Galatasaray

Kolumne: Letzter Funken Hoffnung in Rize erloschen


Um erneut Türkischer Meister zu werden braucht Galatasaray, so ehrlich muss man sein, fast schon ein Fußballwunder. Diese These hätte man auch aufstellen können, wenn die „Löwen“ am Sonntag in Rize mit drei Punkten den Platz verlassen hätten. Nach 24 Minuten stand eigentlich schon fest, dass man auf unglückliche Art den Titel verspielt hat. Der französische General Napoleon Bonaparte sagte einst: „Ein Führer ist jemand, der Hoffnung vermittelt.“ Hoffnung bescherte Galatasaray in den vergangenen Jahren mit Siegesserien im Endspurt mehrere Meisterschaften. Auf dem Platz ging sie von keinem anderen Feldspieler aus als von Schlussmann Fernando Muslera. Galatasaray hat am Sonntagabend seine wichtigste Hauptfigur der letzten zehn Jahre verloren. Dass es sich um keinen Ausfall handelt, den man umgehend kompensieren kann, vermittelten die verzweifelten Blicke von Falcao & Co., als Muslera von Rettungssanitätern Richtung Krankenhaus transportiert wurde. Es war der Augenblick, an dem das gesamte Team vielleicht den Glauben an den Titelgewinn verloren hat. Entsprechend war auch die Mannschaftsleistung. Man wirkte wie gelähmt und war total hilflos.

Muslera ist eine besondere Persönlichkeit. Ein Dirigent, ein wahrer Kapitän. Er hat oft genug bewiesen, dass er in stürmischen Zeiten ein guter Steuermann ist. Keine individuelle Leistung hat in den letzten zehn Jahren mehr Endergebnisse in der Süper Lig beeinflusst wie seine. Zahlreiche Galatasaray-Fans sind sich nicht umsonst darüber einig, dass „Nando“ vor Taffarel bereits zur größten Torwartlegende der Vereinsgeschichte gehört. Der Uruguayer nimmt seinen Job immer ernst, gleichzeitig kann man ihm die Freude an diesem Sport an den Augen ablesen. Manchmal schläft die ganze Mannschaft über 90 Minuten hinweg, doch auf ihn ist so gut wie immer Verlass. Er platzt vor Ehrgeiz. Dies sieht man insbesondere dann, wenn er ein Tor kassiert und seine Blicke voller Wut auf die Hintermannschaft richtet. Trotzdem hat er seine Gefühle und Emotionen immer im Griff. All seine Rivalen zollen ihm großen Respekt, weil er ein fairer Sportsmann ist. Selbst ein Volkan Demirel richtete ihm mit der Message „Get well soon, Brother“ seine Genesungswünsche aus. Ob er das jemals für einen Galatasaray-Spieler getan hat? Ich denke nicht.

Und gerade so ein wichtiger Mann wird Terim in den nächsten sieben Spielen fehlen. Hinzu kommen die Verletzungen von Marcao und Luyindama, die die Defensive des Rekordmeisters enorm beeinträchtigen. Galatasaray fehlen im kommenden Ligaspiel zusätzlich Andone, Adem Büyük und Ryan Donk. Die psychischen Rückschläge, die das Team in kurzer Zeit verarbeiten muss, sind immens. In der Vergangenheit drehte der “Imperator” den Spieß nach derartigen Rückschlägen eigentlich immer wieder um und hielt am Ende den Pokal in den Händen. Doch bei allem Respekt an seine großartigen Trainerfähigkeiten: Galatasaray kann ein Titelrennen ohne Muslera nicht überstehen. Das sind völlig andere Ausmaße.


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Hüseyin Yilmaz

Hüseyin Yilmaz

Wirtschaftswissenschaftler, Freier Sportjournalist, Kosmopolit, Hürriyet Gücer-Fan und Spor Toto Süper Lig-Liebhaber

3 Kommentare

  1. Avatar
    16. Juni 2020 um 10:15 —

    Hatte schon vor dem Liga-Restart einem Freund gesagt, GS kann kein Meister werden. GS,FB und BJK können ohne Zuschauer nicht spielen.
    IBB ist der Titelfavorit, die sind gewohnt ohne Zuschauer zu spielen, nur TS kann evtl. mithalten, da die sehr guten Fußball spielen, GS hingegen hat vieles nur dank der Unterstützung der Fans geschafft. Ohne die Fans wäre GS im Mittelfeld der Tabelle mit der Spielweise diese Saison.

    Ich gönne es TS, die verdienen es mal Meister zu werden, nach so langer Zeit wieder mal.

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      16. Juni 2020 um 13:17

      Ich gönne es Trabzonspor auch. Zuletzt wurde man 2011 Meister.

      Aber Basaksehir hat eine gute Europapokal-Saison gespielt. Sie hätten es am meisten verdient, Meister zu werden. Freue mich sehr für Okan Buruk!

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      16. Juni 2020 um 13:29

      Ja, ich gönne es Trabzon auch. Um ehrlich zu sein ist alles besser als Tassaksehir. Ich hoffe, dass dieser Erdogan Verein nie den Meistertitel gewinnt. Da wäre es mir sogar lieber, dass Fener den Titel gewinnt. Immerhin ist Fener ein Traditionsverein mit Geschichte und kein staatlich finanzierter Klub, der nichts anderes als eine Propaganda Maschine ist. Dennoch würde es mich ein wenig für Okan Buruk freuen, den ich als Nachfolger von Fatih Terim sehe.

      Natürlich hoffe ich immer noch, dass wir uns für die CL qualifizieren können. Ob über die Quali oder wenn Trabzon gesperrt wird und wir als Nachfolger in die Gruppenphase gehen. Es wäre mir egal, Hauptsache wir kriegen die nötigen Mios durch die Teilnahme.
      Auf der anderen Seite hätte ich nichts dagegen auch mal wieder Euro League zu spielen. Ich denke, dass wir in diesem Turnier Chancen bis auf ein Viertelfinale hätten. Wäre gut für die 5-Jahreswertung und das Ansehen der Liga, wenn wir in europäischen Ligen beständig aus der Gruppenphase kommen. Und nicht nur mit einem Vertreter sondern jede Saison mit mindestens 3 oder 4. Das wäre fantastisch.

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