Topspiel-Sieg und große Bühne: Fenerbahce sammelt Punkte und Selbstvertrauen
Nach dem 3:2-Auswärtssieg von Fenerbahce bei Trabzonspor standen weniger Zahlen als vielmehr die Wirkung dieses Abends im Mittelpunkt. Trainer Domenico Tedesco sprach auf der Pressekonferenz über Atmosphäre, Belastung und die Details seines Matchplans – und machte zugleich deutlich, dass er das Thema Meisterschaft bewusst ausklammert. Auch Kerem Aktürkoglu ordnete das Spiel ein, Präsident Sadettin Saran warb für Normalität im Umgang der Vereine miteinander, während Anderson Talisca und Marco Asensio ihren Blick konsequent nach vorn richteten.
Tedesco über Liga, Druck und Emotion: „Wir können stolz auf den türkischen Fußball sein“
Tedesco begann seine Analyse mit einem grundsätzlichen Statement zur Liga. Einfache Spiele gebe es nicht, betonte er, und kündigte an, „nichts über das Meisterschaftsrennen“ sagen zu wollen. Er erinnerte an ein jüngstes Beispiel, das für ihn sinnbildlich steht: Gegen Kasimpasa habe man trotz Überzahl nicht gewonnen. Die Quintessenz des Trainers: Niemand verschenkt drei Punkte, jedes Duell verlange volle Konzentration.
Besonders beeindruckt zeigte sich Tedesco von der Kulisse. Er sprach von „atemberaubender Atmosphäre“ und nannte Kocaeli ebenso wie Trabzon als Beleg für die Leidenschaft in der Türkei. „Es gibt so viel Leidenschaft. Wir können stolz auf den türkischen Fußball sein„, sagte er – und stellte damit die Rahmenbedingungen in den Vordergrund, die solche Topspiele prägen.
Spielverlauf aus Tedescos Sicht: Rückstand, Reaktion, Fokus
Sportlich sei sein Team gut in die Partie gekommen, erklärte Tedesco. „Wir waren hoch fokussiert und haben das Spiel gut begonnen“, sagte der Italiener – doch dann habe ein langer Ball gereicht, um in Rückstand zu geraten. Die Szene, die zum 1:0 führte, bewertete er als stark ausgespielt: Ernest Muci habe die Position „gut verwertet“.
Entscheidend aus Sicht des Trainers war die Reaktion. Fenerbahce habe „schöne Tore“ erzielt, „gleichzeitig gut gespielt“ und vor allem den Fokus nicht verloren. Tedesco fasste es nüchtern zusammen: „Wir haben dieses Spiel gewonnen und nichts anderes getan.“ Gleichzeitig setzte er direkt den nächsten Schwerpunkt: Zwei wichtige Spiele stünden bevor, darauf werde sich die Mannschaft nun konzentrieren.
Systemplan und Taktikwechsel nach der 60. Minute
Interessant wurde es, als Tedesco konkret über sein Mittelfeld sprach. Er erklärte, dass Fenerbahce „tatsächlich mit vier Mittelfeldspielern“ begonnen habe. Das Ziel sei gewesen, mehr Druck nach vorne zu bringen. Dabei habe man im Zentrum eine „rautenförmige Position“ eingenommen, um kompakt zu bleiben und im Angriffsdrittel schneller Zugriff zu bekommen.
Die ersten 25 Minuten bewertete er positiv, auch wenn Trabzonspor durch viele Seitenwechsel viel Laufarbeit erzwungen habe. Mit zunehmender Spielzeit sei die Belastung gestiegen, „nach der 60. Minute wurden die Spieler müde“, sagte Tedesco – und kündigte genau dort den Taktikwechsel an, der dem Team helfen sollte, Struktur und Frische zu stabilisieren.
In diesem Zusammenhang sprach er auch das Fehlen von Edson Alvarez an. Er machte ausdrücklich klar, dass er das nicht als Ausrede verstanden wissen will: Er wolle es sogar gerade dann ansprechen, wenn man gewinnt, damit es im Fall einer Niederlage nicht als Schutzbehauptung interpretiert werde. Am Ende zog er einen Satz, der den Abend aus seiner Sicht auf den Punkt brachte: „Heute Abend waren es mehr die Leistung und Fähigkeiten der Spieler als die Taktik.“
Kerem Aktürkoglu: „Wir haben den Sieg verdient“
Torschütze Kerem Aktürkoglu bestätigte zunächst die Schwierigkeit des Auswärtsspiels. Trabzonspor sei „eines der sehr wichtigen und sehr starken Teams dieser Liga“, sagte er. Zudem verwies er darauf, dass der Gegner in den vergangenen Spielen stabil gewesen sei. Für Fenerbahce habe festgestanden, dass es ein hartes Duell wird – entsprechend habe man sich vorbereitet.
Aktürkoglu erklärte, dass Fenerbahce mit einem anderen System begonnen habe und man genau wisse, wie man Trabzonspor angreifen könne. „Wir haben Tore geschossen, wie wir es kennen“, sagte er. Besonders wichtig war ihm die Geschlossenheit: „Wir haben als Mannschaft vom Anfang bis zum Ende des Spiels eine tolle Leistung gezeigt. Ich denke, wir haben den Sieg verdient.“
Auch seine Rolle ordnete er ein. Tore und direkte Beiträge seien wertvoll und würden geschätzt, betonte er, doch noch wichtiger sei ihm, dass das Team gewinnt. Selbst wenn er nicht treffe, reiche es ihm, wenn er defensiv hilft und die Mannschaft funktioniere. Seine Botschaft war klar: Team-Erfolg vor persönlicher Statistik – am Ende zähle das „gute Ende“, also der Meisterschaftserfolg.
