Türkischer Fußball

Deutschland oder Türkei? Turan Calhanoglu fühlt sich beim DFB „sehr wohl“


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Calhanoglu – der Name ist mittlerweile fest mit dem Fußball in Deutschland verbunden. Milans Hakan Calhanoglu (26) war zunächst der Vorreiter, seinem jüngeren Bruder Muhammed (25) blieb jedoch der große Durchbruch verwehrt. Cousin Kerim (18) gehört nach seinem Wechsel von der TSG Hoffenheim zum FC Schalke 04 zum Bundesliga-Kader. Sein jüngerer Bruder Turan (17) schickt sich bei den Kraichgauern an, dem Namen Calhanoglu weitere Strahlkraft im Profifußball zu geben.

„Unsere Familie ist in der Tat fußballverrückt, dafür sind wir bekannt. Klar, vor allem wegen Hakan. Er hat von uns bislang mit Abstand am meisten erreicht“, sagt Turan Calhanoglu im Gespräch mit Transfermarkt. „Mein Bruder Kerim und ich haben allerdings kaum Kontakt zu ihm und wollen auch lieber als eigenständige Fußballer gesehen werden. Mit Kerim tausche ich mich regelmäßig darüber aus, wie es für mich in Hoffenheim und für ihn auf Schalke läuft.“

Dabei waren die beiden Brüder für lange Zeit auf dem Weg zum Profifußballer unzertrennlich. Vom ersten Gekicke im heimischen Hinterhof im Mannheimer Stadtteil Rheinau über den SC Pfingstberg-HochstättVfL Neckarau und den SV Waldhof Mannheim, wo alle Calhanoglus in der Jugend einst aktiv waren. Turans Talent stach früh heraus, er spielte stets bei den ein Jahr älteren Junioren und damit immer zusammen mit seinem Bruder Kerim.

Im Dress von Waldhof fiel Turan Calhanoglu auch Damir Dugandzic auf, seit 2018 Sportlicher Leiter des DFB-Talentförderprogramms und zuvor DFB-Stützpunktkoordinator des Badischen Fußballverbands (BFV). Er hatte bereits die anderen drei Calhanoglus in die Auswahlteams des BFV geholt. „Ich wusste seinen Namen beim Sichten nicht. Es war alleine seine Leistung entscheidend“, sagte Dugandzic im Gespräch mit „Fussball.de“. Der damals im Mittelfeld aktive Turan habe durch seine Dynamik, Athletik, Zielstrebigkeit und Technik herausgestochen.

Calhanoglus Flexibilität überzeugt – Bei TSG Hoffenheim nun ohne Kerim

Mittlerweile ist Calhanoglu vorwiegend im Sturmzentrum aktiv, kommt auch mal über die linke Angriffsseite. Dugandzic schätzte ihn hingegen vor allem als „Box-to-Box-Player“, als Führungsspieler und echten Strategen, der Tore mit dem „vorletzten Pass“ einleitet. Seine Flexibilität war aber bereits früh eine Stärke. Die Umstellung vom Angriff ins Mittelfeld sei ihm immer ohne Schwierigkeiten gelungen. „Das zeichnet ihn aus: Er ist sofort da“, so Dugandzic.

„Seit ich klein bin, ist Cristiano Ronaldo mein Vorbild“, sagt Calhanoglu selbst auf sein Idol angesprochen. „Vor allem seine Mentalität beeindruckt mich. Er will immer gewinnen, macht viele Tore und dreht dadurch und durch sein Auftreten oft Spiele.“ Die größte Stärke des 17-Jährigen sei seine „Torgefährlichkeit. Ich kann auch aus Situationen ein Tor machen, bei denen man es nicht unbedingt erwartet. Außerdem bin ich sehr laufstark und helfe der Mannschaft mit meinen Laufwegen. Ich kann mich aber auch noch überall verbessern. Vor allem mein linker Fuß muss noch besser werden“, macht Calhanoglu klar.

