriqi ( Ausgesprochen : Muriki ) in das serbische Muric verwandelt oder den Namen Neustädter als Neustader ausspricht ist für mich als Sportkommentator einfach eine absolute Dumpfbacke, anders kann man solche türkischen Kommentatoren einfach nicht bezeichnen.

    Der Oberhammer ist ja wenn sie dann einen Marco Reus ( Ausgesprochen: Roys ) als Reyus oder Rapid Wien als Rapid Wiyen aussprechen fehlt mir jegliches Verständnis.

    Ich meine, wenn man schon vor 500 Jahren als Osmane die Stadt Wien zweimal belagert und beschossen hat kann man doch den Namen nicht immer noch falsch aussprechen oder, wie kann man da als türkischer Sportkommentator noch so hohl in der Birne sein?

  2. Kubinho74 Am 19. November 2019 21:03

    Ich finde es schade, dass türkische Kommentatoren nie ihre eigene Meinung in die Geschehnisse einbauen. Leider wird bei strittigen Szenen nie was gesagt. In der Bundesliga gibt der Kommentator seine Meinung ab, sei es eine rote Karte, Abseits oder eine Rangelei. Das macht die Sache meiner Meinung nach interessanter. Jeder sollte wissen was ich meine.
    Ich verstehe auch das so etwas in der Türkei Kritik mit sich bringt oder man sogar raus geworfen wird.
    Aber dennoch gefallen mir die türkischen Kommentatoren, nur dieser Yalcin Cetin ist für mir eine Vollkatastrophe.

  3. Türkiyem Am 19. November 2019 14:59

    Kann dir Kritik nicht so ganz verstehen. Also es gibt nichts schlimmeres als die langweiligen deutschen Kommentatoren die minutenlang stumm sind oder bei einem Traumtor (bestes Beispiel letzte Saison Freistoßtor von Lasse Schöne gegen Real Madrid) einfach nur ein „der passt“ kommt anstatt mal Begeisterung zu zeigen damit eben die Zuschauer auch begeistert sind.
    Also ich bin wie gesagt komplett anderer Meinung.
    Zusätzlich muss ich sagen das niemand mehr diese Liga attraktiv machen kann. Egal was man erzählt. Was will man denn erzählen? Die letzte Schlägerei zwischen Fener und Gala? Die Affengeräuschd von Beşiktaş gegen Eboue? Die Statistik das der Ball zu 70% nur hinten hin und her gepasst wird?

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