Fenerbahce

Fenerbahce: Festung Kadiköy ist gefallen – Die Tragweite einer Niederlage

Erstmals seit gut 15 Jahren hat Fenerbahce ein Istanbul-Derby in Kadiköy verloren und zum ersten Mal seit 21 Jahren gegen den Erzrivalen Galatasaray. Vor der bitteren 1:3-Pleite unterlag „Fener“ zuletzt am 17. April 2005 gegen den anderen großen Konkurrenten vom Bosporus, Besiktas. Damals verloren die Gelb-Marineblauen mit 3:4. Gegen Galatasaray dauerte der Nimbus der Unbesiegbarkeit sogar über zwei Jahrzehnte. In den letzten zwei Dekaden gewann Fenerbahce von den 23 Duellen im heimischen Stadion 15. Zusätzlich gab es acht Remis. Aber verloren wurde nie mehr seit dem 22. Dezember 1999 (1:2) gegen „Gala“.

Psychologischen Vorteil eingebüßt

Doch nun ist diese überragende Serie gerissen und damit auch ein wichtiger mentaler Stützpfeiler für Fenerbahce verloren gegangen. Diese erdrückende Überlegenheit und die schiere Verzweiflung der Gegner nicht in Kadiköy gewinnen zu können, waren in jedem Titelrennen der vergangenen 15-20 Jahre ein unfassbarer mentaler Vorteil.

Während die Hausherren und ihre Anhänger vor Selbstvertrauen im Vorfeld dieser Duelle zuhause nur so strotzten und sich regelrecht in einen Rausch hochpeitschten, nahm der psychologische Druck, der auf den Gästen und ihren Fans lastete, bisweilen schon groteske Züge an. Vergessen wir mal die zuvor von Experten oftmals attestierten spielerischen Vorzüge der Gastteams, so gelangen dem Istanbuler Besuch häufig die einfachsten fußballerischen Dinge nicht.

Immer wollte man die Elf sein, die den „Kadiköy-Fluch“ bricht und einen Auswärtssieg im Ülker-Stadion (beziehungsweise Sükrü Saracoglu-Stadion) feiert. Dieser selbst erzeugte Druck lähmte immer wieder auch gestandene Profis und größten Stars des Gegners, während die eigenen Spieler von Fenerbahce reihenweise über sich hinauswuchsen. Selbst wenn eine Niederlage drohte, wussten alle im Stadion, dass man dies noch abwenden wird. Und so kam es grundsätzlich auch immer. Was auch die gegnerischen Fans mit einem fast schon traditionellen „das war klar“ quittierten.

Nur einen Klick entfernt: Folgt GazeteFutbol auch auf Twitter!

Kadiköy-Trauma überwunden und “Mitkonkurrenz” neuen Mut verliehen

Ob offen ausgesprochen oder nur lapidar überspielt, alle Spieler, Verantwortliche und Fans von Besiktas und Galatasaray hatten Ehrfurcht vor diesem Auswärtsspiel, wenn nicht gar in gewisser Form tatsächlich Angst. Und ein Spiel, das so in den Köpfen beginnt, ist nahezu entschieden. Zumindest aber die halbe Miete. Doch nun ist die vielleicht legendärste Serie im türkischen Fußball Geschichte und damit ändert sich vieles in besagten Köpfen. Galatasaray wird von nun an mit der enormen Erleichterung und Gewissheit in Kadiköy antreten, hier wirklich gewinnen zu können.

Und für Besiktas oder auch Trabzonspor ist dies ein Signal, zukünftig mit deutlich mehr Glauben an einen Erfolg anzureisen, was es Fenerbahce abermals schwerer machen wird. Zumal man sich in Kadiköy ab jetzt eingestehen muss: „Ich kann hier also verlieren“. Denn eine essentielle Konstante ist weggebrochen. Selbst, wenn es sportlich in der Saison nicht lief, sehnte man sich die Heimspiele gegen die Istanbuler Rivalen im Titelrennen förmlich herbei, um die Wende einzuschlagen: „Sie müssen noch nach Kadiköy kommen“, wie es immer so schön hieß.

Ereignisse, die es nicht zulassen, dass wir uns vom türkischen Fußball abwenden

Alle Serien enden einmal. Doch seien wir ehrlich, viele von uns haben was Kadiköy betrifft im Stillen nicht daran geglaubt, dass diese ganz besondere Serie noch zu unseren Lebzeiten reißen könnte. Auch, wenn wir immer wieder vollmundig und laut ausgesprochen das Gegenteil behauptet haben. Aber das macht diesen Sport ja so besonders. Und wenn wir uns auch über viele Dinge im türkischen Fußball echauffieren, so sind es doch auch gerade Serien oder Ereignisse wie das Ende selbiger, die uns am Ende des Tages trotz Wut, Resignation oder Enttäuschung für die Süper Lig begeistert.

Werde GF-Patron und bestimme mit …

Warum Patron werden? Hier erfahrt Ihr es!

Nur einen Klick entfernt: Folgt GazeteFutbol auch auf Instagram!

Vorheriger Beitrag

Galatasaray: Marcao lässt sich nach Triumph Derby-Datum tätowieren

Nächster Beitrag

Fashion-Transfer: Merih Demiral wechselt zu Kivanc Tatlitug in die Modewelt

Anil P. Polat

Anil P. Polat

Co-Owner/Chefredaktion GazeteFutbol
Hürriyet.de-Redaktion

7 Kommentare

  1. Avatar
    26. Februar 2020 um 22:47

    Im Text steht seit 21 Jahren konnte Gala nicht gewinnen? Danach steht das Datum Ende Dezember 1999.

