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Home»Trabzonspor»Kolumne: Den Ozean überquert, in einer Pfütze ertrunken – Wie der Vorstand um Ahmet Agaoglu sein Ansehen verlor
Trabzonspor 12. November 2020

Kolumne: Den Ozean überquert, in einer Pfütze ertrunken – Wie der Vorstand um Ahmet Agaoglu sein Ansehen verlor

Von Mikail Uzun35 Minuten Lesezeit
Abdullah Avci Ahmet Agaoglu Trabzonspor Ünal Karaman
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Eine knapp zehnjährige Leidenszeit schien man an der Schwarzmeerküste hinter sich zu lassen. Die 41.461 Plätze im Medical Park-Stadion von Trabzonspor waren immer öfter gefüllt und die Stimmung großartig. Klubchef Ahmet Agaoglu bildete seit dem Sommer 2018 mit Trainer Ünal Karaman ein schier unschlagbares Duo, das sowohl das Team der Bordeauxrot-Blauen als auch die Stadt förmlich wiederbelebte. Der Verein war wieder eine ernstzunehmende Konkurrenz für die ewigen Rivalen aus Istanbul und feierte wieder erste Achtungserfolge. Im Dezember 2019 begann jedoch alles in die Brüche zu gehen. Agaoglu entließ seinen ehemaligen Freund Karaman und ersetzte ihn mit dessen damaligen Co-Trainer Hüseyin Cimsir. In den darauffolgenden Monaten ging es bei Trabzonspor sportlich bergab. Agaoglu verlor sein Ansehen und seine Vertrauenswürdigkeit in der Öffentlichkeit und bei den Fans, bei denen er bis vor Kurzem noch als Retter angesehen wurde.

Der Beginn der Reise

Als Agaoglu das Amt übernahm, warteten auf den Geschäftsmann und seinen Vorstand Ausgaben, die um ein Vielfaches höher lagen als die Einnahmen, zahlreiche Pfändungen sowie Spieler, die seit mehreren Monaten keine Gehälter ausbezahlt bekommen hatten. Der mittlerweile 63-Jährige krempelte die Arme hoch, holte Trainer Karaman für ein Jahresgehalt von 150.000 TL (zum Kurs im Juni 2018: ca. 27.000 Euro) und gab ihm günstige Spieler wie Anthony Nwakaeme, Majid Hosseini und Caleb Ekuban an die Hand. Im November 2018 reagierte der Vorstand auf die 0:5-Klatsche in Malatya – das jedoch nicht mit einer Trainerentlassung. Karaman und Agaoglu identifizierten Torjäger Burak Yilmaz und den jahrelangen Kapitän Onur Kivrak als Störenfriede. Mit der Suspendierung der beiden Akteure begann bei Trabzonspor ein Umschwung.

Den Ozean überquert

Die bisherige Nummer zwei Ugurcan Cakir hütete ab sofort den Kasten und weitere Jugendspieler etablierten sich im Profikader. Dabei blieb weder der sportliche noch der wirtschaftliche Erfolg aus. Die Ausgaben wurden massiv gesenkt, während sich die Einnahmen durch diverse Sponsoringdeals erhöhten. Mit einem vierten Platz in der Liga und der Qualifikation für Europa nach vier Jahren Abstinenz gab es lauter zufriedene Gesichter am Schwarzen Meer. Vor allem die Aufrichtigkeit im Verein erntete viel Sympathie, sogar von der Konkurrenz! In der Sommerpause kamen Spieler wie Alexander Sörloth, Daniel Sturridge und John Obi Mikel nach Trabzon. Das Karaman-Team überstand die Quali-Runden zur Europa League und eliminierte Sparta Prag sowie AEK Athen. Die Hinrunde wurde trotz zahlreichen Verletzungsproblemen auf Platz drei abgeschlossen. Aufgrund des dünn besetzten Kaders reichte es nicht für ein Weiterkommen in der Europa League.

In der Pfütze ertrunken

Kurz vor Ende der Hinrunde in der Saison 2019/20 wurden erste Auseinandersetzungen zwischen Vorstand und Trainer an die Öffentlichkeit getragen. Agaoglu kritisierte das Spiel der Mannschaft nach einem 1:0-Erfolg in Konya, wo man zuletzt 2010 gewonnen hatte. Der Vorstand hatte zur Winterpause lediglich eine Aufgabe, die darin bestand, die anfällige Defensive zu verstärken und einen Abräumer für das Mittelfeld zu verpflichten. Karaman hatte in der Zwischenzeit einen verloren geglaubten Abdulkadir Parmak zum Sechser umgeschult und aus ihm einen Nationalspieler gemacht. Zur Überraschung aller wurde jedoch Trainer Karaman entlassen und dessen Co-Trainer Cimsir zum Chefcoach ernannt. Trabzonspor verlor die Meisterschaft an Medipol Basaksehir. Unter der Leitung vom Co-Trainer Cimsirs, Eddie Newton, holte das Team noch den türkischen Pokal und somit einen Trostpreis für die insgesamt starke Saison. Leistungsträger wie Filip Novak und Jose Sosa wanderten nach der Saison ablösefrei zum Erzrivalen Fenerbahce ab, Sörloth wurde an RB Leipzig verkauft.




