Süper Lig

Ex-Fenerbahce-Coach Erol Bulut: „System nur auf Tischkicker gleichbleibend!“


Von vielen Experten, Fans und Buchmachern wurde Fenerbahce  in der vergangenen Spielzeit – aufgrund der Transfers von 20 namhaften Spielern vor Saisonbeginn – als der ganz klare Favorit auf den Titelgewinn in der Süper Lig gehandelt. Mit Erol Bulut hatte man außerdem einen Coach vorgestellt, der bei Aytemiz Alanyaspor durch einen sehr ansehnlichen Fußball das Pokalfinale erreicht hatte und auch noch Fünfter im türkischen Oberhaus geworden war. In der Theorie klang das alles ganz gut, aber in der Praxis sollte sich das nicht wirklich bewähren. Die Gelb-Marineblauen hatten zwar einen sehr vielseitigen Kader zusammengebastelt. Aber mit ihrem Ex-Spieler Bulut hatte man sich einen entscheidenden Fehlgriff geleistet. Man hatte einem vielseitigen Kader einen „einseitigen“ Trainer an die Seite(nlinie) gestellt. Wenn die Spiele nicht so verliefen, wie es sich Bulut ausmalte, dann gelang es ihm trotz der Kaderqualität nicht einen Ertrag zu erzielen. Die Handlungen des 46-jährigen Coaches waren immer reaktionsabhängig.

Bulut wehrt sich – „System nur auf Tischkicker gleichbleibend“

Natürlich ist der reaktionäre Fußball auch ein zu respektierender Spielstil. Aber dies kann keineswegs der erste Matchplan eines großen Vereins wie Fenerbahce sein. Eine große Mannschaft sollte proaktiv agieren können und den Takt angeben. Beim Spielstil von Bulut konnte man so etwas allerdings nicht erkennen. Mittlerweile ist der Deutsch-Türke nach seiner Entlassung bei den Istanbulern bei Gaziantep FK gelandet. Im Interview mit dem türkischen TV-Sender „TRT Spor“ wehrte er sich nun gegen die Anschuldigungen bezüglich seiner Zeit bei den „Kanarienvögeln“: „Vor mir gab es ein Fenerbahce, das auf den Plätzen sechs und sieben gelandet war. Ich denke, dass wir einen Anteil am Erreichen des Europapokals hatten.“ Entgegen seiner Spielweise beim 19-maligen Meister, die immer einfach zu durchschauen war, vertritt Bulut nun die Meinung, dass sich das Spielsystem immer verändert: „Innerhalb einer Begegnung gibt es viele Variablen. Das System ist nur auf dem Tischkicker gleichbleibend. Aber wichtig ist, was du von den Spielern auf dem Platz möchtest und ob diese es schließlich auch umsetzen können.“

„Jeder kann jeden schlagen“

Seine Zeit beim zentralanatolischen Klub ist bei acht Saisonspielen mit drei Siegen, zwei Remis und drei Niederlagen als durchschnittlich zu bewerten. Der aus Bad Schwalbach stammende Übungsleiter ließ den bisherigen Saisonverlauf Revue passieren: „Als wir ankamen, hatten wir die Idee, das in den letzten zwei Jahren gespielte 5-3-2-System weiter anzuwenden. Wir wollten mehr nach vorne spielen und den Ballbesitz durchsetzen. Obwohl wir gut gespielt haben, gibt es Spiele, die wir verloren haben. Unterlaufen einem Team zu viele Individualfehler, bestraft dich der Gegner. Details bestimmen den Ausgang des Spiels. Es gibt niemanden in unserer Liga, der eine stetige Siegesserie hingelegt hat. Die Mannschaft, die vor einer Woche noch sehr gut gespielt hat, kann eine Woche später eine ganz andere Leistung zeigen. Es zeigt auf, dass jeder in dieser Liga jeden schlagen kann. Ich glaube nicht, dass es eine Mannschaft gibt, die sicher sagen kann, dass sie gewinnen wird. Am Ende der Saison werden vielleicht wegen der qualitativ besseren Fußballspieler die großen Mannschaften die Nase vorne haben. Dieses Jahr haben wir unser Ziel bekanntgegeben und wollen besser abschließen als letztes Jahr. Unsere Transfers passen sich erst neu dem Team an.“

