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Home»Trabzonspor»Eddie Newton: „In der Türkei fehlt die Geduld“
Trabzonspor 5. August 2020

Eddie Newton: „In der Türkei fehlt die Geduld“

Von Mikail Uzun15 Minuten Lesezeit
Eddie Newton Süper Lig Trabzonspor
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Eddie Newton, der vor wenigen Tagen vom Co- zum Cheftrainer bei Trabzonspor befördert wurde, erklärte in einem Interview gegenüber der „SporLig-Zeitschrift“ die genauen Gründe für den Qualitätsunterschied zwischen der Süper Lig und den europäischen Top-Ligen. Dabei legte der Brite den Fokus auf die Aus- und Weiterbildung von Nachwuchskickern sowie deren gewinnbringenden Verkäufe. Der 49-Jährige, dessen Ehefrau türkischstämmig ist, verfolgt die Süper Lig seit mehreren Jahren.

„Die Türkei ist nicht für junge Spieler geeignet“

Newton war jahrelang für die verliehenen Spieler des FC Chelsea verantwortlich und war in dieser Abteilung der erste Ansprechpartner. Daher kennt sich der Champions League-Sieger von 2012 bestens auf dem europäischen Markt aus. Die Süper Lig sieht der 49-Jährige allerdings nicht als geeigneten Ort für junge Spieler, um sich weiterzuentwickeln: „Ich hatte mit der Türkei meine eigenen Erfahrungen und konnte den Spielern bei aufkommenden Fragen behilflich sein. Um ehrlich zu sein, ist die türkische Liga nicht die beste Adresse für junge Kicker, um ihre fußballerischen Fähigkeiten zu entwickeln. Ich sehe kein Problem darin, Spieler, die ein bestimmtes Alter erreicht haben, oder deren Entwicklung stagniert ist, in die Türkei zu schicken. Aber junge Spieler hierhin zu schicken, ist keine gute Idee. Es herrscht ein Mangel an Trainern, die die Spieler weiterentwickeln können. Die wirtschaftlichen Aspekte und die Fanphilosophie in diesem Land sind weitere Gründe dafür, warum junge Spieler nicht in die Türkei wechseln sollten.“

„Es folgen keine Nachwuchsspieler mehr“

Der Ex-Chelsea-Profi kritisierte in seinen Aussagen die Nachwuchsarbeit in der Türkei: „Aufgrund der wirtschaftlichen Engpässe können die Klubs nicht gegen hohe Ablösesummen gestandene Spieler kaufen. Da in den Jugendbereichen keine Trainer arbeiten, die die Spieler weiterentwickeln können, rücken zudem keine guten Nachwuchsspieler nach. Das ist meines Erachtens aktuell das größte Problem. Im Gegensatz dazu geht es den Vereinen in der Bundesliga, Serie A oder La Liga nicht nur finanziell gut, sie haben außerdem noch eine funktionierende Jugendarbeit, denn die Jugendtrainer in diesen Ländern sind sehr gute Profis. An dieser Problematik muss in der Türkei verstärkt gearbeitet und nach Lösungen gesucht werden.“

„Cenk Tosun spielt im falschen Team“

Hinsichtlich potentiellen türkischen Spielern, die nach Europa wechseln könnten und Cenk Tosun empfiehlt Newton Transfers im frühen Alter: „Spieler, die bei Galatasaray, Besiktas oder Fenerbahce in jungen Jahren an der Champions League oder Europa League teilnehmen, können von europäischen Teams als gute Spieler eingestuft werden. Meines Erachtens unterzieht sich die Mentalität der türkischen Spieler derzeit einem Wandel. Sie sind offener für neue Herausforderungen und neue Länder. Sie wirken mutiger als zuvor. Beim FC Chelsea war es für uns ein wichtiges Kriterium, dass diese Spieler von großen Teams kommen und bereits in der Königsklasse gespielt haben. Bezüglich Tosun wissen wir, dass er ein fleißiger Spieler ist, allerdings gibt es derzeit Verteidiger, die schneller und stärker sind als er. Gegen diese Spieler muss er ankommen. Sie sind wie Monster. Zwar ist er nicht in die falsche Liga, jedoch meiner Meinung nach zum falschen Team gewechselt.“

„Das bekannteste Team in England ist Galatasaray“

Während Galatasaray laut Newton das bekannteste Team in England ist, wird Medipol Basaksehir als der Klub betrachtet, der am nachhaltigsten arbeitet: „Zu meiner aktiven Zeit als Profi sorgten die Galatasaray-Fans mit dem Banner „Willkommen in der Hölle“ und lautstarken Gesängen für eine unglaubliche Atmosphäre gegen Manchester United. Dieses Ereignis ist stets in unseren Erinnerungen geblieben. Basaksehir betrachte ich anders als die anderen Vereine, denn sie haben eine großartige Klubphilosophie. Der Verein wird sehr gut geführt und sie haben ein nachhaltiges System, das sie zu einem Vorzeige-Klub macht. Das größte Problem in den Vereinen ist das Fehlen von mittel- bis langfristigen Plänen. Die meisten wollen lediglich den Tag retten. Schließlich geht das eines Tages nicht mehr gut und sie stürzen ab. Dies passiert jedoch nicht nur in der Türkei. Jeder muss für sich einen kurz-, mittel – sowie langfristigen Plan entwickeln. Nur auf diese Weise kann man erfolgreich werden.“

„Die Klubs müssen die Stufen schrittweise nehmen“

Der Engländer kritisierte zudem das von vielen Klubs an den Tag gelegte Ausgabeverhalten: „Wenn sich die Vereine ein Ziel setzen, müssen sie die Stufen schrittweise gehen. Eine Mannschaft, die beispielsweise in den unteren Tabellenregionen zu Hause ist, muss für sich einen Plan entwickeln. Dieser muss jedoch an die Gegebenheiten des Klubs angepasst werden. Dementsprechend müssen innerhalb des Vereins Veränderungen durchgeführt und ein langfristiges Ziel gesetzt werden. Natürlich kann es sein, dass man mal an der Europa League oder später an der Champions League teilnimmt. Doch von unserem Beispiel ausgehend darf der Klub niemals wie der FC Liverpool, Manchester United oder FC Chelsea verfahren. Auf diese Weise kann kein langfristiger Erfolg erzielt werden.“

„In der Türkei fehlt die Geduld“

Bezüglich der Ausländerregelung kritisierte Newton die mangelnde Geduld in der Türkei: „In erster Linie ist das Fehlen von Jugendtrainern, die die Spieler weiterentwickeln können, sowie die mangelnde Geduld, dieses System fortzuführen, das größte Problem. In den letzten zwei Jahren hat die englische U17-Nationalmannschaft die U17-WM und das internationale U21-Turnier in Toulon gewonnen. Das sind Erfolge, die in England vor einigen Jahren nicht vorhanden waren. In England ist die Ausländerregelung klar. Wir haben begonnen, den Schwerpunkt auf die Jugend zu setzen und einen Konkurrenzkampf in diesem Bereich zu schaffen. Beispielsweise sind bei deutschen Klubs englische Jugendspieler aktuell sehr beliebt, da sie taktisch sowie körperlich in jungen Jahren bereits sehr fortgeschritten sind. Das ist es, worauf es ankommt. In der Türkei fehlt leider die Geduld, um das umzusetzen.“

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Ein Kommentar

  1. galaman1905 Am 6. August 2020 6:11

    Er hat Recht. Nur leider bist du in 3-8 Monaten weg… Je nachdem, wie es bei Trabzon läuft… Ich denke aber mal, dass es keine 8 Monate wird…

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