Süper Lig

Die Tragödie um Bursaspor

Nur fünf Vereine konnten die Süper Lig seit ihrem Startschuss 1959 gewinnen: Galatasaray (21 Mal), Fenerbahce (19 Mal), Besiktas (15 Mal), Trabzonspor (sechs Mal) und Bursaspor (ein Mal). Letzterer sorgte in der Saison 09/10 für unglaublich große Furore, durchbrach als zweiter Klub Anatoliens nach Trabzonspor die Istanbuler Vorherrschaft. In der Folgesaison trat man trotz einem einzigen Punkt in sechs Gruppenspielen erhobenen Hauptes aus der UEFA Champions League ab. Akteure wie Paul Scholes, Nemanja Vidic, Isco und Paco Alcacer spielten damals auf dem Rasen des traditionsreichen Bursa-Atatürk-Stadions. Fußballexperten in der Türkei sahen Bursaspor fortan als die nächste Tragsäule des Ballsports in der Nation. Indes waren Aussagen wie „nun gibt es fünf große Fußballteams in der Türkei“ keine Seltenheit. Jedoch wendete sich plötzlich binnen weniger Jahre das Blatt. Aus dem Champions League-Teilnehmer wurde ein dauerhafter Abstiegskandidat.  

Tod von Yazici als Wendepunkt

Der unglückliche Herzinfarkt des Meisterpräsidenten Ibrahim Yazici im Mai 2013 war der Ausgangspunkt für die sportliche Talfahrt der Grün-Weißen. Der ehemalige Abgeordnete formierte zu seiner Zeit unter Berücksichtigung finanzieller Möglichkeiten eine Mannschaft mit Qualität und setzte mit dem erfahrenen Lehrmeister Ertugrul Saglam viele Jahre auf Konstanz. Nach seinem Tod fand Bursaspor nie mehr zu alter Stärke zurück, setzte sich in den unteren Rängen der Liga fest. Nach Saglam kamen 15 neue Trainer nach Bursa. Außer Senol Günes schaffte es niemand, das Team länger als ein Jahr zu trainieren. In der laufenden Saison ist der Stand der Dinge um einiges schlimmer: Die „Krokodile“ befinden sich drei Spiele vor dem Ende der Spielzeit auf dem vorletzten Tabellenplatz. Der Abstieg in die zweite Liga scheint in Anbetracht der Verfassung der Mannschaft sehr wahrscheinlich. Drei Punkte sind es aktuell noch zum rettenden Ufer.

Finanzprobleme in der Millionenstadt

Obendrein geriet der Verein ins Fadenkreuz von Geldsorgen. Mittelfeldspieler Furkan Özcal ging in den vergangenen Wochen aufgrund von ausgebliebenen Gehaltszahlungen vor Gericht. Folglich wurde ein Insolvenzverfahren eingeleitet und der Mannschaftsbus beschlagnahmt. Der Vorstand um Ali Ay konnte den Verbindlichkeiten in Höhe von 50.000 Euro nicht nachkommen und nahm die Reise für das Auswärtsspiel nach Antalya Informationen zufolge mit einem gemieteten Personentransporter auf. Somit ist der Verein nicht einmal mehr in der Lage sich mit eigenen Mitteln fortzubewegen. Präsident Ali Ay steht seit geraumer Zeit vor allem für seine personellen Entscheidungen in der Kritik. Die Fangruppe „Teksas“ fordert seit der vergangenen Saison den Rücktritt des Unternehmers.

Klubs aus Anatolien sind Bankrott

Bursaspor teilt langsam aber sicher dasselbe Schicksal wie diverse, traditionelle Klubs in Anatolien. Manisaspor und Gaziantepspor wurden aufgrund von Schuldenbergen bis in die dritte Liga runtergezogen. Bucaspor und Mersin Idman Yurdu mussten bis in die Amateurligen, Elazigspor und Karabükspor werden in der kommenden Saison ebenfalls in der dritten Liga spielen. Nun fragt man sich auch in Bursa, wie es bei einem wahrscheinlichen Abstieg weitergehen soll. Denn ein Abstieg impliziert immense Einkommensverluste seitens Spor Toto, Live-Übertragungen und Namensrechten.

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Hüseyin Yilmaz

Hüseyin Yilmaz

Wirtschaftswissenschaftler, Freier Sportjournalist, Kosmopolit, Hürriyet Gücer-Fan und Spor Toto Süper Lig-Liebhaber

1 Kommentar

  1. Avatar
    11. Mai 2019 um 14:41

    Der türkische Fussball im Sturzflug…