Fenerbahce

Kolumne: Warum sich Fenerbahce und Ali Koc immer selbst im Weg stehen


Gerade mal zehn Spieltage sind in der Süper Lig absolviert und bei Fenerbahce brennt schon der Baum. Der Grund klingt recht lapidar. Die Gelb-Marineblauen sind seit wettbewerbsübergreifend drei Partien sieglos, die Tabellenführung nach der 1:3-Niederlage in Trabzon futsch. Bei keinem anderen Süper Lig-Klub kommt so schnell Unruhe auf wie bei den „Kanarienvögeln“. Doch woran liegt das?

Geduld ist im türkischen Fußball unbestritten ein Fremdwort. Doch in Kadiköy erst Recht. Zu groß ist der Hunger nach Titeln im Verein und bei der Fenerbahce-Anhängerschaft. Sechs Jahre ist der letzte Titel im Supercup her, die letzte Meisterschaft gar sieben. Verständlich, dass man nach all den Ausgaben, Investitionen und Versprechungen seitens der Klubführung nach Erfolgserlebnissen lechzt. Bislang wurden die „Fener“-Fans in ihrem Warten auf den Meistertitel gnadenlos enttäuscht. Die Gründe sind vielfältig: Zu viele Trainerwechsel, fehlende sportliche Qualität, Nervenschwäche in den entscheidenden Partien, etc.

Das führt unumgänglich dazu, dass das Vertrauen in die eigene Stärke schnell mal erschüttert und die Aufbruchstimmung im asiatischen Teil Istanbuls einen Dämpfer erhält – so geschehen nach „nur“ drei sieglosen Spielen in Folge und fünf Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze. Die Verpflichtung von Vitor Pereira wird offen diskutiert, der Portugiese bereits als Fehlbesetzung abgestempelt – typisch türkisch. Noch vor dem Trabzonspor-Spiel (1:3) war bei den Gelb-Marineblauen alles im Lot. Doch ist es erstaunlich, wie schnell sich das Blatt bei Fenerbahce innerhalb von wenigen Tagen wenden kann. „Sportlich“ diskutiert wird dabei äußerst selten. Mal wird die System-Frage gestellt, mal werden Spannungen zwischen Mesut Özil und Pereira ausgemacht. Aber am allermeisten sind die türkischen Schiedsrichter Schuld am Misserfolg.

Das ist wiederum ein „Verdienst“ vom Fenerbahce-Vorstand. Wie bereits in den Vorsaisons auch, wird die Formschwäche des Teams auf Faktoren von außen abgewälzt. Schiedsrichter, TFF, MHK, PFDK, FETÖ – die Liste ist zwar nicht beliebig fortsetzbar, aber sie wiederholt sich Jahr für Jahr. Gerade in schwierigen Zeiten braucht ein Team Rückendeckung, Zuspruch, aber auch konstruktive Kritik. An Rückendeckung für das Team & den Trainerstab mangelt es bei Gelb-Marineblau mit Sicherheit nicht. Doch gepaart mit Ausflüchten und Alibis, die die schlechten Resultate rechtfertigen sollen, ergibt sich eine gefährliche Kombination. Ali Koc und Konsorten täten gut daran, ihre Megaphone wegzulegen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Die Arbeit auf dem Platz. Das Verhalten des Fenerbahce-Vorstandes wirkt von außen derzeit kopflos und ohne Fokus – eigentlich genau die Dinge, die Ali Koc als Geschäfts- und Sportsmann ausmachen. Und das überträgt sich wohl oder übel auf die sportlichen Leistungen.

Es wäre doch alles viel leichter, wenn man sich als fairer Verlierer gibt, den Fokus auf die nächste Aufgabe richtet und somit ruhiger und besonnener in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Klappt es dennoch nicht mit den Ergebnissen, dann darf auch diskutiert werden: Ist Vitor Pereira tatsächlich der richtige Mann für Fenerbahce?





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6 Kommentare

  1. sonimahony
    27. Oktober 2021 um 21:38 —

    Als Außenstehender hab ich schon immer das Gefühl gehabt , dass es bei Fener keinen „Frieden“ gibt. Türkisch gesagt: Fenerde huzur yok. Bei Besiktas hat dieser Prozess Jahre gedauert aber erst seitdem man diese innere Ruhe hat , läufts.

  2. 27. Oktober 2021 um 13:59 —

    Die Aktion mit dem Megafon ist richtig nach hinten losgegangen, man kann auf der einen Seite vor den FB Anhängern nicht große Versprechen abgeben und dann 3 Spiele am Stück total verkacken oder?

    Und dieser absolut arrogant geschossene Elfmeter von Enner Valencia gegen Antwerpen offenbar die maßlose Arroganz die die FB Mannschaft bei der eigenen Anhängerschaft versprüht, auf diese fahrlässige Art und Weise kann man in einem absolut wichtigen Spiel wo nur ein Sieg zählt einfach keinen Elfmeter schießen.