Wie Agaoglu sein Ansehen verlor

Trabzonspor erreichte die Erfolge in den letzten anderthalb Jahren vor allem durch die aufrichtige Klubführung. Mit der Entlassung von Karaman ging auch diese verloren. Obwohl Vereinsboss Agaoglu in diversen TV-Auftritten mehrmals wiederholte, dass das Grundgerüst der Startelf gehalten und maximal ein Spieler den Klub verlassen wird, kam es bekanntlich anders. Für die abgewanderten Leistungsträger wurden fragwürdige Namen wie Lewis Baker, Marlon Xavier, Flavio Medeiros, Stiven Plaza, Benik Afobe oder Fousseni Diabaté verpflichtet und Neucoach Newton, der zum ersten Mal in seiner Karriere das Amt des Cheftrainers bekleidete, sollte das Ruder weiter übernehmen. Wie in den vergangenen Saisons wurden viele Spieler á la Donis Avdijaj, Dogan Erdogan oder Abdulkadir Parmak geholt, doch der Karaman-Effekt war längst verschwunden. Ein Misserfolg war unumgänglich. Während der Ex-Coach aus nahezu jedem Spieler das Maximum herausholte, verlief die Formkurve der meisten Spieler nicht mehr in die erhoffte Richtung. Trabzonspor holte in den ersten sieben Spieltagen lediglich einen Sieg. Die Konsequenz einer desaströsen Transferpolitik des Vorstands musste schließlich Coach Newton tragen.

Aufrichtigkeit siegt stets gegen Egoismus

Agaoglu versuchte in seinen vergleichsweise weniger gewordenen Aussagen in der Öffentlichkeit seine Fehlentscheidungen durch die eingefahrenen wirtschaftlichen Erfolge schönzureden und erwähnte stets den hohen Gewinn beim Sörloth-Poker. Den Fan interessiert die wirtschaftliche Situation im Klub herzlich wenig, wenn der Verein sportlich am Boden ist. In dieser Woche stellte Agaoglu mit Abdullah Avci den sechsten Trainer in seiner 2,5-jährigen Jahren Amtszeit vor. Ob es Avci schafft, die Mannschaft in die Erfolgsspur zurückzubringen oder nicht, ist ungewiss. Doch was Trabzonspor definitiv fehlen wird, ist die Aufrichtigkeit, dank der die Erfolge, die in der Anfangszeit der Ära Agaoglu gefeiert wurden. Der Klubboss ließ jedoch zu der Annahme hinreißen, der sportliche Erfolg sei seiner Arbeit zu verdanken gewesen.

Wie die Zeit nach dem Dezember 2019 jedoch deutlich unter Beweis stellte, war der Erfolg der aufrichtigen Vereinsführung gepaart mit der sportlichen Leitung unter Ünal Karaman, der seit seiner Zeit als Fußballer Teil des Vereins ist, zu verdanken. Agaoglu wird sich weiterhin durch Spielerverkäufe profilieren. Doch mit Sörloth, Nwakaeme und phasenweise Ekuban hat der 63-Jährige lediglich drei erfolgreiche Transfers aus 34 Spielerverpflichtungen vorzuweisen. Der Chef des türkischen Golfverbandes hat sich seit der Entlassung von Karaman stets ins eigene Bein geschossen und die Kontrolle über das sinkende Schiff verloren. Agaoglu hat nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in den Augen der Fans sein Ansehen verloren.

3 Kommentare

  1. Kubinho74 Am 13. November 2020 6:10

    Vergangene Saison dachte ich, dass TS vielleicht eine ernsthafte Konkurrenz werden kann, der jahrelang um die Meisterschaft spielen wird.
    Dazu dachte ich mir, dass sie vielleicht jedes Jahr einen Spieler vom Kaliber a la Yazici verkaufen.
    Die Strategie von Agaoglu hat mir echt gefallen und auch die Taktik war gut. Spieler für wenig Geld geholt und ein funktionierendes Team aufgebaut.
    Warum man am Ende Karaman entlassen hat obwohl man gut unterwegs war bleibt wohl nur das Geheimnis von Agaoglu. Gerüchten zu Folge hatte sogar Schwiegersohn von Erdogan seine Finger im Spiel und hat Karaman für seine defensive Spielart kritisiert. Vielleicht hätte sich der Schwiegersohn um die Finanzen der Türkei kümmern sollen damit der Euro nicht die Marke von 10 übersteigt.

    Mittlerweile ist TS wieder am Boden der Tatsachen angekommen. Mit Cemsir und Newton sind 2 weitere Trainer entlassen worden. Ob es mit Avci jetzt besser laufen wird, wird sich zeigen. Den aktuellen Kader finde ich nicht gut, da sind mir zu viele unbekannte Spieler die bis dato nicht abgeliefert haben. Ob Avci mit denen was anfangen kann bleibt abzuwarten.
    Ich würde mir dennoch wünschen, dass sie jedes Jahr mal einen türkischen Spieler Richtung Europa verkaufen.

    • galaman1905 Am 13. November 2020 10:57

      Ist doch typisch türkisch… Ich fand den Cimsir eigentlich gut. Jung, unerfahren, doch er hat einen geilen Fussball spielen gelassen. Gib ihm 2-3 Jahre und er hätte wahrscheinlich was gutes aufgebaut. Also denke ich mal… Nur weil Trabzon zum Schluss ein wenig eingeknickt ist.

    • ÜcHilal Am 14. November 2020 23:30

      @kubinho74 Vielleicht solltest du mal aufhören irgendwelche lächerlichen Verschwörungstheorien zu verbreiten. Ihr seit ja schlimmer als die AfD Wähler. xD

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