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Im Sommer 2016 trennten sich die Wege von Turan und Kerim Calhanoglu zum ersten Mal. Der ältere Bruder wagte den Schritt in den Nachwuchs der TSG Hoffenheim. Doch nur ein Jahr später waren sie wiedervereint. Auch Turan wechselte in die Akademie der Kraichgauer. Allerdings standen die beiden nicht mehr gemeinsam auf dem Platz, Turan kickte nun im Jahrgang unter seinem Bruder. In der vergangenen Saison gelangen dem Stürmer bis zum coronabedingten Abbruch der U17-Bundesliga elf Tore und drei Vorlagen in 21 Partien. Er empfahl sich damit für die U17 des DFB, für die er sechsmal in elf Länderspielen erfolgreich war. Im vergangenen Sommer trennten sich die Wege der Brüder dann zum zweiten Mal.

Kerim Calhanoglu verließ die TSG, um den nächsten Schritt bei Schalke zu machen. Ob er versucht habe, ihn umzustimmen? „Nein, habe ich nicht. Natürlich war ich ein bisschen traurig, zumal wir in diesem Jahr in der U19 zum ersten Mal in einer Mannschaft gespielt hätten. Aber es war klar, dass irgendwann jeder seinen Weg geht“, sagt Turan. In der Zukunft könnten sich die Brüder somit durchaus in der Bundesliga gegenüberstehen. „Das wäre natürlich etwas ganz Besonderes und ich wäre stolz auf uns beide, weil wir dann einen langen Weg hinter uns gebracht und unser erstes Ziel erreicht hätten“, so Turan weiter.

Deutschland oder Türkei? Calhanoglu fühlt sich beim DFB „sehr wohl“

Während Turan bisher nur für die deutschen Auswahlmannschaften aktiv war, hatte Kerim sich zunächst für die U16 der Türkei entschieden, bevor er zum DFB wechselte. Cousin Hakan ist hingegen 52-facher Nationalspieler der Türkei. Eine endgültige Entscheidung habe er noch nicht getroffen, sagt der wie sein Bruder in Mannheim geborene Turan. Auch ihre Mutter ist in Deutschland zur Welt gekommen, die Wurzeln der Familie liegen aber in der nordostanatolischen Stadt Bayburt, wo auch Turan und Kerim oft hinreisen. Er habe „aber auch noch keine Einladung vom türkischen Verband bekommen“, stellt Turan klar. „Beim DFB fühle ich mich sehr wohl. Die Betreuung dort ist hervorragend und ich kann mich gut weiterentwickeln. Alles Weitere lasse ich auf mich zukommen.“

Das gilt in gewisser Weise auch für die Karriere bei der TSG Hoffenheim. „Es ist schwierig, im Fußball eine Karriere zu planen, denn vieles ist für mich nicht beeinflussbar. Ich denke, das Wichtigste ist, dass ich mich Schritt für Schritt entwickle und immer weiter verbessere“, sagt Calhanoglu, der in der U19-Bundesliga 2020/21 mit drei Toren und einer Vorlage in vier Spielen einen sehr guten Start erwischte. „Das große Ziel ist es natürlich, in den Profibereich zu kommen. Dort will ich dann natürlich immer weiter Gas geben und mir neue Ziele setzen.“

Der Name Calhanoglu sollte Turan dabei nicht im Weg stehen. „Er hat eine ganz starke Persönlichkeit. Auf den Namen bildet er sich nichts ein, das ist nicht sehr bedeutsam für ihn“, stellte Dugandzic bereits klar. Die Tradition der Calhanoglus im Fußball dürfte auf jeden Fall noch lange andauern. Beginnend bei Vater Kemalettin, einst für den SV 98 Schwetzingen in der Oberliga aktiv, über die Cousins Hakan und Muhammed, nun Kerim und Turan bis hin zu den beiden jüngeren Brüdern Tunahan und Sirac. Vor allem Tunahan lässt sein Talent bereits aufblitzen – nach Meinung von Turan und Kerim sogar mehr als sie selbst es tun.


Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst auf transfermarkt.de

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Autor: Benedikt Duda


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