Europa-League-Abend in Kadiköy: „Wir haben die Chance, den ersten Schritt zu machen“
Fenerbahce empfängt in den Playoffs der UEFA Europa League den englischen Vertreter Nottingham Forest. Vor dem Duell betonte Trainer Domenico Tedesco auf der Pressekonferenz in den Can Bartu Trainingseinrichtungen, wie klar die Zielsetzung ist: „Unser Team ist sehr motiviert. Wir werden ein sehr wichtiges Spiel haben und zu Hause spielen. Wir haben die Chance, den ersten Schritt zu machen. Wir wollen dieses Spiel gewinnen.“
Ein Faktor, den Tedesco offen ansprach, ist der Trainerwechsel beim Gegner. Mit Vitor Pereira komme eine neue Dynamik, die erfahrungsgemäß zusätzliche Energie freisetze. Tedesco rechnet damit, dass Spieler, die zuletzt weniger Minuten bekamen, „Grenzen überschreiten“ werden, um sich zu zeigen.
„Der Marktwert entscheidet nicht“: Analyse statt Zahlen
Tedesco verwies darauf, dass Nottingham Forest nahezu einen Kaderwert von 600 Millionen Euro habe, setzte aber sofort den Kontrapunkt: „Fußball ist nicht so einfach. Der Marktwert ist keine Entscheidung.“ Entscheidend sei, wie die Mannschaft auf dem Platz funktioniere – und wie der Gegner trotz neuer Ausrichtung im Detail ticke.
Der Coach erklärte, dass sich sein Staff in den vergangenen Tagen auf das individuelle Profil der Spieler konzentriert habe. Seine Logik: Systeme können sich verändern, Muster einzelner Akteure bleiben oft stabil. Genau diese wiederkehrenden Abläufe wolle man für den Matchplan nutzen.
Systemvarianten und Anpassungsfähigkeit: „Das macht uns unberechenbar“
Mit Blick auf die eigene taktische Flexibilität unterstrich Tedesco, dass Formationen für ihn nicht der Kern sind: „Du spielst 4-4-2, du spielst 4-3-3, du spielst 4-5-1. Entscheidend sind die Grundsätze.“ Wichtig sei, dass die Spieler sich in ihren Rollen wohlfühlen und die Prinzipien sauber umsetzen.
Dass Fenerbahce in unterschiedlichen Systemen agieren kann, sieht er als Vorteil: „Es ist schön, dass unsere Spieler auf verschiedenen Systemen spielen können. Das ist sehr wichtig. Das macht uns zu einem unberechenbaren Team.“ Für Pereira erwartet Tedesco sowohl eine Viererkette als auch häufig eine Dreierkette – entsprechend werde man sich „auf zwei Arten vorbereiten“ und in jeder Phase reagieren können.
„Jedes Spiel ist ein Finale“: Anspruch und Fehlerfreiheit als Maßstab
Auf die Ambitionen in der UEFA Europa League angesprochen, blieb Tedesco konsequent: „Wir betrachten jedes Spiel immer als Finale.“ Sein Maßstab ist klar formuliert: „Wir müssen mit null Fehlern spielen. Oder du wirst bestraft.“ Genau darin liegt aus seiner Sicht die entscheidende Herausforderung, wenn ein Gegner in einer K.-o.-Phase jede Unachtsamkeit ausnutzen kann.
Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Mannschaft den Rhythmus kennt. Der Kalender sei anspruchsvoll, aber nicht überraschend. Sein Schlussstatement zielte auf Selbstbewusstsein: „Wir sind stark, wir haben Macht.“
Personal-Update: Kader, Rückkehrer und der Fall Alvarez
Zur Personallage nannte Tedesco mehrere Punkte. Archie Brown werde „morgen im Kader“ stehen, aber voraussichtlich noch keine lange Einsatzzeit erhalten. Bei Levent Mercan brauche es „etwas mehr Zeit“. Zudem betonte er, dass man aktuell einen stabilen Flow mit Nelson Semedo und Mert Mülder habe und Risiken vermeiden wolle.
Bei Edson Alvarez sagte Tedesco, es gehe ihm besser und die Schmerzen seien vorüber, allerdings falle die Entscheidung über eine mögliche Operation erst in einigen Wochen. Alvarez bezeichnete er als wichtigen Spieler für die Mannschaft.
Cherif, Talisca, Asensio, Aktürkoglu: Rollen, Form und Wirkung im Kollektiv
Besonders ausführlich sprach Tedesco über Sidiki Cherif. Er sei erst 19 Jahre alt, aber „reifer“, mit hohem Selbstvertrauen und sehr guter Konzentration. Der Trainer betonte: „Er ist ein Spieler, der mit jeder Art von Druck umgehen kann.“ Zudem sei man „sehr froh“, ihn von Fenerbahce überzeugt zu haben – auch mit Blick auf die kommenden Jahre.
In der Offensive hob Tedesco die Achse um Anderson Talisca, Marco Asensio und Kerem Aktürkoglu hervor. Über Talisca sagte er: „Talisca ist unser bester Torschütze.“ Seine Positionsfindung funktioniere als Zehner wie auch als Stürmer. Asensio bringe „positive Verstärkung“ und sei „sehr wichtig“. Aktürkoglu habe es schwer gehabt, bekomme aber Rückendeckung: „Jetzt fing er wieder an, Tore zu schießen. Egal wie wichtig es für ihn ist, ein Tor zu erzielen, es ist auch für uns wichtig.“ Die gemeinsame Wirkung fasste Tedesco knapp: „Die Kombination dieser drei Spieler ist sehr gut.“
Mert Mülder als „Motor“: Disziplin als Stabilitätsfaktor
Auch Mert Mülder bekam eine klare Wertschätzung. Tedesco sprach über eine schwierige Phase vor sieben bis acht Wochen, lobte aber die Haltung: Er habe „nie ein Training verpasst“. Dazu fiel ein Satz, der die Rolle im System beschreibt: „Es ist wie unser Motor. Er kommt ständig auf dem Flügel hin und her.“ Als konkreten Entwicklungsauftrag nannte der Coach, den linken Fuß häufiger zu nutzen, um das Spiel besser zu öffnen.
Kein Trainerduell, sondern ein Vereinsduell
Zum Wiedersehen mit Vitor Pereira stellte Tedesco klar: „Das Spiel wird nicht zwischen Tedesco und Pereira stattfinden.“ Entscheidend sei, was Fenerbahce gegen Nottingham Forest auf den Platz bringt. Pereira kenne den Klub und freue sich auf die Atmosphäre – diese Kulisse soll für den Gastgeber ein zusätzlicher Faktor werden.
Am Ende blieb Tedesco bei der Kernbotschaft: Nicht Trainer, sondern Mannschaft und Verein stehen im Zentrum. „Unsere Priorität ist Fenerbahce, die Mannschaft gewinnt die Spiele“, sagte er – und knüpfte daran das klare Ziel, den ersten Schritt Richtung Weiterkommen zu setzen.