Bulut verteidigt türkische Trainer und träumt von Europa

Bereits bei seiner Amtsübernahme bei Fenerbahce hatte der ehemalige Frankfurter erklärt, dass ihn ein Trainerjob in Europa reize: „Schon im letzten Jahr hatte ich die Möglichkeit ins Ausland zu gehen. Und in diesem Jahr kamen auch Angebote aus Europa. Mir lagen zwei Angebote aus Italien und ein Angebot aus Polen vor.“ Und noch immer träumt Bulut von einer Auslandsstation, wie er am gestrigen Mittwochnachmittag verriet: „Ich richte meine Karriereplanung immer auf das höchste Niveau aus. Für mich sind die Ziele endlos. Der Grund, warum ich für drei Jahre in Gaziantep unterschrieben habe, ist, dass wir etwas beweisen wollen. Wir wollen zeigen, dass manche Dinge kein Zufall sind. Es gibt nichts in meinem Leben, was ich bereue. Ich habe immer noch das Ziel einen Trainerposten in Europa zu bekleiden. Es gab Angebote, bevor ich zu Fenerbahce ging. Jeder weiß, dass ich Fenerbahce-Anhänger bin, also heuerte ich dort an.“ Zudem verteidigte der UEFA-Pro-Lizenz-Inhaber seine türkischen Kollegen: „Wenn wir uns die türkischen Trainer anschauen, würde Europa den Coaches weiterhelfen. Andere würden dann diesem Beispiel folgen. Es kamen große ausländische Trainer in dieses Land, was haben sie erreicht? Gemeinsam werden wir uns verbessern. Es ist falsch, türkische Trainer in eine schlechte Position zu bringen und sie schlecht zu reden.“

Scharfe Kritik: „Vor Ausländerregelung strengte sich der türkische Spieler an“

Zuletzt kritisierte der einstige Öznur Kablo Yeni Malatyaspor-Coach die Ausländerregelung in der Türkei, die für viel Diskussionsstoff sorgt: „Warum sinkt die Zahl der Ausländer? Was hat die Reduzierung der Ausländerzahl mit der Jugendabteilung zu tun? Das muss mir jemand erklären. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Wie viele der U19-Spieler können jetzt in ihren Teams spielen? Da ein Fußballspieler, der aus der U19 kommt, in der Akademie nicht die richtige Ausbildung erhalten hat, muss man, wenn er in die A-Mannschaft kommt, zu Themen wie dem Positionsspiel Extra-Einheiten ansetzen. Vor der Ausländerreglung musste sich der türkische Spieler anstrengen, aber jetzt muss man von Haus aus drei spielen lassen. Meiner Meinung nach sollte es sowieso keine Begrenzungen geben. Was passiert, wenn wir europäisch spielen? Wir scheiden aus. Warum scheiden wir aus? Wenn die lokalen Spieler keine Qualität haben, was wollen wir dann in Europa erreichen? Man muss ja nicht 14 Ausländer holen. Wenn die einheimischen Spieler gut genug wären, wieso sollte ich dann Ausländer transferieren?“




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1 Kommentar

  1. 15. Oktober 2021 um 13:02 —

    Ich finde Erol Bulut gar nicht so schlecht, wie er dargestellt wird. Nur FB ist eine Stufe zu hoch für ihn. Alanya war wie geschaffen für ihn und hat dort auch ansehnlichen Fußball spielen lassen.
    Aktuell hat er mit Gazisehir auch einen tollen Kader und lässt dort guten Fußball spielen. Ich hoffe er wagt wirklich den Schitt nach Europa und kann dort etwas erreichen.
    Vor Monaten hatte ich gesagt, dass wenn er kleine Erfolge mit Genua, Bologna oder Florenz feiert, größere Teams vielleicht anfragen.
    Auch als Co-Trainer kann er bestimmt reichlich Erfahrung sammeln unter einem ausländischen Trainer. Praktikas sind auch in dem Job üblich und macht sich gut in der Karriere.
    Aber zu erst muss er den Schritt nach Europa wagen.

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