Ein Test, der den Kern des Spiels berührt
Eine neue Abseitsregel steht vor einem offiziellen Praxis-Test – und sie hat das Potenzial, den Fußball spürbar zu verändern. Der radikale Vorschlag von Arsene Wenger, der seit Jahren eine Anpassung der Abseitsauslegung fordert, wird mit Zustimmung der FIFA in Pflichtspielen erprobt. Als Testfeld dient die Canadian Premier League, die den Startschuss für ein Experiment gibt, das weit über Kanada hinausreichen kann.
Was sich konkret ändert: Abseits nur bei „komplettem Überholen“
Im aktuellen System reichen oft kleinste Körperteile, um eine Abseitsposition auszulösen – ein Fuß, eine Schulter, wenige Zentimeter. Genau diese Millimeter-Entscheidungen haben in den vergangenen Jahren für anhaltende Debatten gesorgt und werden durch den VAR zusätzlich sichtbar. Im Wenger-Modell verschiebt sich die Grenze deutlich: Ein Angreifer soll nur dann im Abseits stehen, wenn er den gegnerischen Verteidiger mit dem gesamten Körper überholt. Bleibt ein Teil des Körpers auf gleicher Linie, gilt die Situation als regelkonform.
Start am 4. April: Forge FC gegen Atletico Ottawa
Das neue Abseitsgefühl kommt bereits beim Eröffnungsspiel der Liga zum Tragen. Am 4. April treffen Forge FC und Atletico Ottawa aufeinander – und die Fans werden dabei eine andere Bewertungslogik erleben. Die Idee ist klar: weniger strittige Abseitsbilder, weniger Unterbrechungen und eine höhere Akzeptanz von Entscheidungen, weil die Schwelle für „Abseits“ sichtbar größer wird.
Warum die FIFA den Versuch zulässt
Die Hauptmotivation hinter dem Test ist der Spielfluss. In vielen Spielen entsteht der Eindruck, dass Angriffsaktionen durch VAR-Prüfungen ausgebremst werden – und dass Tore oder klare Abschlüsse wegen minimalster Abstände wieder einkassiert werden. Wenger will dem Fußball damit eine offensivere Dynamik geben: Stürmer sollen mehr Vorteil erhalten, riskanter in die Tiefe starten können und dadurch häufiger zu klaren Torchancen kommen. Die Erwartung: mehr Tore und weniger Millimeter-Streit.
Die große Frage: Kommt das Modell später nach Europa?
Der Test in Kanada ist ein erster Schritt – mit möglicher Signalwirkung. Wenn die Ergebnisse überzeugen, könnte das Modell perspektivisch auch in größeren Wettbewerben diskutiert werden, bis hinein in die Topligen Europas und internationale Turniere. In Fußballkreisen wird der Versuch bereits als potenziell tiefgreifendste Regelanpassung seit Jahrzehnten eingeordnet, weil er direkt das Stellungsspiel, das Timing von Läufen und die gesamte Defensivorganisation beeinflussen würde.