    Eine Frage: Hat der Autor Probleme beim Zählen? Es sind 20 Jahre.

  2. Avatar
    26. Februar 2020 um 17:10

    Ali Koc :
    Macta kural hatasi var.
    Henryin son caliminda kalecimiz Altayin basi döndü ve hastaneye kaldirildi. Böyle bir sey Olabilir mi ya?
    TFFden macin tekrar oynanmasini talep ediyoruz.

  3. Avatar
    26. Februar 2020 um 14:10

    Dieser Sieg hat sogar noch eine grössere Tragweite als der Autor es geschildert hat. Die Schiedsrichter müssen nicht mehr vom Verein und seinen Anhängern fürchten, wenn Fener verliert. Die Serie ist nun mal gerissen, man kann jetzt auch mal einen fragwürdigen Elfer für Fener nicht pfeiffen. Nur mit dieser Furcht kann ich mir die vielen unerklärlichen Entscheidungen der letzten Jahre erklären.

  4. Avatar
    26. Februar 2020 um 13:04

    fun fact: serdar aziz, tolga cigerci und gerry haben immer noch kein derby Sieg in Kadiköy (fb / gs derby) erleben dürfen ^^

    Aber ich bin auch der Meinung, dass wir eigentlich schon längst hätten gewinnen müssen… Luck und Schiri haben das nur verhindert (Siehe letzte Saison). Naja, jetzt ist das vorbei und bei Fener brennt die Hütte. Bis jetzt kam noch kein Statemant. Ich bin auch mal gespannt, was für Strafen ausgesprochen werden. Bei uns war eigentlich nur Belhanda der jenige, der aus der Reihe tanzte…

    Wir sollten aber mal so langsam wieder runter kommen. Noch sind wir nicht Meister und Trabzon ist im Moment mega gut drauf. Basaksehir gewinnt auch jede Woche.

    Wenn wir bis zum Besiktas Spiel alles gewinnen, dann sieht es gut aus. Ich fahre übrigens zu dem Spiel hin 😀

    Wo ist eigenltich littleboy, ähhmm, littlegirl hin? HSV und Fener verlieren ein Derby und er ist bestimmt sehr traurig. (Vielleicht locke ich ihn mit Provokationen hier her :P)

  5. Avatar
    26. Februar 2020 um 11:58

    Naja wenn man sich den Artikel so durchließt, kommt es einem so vor, als ob es unmöglich gewesen wäre in Kadiköy zu gewinnen. Ich erinnere mich an einige Spiele, wo GS gewinnen hätte müssen, aber dann einfach an sich selbst gescheitert ist. Man erinnere sich an den Lattentreffer von Baros vor einigen Jahren in der allerletzten Sekunde.
    Auch TS hätte letztes Jahr dort gewinnen müssen, aber ist dann an sich selbst gescheitert und ein Valbuena hat dann in der 96. Minute das Ding reingemacht.

    Ein Derby ist meiner Meinung nach einfach eine Kopf Sache. Es kommt nicht darauf an in welcher Form das Team ist oder wer verletzt ist, hat man eine Strategie und man setzt diese durch dann gewinnt man auch. Und diese Strategie hatte Terim am vergangenen Wochenende. Ich erinnere mich an das Derby, als wir mit Hagi in Kadiköy angetreten sind, wir waren irgendwo im unteren Mittelfeld der Tabelle und hätten dort gewinnen müssen, aber das besagte Glück in den Derbys war einfach auf der Seite von FB an dem Abend.

    Mir war diese Serie schon immer egal, irgendwann reißt jede Strähne. Nach 2 Tagen redet doch sowieso keiner mehr über diese Statistik, erst wenn das nächste Derby näher kommt. Meinterwegen hätte FB dort die nächsten 20 Jahre gewinnen können, wenn wir dafür im Mai den Pokal in die Luft stemmen, ist mir das ganz recht.

    Ich denke nun werden es die anderen Teams auch leichter haben dort zu gewinnen. TS, BJK oder Basak werden mit einem ganz anderen Gefühl in die Partie gehen, gerade TS traue ich auch einen Sieg zu.

  6. Avatar
    26. Februar 2020 um 9:42

    Ach kadiköy ist doch schon lange am bröckeln.
    Anadolu Vereine besiegen uns seit jahren zu hause, es war nur eine Frage der Zeit bis auch GS wieder siegt.

    Fener wird von Saison zu Saison schlechter.
    Man holt 1-2 gute spieler, aber behält auch den meisten dreck, holt noch ein kack trainer und noch 5-6 beschissene Spieler dazu.
    Und das geht jetzt schon seit ner Weile so, jeden Sommer die gleiche scheiße.

    Koc ist jetzt fast 2 Jahre Präsident und er hat noch nichts gerissen. Alles was er angekündigt hat von wegen Jugend etc und gute europäische Trainer und seine dementis bzgl Yanal… er hat nur gelogen.
    Zudem die beschissenen Transfers…. Er ist eigtl genau wie Aziz Yildirim, nur unter Aziz lief es fußballerisch besser.
    Also würde mich jetzt nicht stören, wenn Koc sich verpisst und endlich jemand kommt der was vom Geschäft versteht. Da gibts bestimmt Kandidaten.
    So kann es jedenfalls nicht weitergehen. Und das Team sollte wirklich endlich mal seine faules Gemüse loswerden. HAK, Dirar, Alper, Tolga, Tolgay usw und auch Demirel muss vom Verein verschwinden.

    • Avatar
      26. Februar 2020 um 22:53

      volkan is doch weg oder nicht