Dank an die Fans und ein persönliches Versprechen
Emotional wurde Aktürkoglu, als er über die Unterstützung der Anhänger sprach. Er sagte, er habe die Rückendeckung „vom ersten Tag an“ gespürt. Rückschläge gehörten für jeden dazu, betonte er – entscheidend sei aber, wieder aufzustehen. „Ich bin dem Fan unendlich dankbar. Sie hoben mich jedes Mal hoch, wenn ich fiel“, sagte er.
Aktürkoglu kündigte an, dass er auch künftig fallen werde, aber wie immer wieder aufstehen wolle. Für ihn sei das die Voraussetzung, um auf diesem Niveau zu bestehen. Er schloss mit einem Bekenntnis zu sich selbst, zur Mannschaft und zu den Fans: Er glaube an alle drei – und genau daraus ziehe er Kraft.
Sadettin Saran über Empfang in Trabzon: Wunsch nach weniger Spannung
Auch Klubchef Sadettin Saran trat nach dem Spiel vor die Presse und bedankte sich ausdrücklich für den Empfang in Trabzon. Er sagte, dass man vom Moment der Landung an gut begrüßt worden sei – und nannte dabei unter anderem den Gouverneur, Sicherheitskräfte und auch Trabzonspor-Präsident Ertugrul Dogan.
Saran formulierte daraus eine Hoffnung, die über das Ergebnis hinausgeht: Auswärtsspiele sollten künftig ohne übermäßige Spannungen zwischen den Fanlagern stattfinden. Das sei seine „größte Hoffnung als Führungskraft“. Sportlich blieb er knapp: Man sei zufrieden, nun zähle der Blick nach vorn. „Wir haben zwölf Wochen und zwölf Spiele. Wir blicken nach vorne„, sagte er.
Talisca bleibt nüchtern: „Wir müssen uns um unser eigenes Geschäft kümmern“
Im Anschluss ordnete auch Anderson Talisca das Duell ein. Auf die Frage nach der Vorbereitung sagte er, für ihn sei sie „bei jedem Spiel gleich“. Er sei dankbar, dass er dem Team helfen konnte, und lobte die Gesamtleistung: Man habe als Mannschaft „großartige Arbeit“ geleistet, dadurch steige auch die Qualität individueller Auftritte.
Seine Erklärung für den Erfolg verband er mit zwei Faktoren: „Ich erkläre das sowohl durch die Qualität unseres Teams als auch durch unsere hohe Konzentration.“ Auf die Frage, ob das Meisterschaftsrennen nun auf zwei Teams geschrumpft sei, blieb Talisca klar: Die Meisterschaft sei hart, er reduziere das Titelrennen nicht „nur auf zwei Teams“. Der entscheidende Satz: „Wir müssen uns um unser eigenes Geschäft kümmern.“
Asensio: Tore, Assists – und ein klares Ziel
Siegtorschütze Marco Asensio zeigte sich nach dem Sieg „sehr glücklich“. Er betonte die Teamarbeit und sagte, er fühle sich sehr gut – und glaube, man sehe das auch auf dem Platz. Besonders wichtig war ihm sein Beitrag: Er freue sich, dem Team mit Toren und Assists zu helfen.
Asensio hob zudem Kerems Bedeutung hervor. Aktürkoglu sei „ein sehr wichtiger Spieler“ und liefere gute Leistungen. Beide verstünden sich gut, sagte er, und genau das helfe dem Team. Die Botschaft war klar: Nicht Einzelmomente, sondern das Zusammenspiel habe diesen Abend geprägt.
Aktürkoglu zum Schluss: „Wir haben es vom Anfang bis zum Ende verdient“
Zum Abschluss unterstrich Kerem Aktürkoglu erneut die Linie, die er schon zuvor gezogen hatte. Man habe gut begonnen, dann ein Tor kassiert, das man nicht wollte – doch als Team sei man nie eingebrochen. „Wir waren diejenigen, die es vom Anfang bis zum Ende des Spiels verdient haben“, sagte er.
Er sprach von einem „wunderschönen Ende“, von großer Freude in der Kabine und bezeichnete den Erfolg als Geschenk an die Fans. Fenerbahce hat damit nicht nur Punkte gewonnen, sondern auch eine Botschaft gesendet: In den großen Momenten will diese Mannschaft liefern – unabhängig davon, wie hart der Weg dorthin ist.



2 Kommentare
4 tore noch dann hat talisca für fb mehr tore als für bjk geschoßen aber das bei ungefähr 20 spielen weniger. krass
Ich möchte mich hier vorab beim ganzen Team und allen voran bei den 3 Torschützen für diesen sehr wichtigen und völlig verdienten Auswärtssieg bedanken.
Durch die viel zu vielen Unentschieden, das muss man leider so drastisch ausdrücken haben wir uns selbst in eine prekäre Situation manövriert wo wir keinerlei Spielraum mehr für Punktverluste haben, wir müssen alle unsere 12 ausstehenden Spiele gewinnen um in dieser Liga die Meisterschaft zu holen anders ist das einfach nicht möglich.
Wir müssen uns auch darauf einstellen, dass wir diesem HUM in den restlichen Spielen noch öfters begegnen werden, spätestens zum Derby im RAMS Park, da geh ich mit euch jede Wette ein, darauf müssen wir uns einfach einstellen d.h. dass wir in den restlichen 12 Endspielen noch einen sehr steinigen Weg vor uns haben.
Ich sage es mal ungeschönt, wenn FB aus den restlichen 12 Spielen 36 Punkte holt sind wir türkischer Fussballmeister, sollten wir keine 12 Siege holen, werden wir es am Ende auch nicht werden so einfach ist das Ganze…