Türkischer Fußball

Talentschmiede Altinordu bald ohne Schirmherr? Vereinspräsident Özkan spricht von Rente


Legt Altinordu-Präsident Seyit Mehmet Özkan bald sein Amt als Vereinspräsident der wichtigsten Talentschmiede im türkischen Fußball nieder? Die jüngsten Aussagen des 65-Jährigen deuten stark daraufhin. Doch was passiert mit dem Klub, der für seine herausragende Jugendförderung bekannt ist, wenn Özkan nicht mehr am Ruder sitzt? Auf der Vereinshomepage des Izmir-Vertreters äußerte sich Özkan wie folgt: “Fußballer auszubilden ist kein Hobby. Es ist ein ernsthaftes und langfristiges Projekt, das eine Philosophie, ein System, Planung, ein festes Programm und Ziele erfordert. Als unsere Philosophie wählten wir den Slogan: ‘Ein guter Mensch, ein guter Mitbürger, ein guter Fußballer’.

Resignierender Özkan spricht von Müdigkeit und Erschöpfung 

Anschließend wurde Özkan konkreter in seinen Äußerungen, die auf einen Abschied des “Vereinsvisionärs” hinweisen: “Ja 65 ist das Alter für den Rentenbeginn. Jeder lobt uns, doch hinter verschlossenen Türen sagen sie, dass unsere Arbeit nicht zu machen sei, da man mit dem eingesetzten Geld dreimal ein Team in die Süper Lig führen könnte. Sie haben auch recht. Schauen wir uns unseren Freund Süleyman Hurma an. Er hat Karagümrük in die Süper Lig gebracht und nun das Geld erreicht. Und ich halte am Motto ein “guter Mensch, ein guter Mitbürger” fest. Sind die anderen denn schlecht mein Freund? Ich bin müde, wirklich ich bin erschöpft. Eine Veränderung ist natürlich schwer, aber wenn der Widerstand mit so vielen Schichten erfolgt, dann ist es nicht nur schwer, sondern es wird verletzend, zerstörend und bringt Dinge zum einstürzen. Ich habe mich damit nun abgefunden. Eine Veränderung herbeizuführen, ist keine Aufgabe von 25-30 Jahren und in einer Generation zu schaffen. Es benötigt offenkundig mindestens 100 Jahre und zwei bis drei Generationen.”

Bricht Projekt Altinordu zusammen, wenn Özkan abtritt?

Özkan weiter: “Was habe ich gemacht? Ich habe den Samen gepflanzt und den Sprössling herangezogen. Von nun an wird die Allgemeinheit entscheiden. Ich muss mich etwas ausruhen. Ich werde etwas Abstand halten und die Dinge von Außen beobachten. Es ist Zeit, dass ich auch etwas auf mich achte. Ja liebe Jugend, wenn wir etwas ändern wollen, dann müssen wir dies gemeinsam tun. Das habe ich jetzt verstanden. Grüße und Liebe, Seyit Mehmet Özkan, Vertrauensperson von Altinordu”, so der Klubchef. Altinordu brachte in den vergangenen Jahren eine Vielzahl der größten türkischen Talente, wie Cengiz Ünder, Caglar Söyüncü, Ravil Tagir oder die Alici-Brüder Kerim und Baris hervor.

Dieses Statement von Özkan und die Frage, wer sein Vermächtnis fortführen könnte, bereiten vielen Fußball-Fans in der Türkei Sorgen, da es kaum Funktionäre im türkischen Fußball gibt, die wie Özkan langfristig, geduldig und strukturiert denken. Die Jugendausbildung genießt meist kaum bis gar keine Priorität. Das Geld fließt eher an ältere Spieler und in die A-Mannschaft, da man nur von Tag zu Tag und an kurzfristige Erfolge denkt. Denn es mangelt grundsätzlich an Geduld, einem System und einer Vision sowie leider häufig an einer professionellen Arbeitsweise und Ausbildung der Jugendtrainer.

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Anil P. Polat

Anil P. Polat

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Hürriyet.de-Redaktion

1 Kommentar

  1. Avatar
    13. Oktober 2020 um 12:56 —

    Ok, hoffentlich sacken die nicht ein. Oder irgendein Politik Vogel nistet sich da ein.

    Die sollen einfach jemanden aus Deutschland holen und die Strategie weiter verfolgen. Vielleicht kann man dadurch auch einige türkische Jugendtrainer nach Deutschland schicken, damit die hier einiges an Erfahrungen mitnehmen.

    Ok, ich träume wieder… ^^

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