    Ali Koc ist für mich inzwischen eine absolute Wundertüte, ich meine wie sollen wir mit einem Megafon mehr Tore in der Süperlig schießen, ich verstehe den Sinn in solchen Aktionen einfach nicht. Soviel ich weiss kann man nur mit qualitativ besseren Spielern mehr Tore schießen, aber sicherlich nicht indem man sinnlose Sätze in ein Megafon brüllt oder?

    Wenn Fussball so einfach wäre, dann sollten wir überall in Kadiköy unzählige Megafone aufstellen und den Gegner einfach niederbrüllen, vielleicht schießen wir ja dann mehr Tore, keine Ahnung ich weiss es echt nicht….

    • 28. Oktober 2021 um 11:14

      Ich finde mit Valencia greifst du hier den falschen Spieler an. Er reisst sich bei jedem Spiel den Arsch auf und wenn etwas kreatives kommt dann von ihm.

      Den Elfer hat er gar nicht schlecht geschossen. Den Torwart hat er schon verladen. Er hat leider etwas zu hochgeschossen und die Latte getroffen. Wäre der Ball rein hättest du ihn ja in den Himmel gelobt.

      Du solltest eher andere unfähige Spieler kritisieren.

    • 28. Oktober 2021 um 11:58

      Also m.M.n. ist jeder (FB)Elfmeter der nicht im gegnerischen Tor landet ein schlecht geschossener Elfmeter vor allem wenn er daneben geht, es sei denn der Torhüter macht eine Superparade, dann kann ich nichts schlechtes zum Elfmeter schreiben.

      Wenn aber dieser Valencia, der m.M.n. auch immer versucht Leistungen auf dem Platz zu zeigen in einem absolut wichtigen Spiel wo einfach nur 3 Punkte zählen einen arroganten „Panenka“ Elfmeter schießt und der Ball dann nicht im gegnerischen Tor landet und wir dadurch keine 3 Punkte bekommen, dann muss ich das einfach kritisieren.

      Beim Elfmeter ist mir nur wichtig, dass der Ball wie gesagt im Tor landet und das der Elfmeterschütze einen richtigen Schuss abgibt und keinen Drecks Panenka Elfmeter zeigt der dann an die Querlatte oder sonst wohin geht, sowas macht mich einfach fuchsteufelswild, dafür habe ich überhaupt kein Verstädnis.

  3. 27. Oktober 2021 um 13:19 —

    Ich würde gerne wissen wie Koc und seine Kollegen die Trainerfrage geklärt haben. Wochenlang wurden die verschiedensten Trainer in den Raum geworfen. Von Koc gab es immer nur die Worte „Abwarten und machen lassen“. Ich habe immer noch das Gefühl, dass VP nicht die erste Wahl war und man sich mit den anderen Trainern nicht einigen konnte. Irgendwann war das Zeitfenster zu knapp und man hat seinen Ex-Trainer geholt. Vielleicht gar nicht mal so falsch, da er den Verein, die Stadt und Anlagen ja kennt.
    Ich kann mir vorstellen, dass eher Rafa Benitez und Co. weiter oben auf der Liste standen und irgendwann VP dran kam und der hat direkt zugesagt.
    Zum Chaos kann man als außenstehender nur sagen, dass sich Jahr für Jahr die Ereignisse wiederholen und man langsam schon ein Schema aufbauen kann.
    Gute Spieler werden geholt, Vorbereitung läuft klasse, Saisonstart war (sehr) gut, der Knick kommt, die Formkurve zeigt nach unten und im worst case fleigt der Trainer.
    Koc hatte ein Versprechen, als er damals zum Präsidenten gewählt wurde. Und zwar, dass er dem Trainer Zeit geben wird und es nicht zu häufigen Trainerwechseln kommen wird. Nach all den Jahren hat er inzwischen, aus dem Ärmel geschüttelt, 10 Trainer rausgeworfen.
    Gestern hat er sich anscheinend mit einem Fan im Basketball Spiel angelegt.
    Auch wenn Koc den Fußballverein gerettet hat finanziell, so sind seine Miserfolge schon deutlich und werden bald nicht mehr tragbar sein. Die Statistiken in den Derbys sind futsch, es gibt immer noch keinen Titel unter seiner Ära und macht durch solche Aktionen wie mit dem Megafon sich selbst zum Affen.
    Immer mehr verliert er seinen Status, und entpuppt sich zu einem Bauern. Noch ist die Saison lang und kein Verein hat bisher was gewonnen oder verloren. Da es 5 Punkte sind zum Tabellenführer hat man noch alle Chancen auf den Titel. Nur stehen die Vorzeichen nicht rosig aus, wenn schon die Fans „Yönetim istifa“ rufen und die eigenen Spieler auspfeifen bei jedem Passspiel.

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