Fenerbahce

Fenerbahce-Chefscout “War schon in allen Dörfern dieses Landes!”

Serhat Pekmezci ist seit Jahresbeginn als Leiter der Scoutingabteilung von Fenerbahce tätig. Der erfahrene Sportsmann wurde nach erfolgreichen sechs Jahren bei Altinordu nach Samandira verpflichtet. Vor dem „Ihlas Haber Ajansi (IHA)“ zog der 42-Jährige sein Resümee über die ersten 180 Tage. Dabei lieferte er bemerkenswerte Zahlen: „Wir haben uns in den letzten sechs Monaten 2.000 Partien angeschaut und beobachten derzeit 6.450 Spieler. Momentan umfasst unser Pool 120 Fußballer, die verpflichtet werden könnten.“

Das Jugendprojekt in Altinordu

Zuerst gab Pekmezci einen kurzen Abriss über seine Zeit bei Altinordu. Dabei hob er das bemerkenswerte Jugendprojekt an der Ägäis hervor: „Nachdem Altinordu in die zweite Liga aufgestiegen ist, wurde ein wichtiges Ziel gesetzt. Man wollte nur noch mit türkischstämmigen Fußballern auflaufen. Dementsprechend war es meine Aufgabe, umfassend inländische Spieler zu scouten.“ In den sechs Jahren bei Altinordu habe Pekmezci 450.000 Akteure gesichtet und nahezu alle Dörfer der Türkei besucht. Die Belohnung der harten Arbeit habe man mit der Entdeckung von Spielern wie Caglar Söyüncü und Cengiz Ünder erhalten.

„Die Rolle der Familie spielt eine sehr große Rolle“

Auf die Frage, was das damalige Erfolgsrezept in Altinordu war, antwortete der Scoutchef von Fenerbahce mit folgenden Worten: „Wir haben noch nie einen Spieler in unsere Akademie geholt, ohne dessen Eltern und Lehrer kennenzulernen. Es ist sehr wichtig, dass man vor allem mit dem Vater und der Mutter des Kandidaten in Kontakt tritt und sich über deren Erwartungshaltung informiert.“ Primär dürfe man innerhalb der Familie keinen Druck auf die jungen Kicker ausüben. Eltern können ihre Kinder laut Pekmezci erziehen, aber nicht alleine fördern.

„Comolli lobt unsere Arbeit“

Des Weiteren habe man einen engen Draht zu Sportdirektor Damien Comolli: „Wir stehen im ständigen Austausch untereinander. Er hat einen sehr intensiven Arbeitsplan. Damien schätzt unsere Arbeit sehr und unterstützt die gesamte Scoutingabteilung mit tatkräftigem Eifer.“ Obendrein berichte Pekmezci dem Vorstand mit diversen Reports zyklisch über den Stand der Dinge in Samandira.

„Wir beobachten sogar, wie der Spieler in den Bus einsteigt“

Pekmezci gab auch einen detaillierten Einblick in seine Arbeitsprinzipien: „Wir werfen ein besonderes Auge darauf, wie sich ein junger Akteur in den ersten und letzten fünf Minuten präsentiert. Der Wille ist hierbei sehr wichtig. Wir messen Schritte und Frequenzen. Wenn ein Spieler eine gute Schrittfrequenz nachweisen kann, hat er meistens auch eine überdurchschnittliche Wahrnehmung.“ Vor langer Zeit habe man beispielsweise einen Kicker entdeckt, der im Schnitt nur ein Zehntel einer Sekunde benötigt bis zur Entscheidungsfindung von Ballannahme bis Zuspiel. Deshalb fokussiere man sich auf eine umfassende Analyse bevor man Geld ausgibt. Selbst die Art und Weise, wie der Fußballer in den Bus einsteigt, sei manchmal ein entscheidender Indikator.

Pekmezci will sein Team vergrößern

In Summe übe der Master-Alumni der Marmara Universität in Istanbul einen Job aus, für welchen er förmlich brennt. Zudem sei er ein eingefleischter Fenerbahce-Anhänger: „Man wird erst dann erfolgreich, wenn man Spaß im Beruf hat. Wir kriegen vermehrt Bewerbungen und Anfragen für eine Position in unserem Team. In Kürze plane ich ein Treffen mit diesen Bewerbern um mich persönlich auszutauschen.“ Nichtsdestotrotz gebe es sehr harte Einstellungsverfahren. „Bevor wir einen Scout rekrutieren, achten wir auf verschiedene Parameter. Charakter, Persönlichkeit, Ehrlichkeit und die intellektuelle Kapazität sind wichtige Schlagwörter. Ein Scout muss viel lesen, einen Sinn für gute Musik haben, sich permanent weiterbilden, soziologisches Wissen nachweisen und die Muttersprache besonders gut sprechen können. Ansonsten wäre er niemals in der Lage, die jungen Spieler mit Potenzial richtig zu bewerten.“  

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Hüseyin Yilmaz

Hüseyin Yilmaz

Wirtschaftswissenschaftler, Freier Sportjournalist, Kosmopolit, Hürriyet Gücer-Fan und Spor Toto Süper Lig-Liebhaber

5 Kommentare

  1. Avatar
    21. Juni 2019 um 23:03

    Auch wenn man Spieler wie Ünder, Caglar Söyüncü und Co. gefunden hat, ist das Scouting in der Türkei total unterirdisch.
    Es leben 80 Millionen Menschen in der Türkei, über 23 Mio sind zwischen 0-17 Jahre alt, die hälfte davon Mädchen, bleiben übrig 11,5 Mio Jungs.

    Dennoch haben wir nur eine Handvoll türkische Spieler die es zu etwas gebracht haben. Die Wahrscheinlichkeit ist extrem groß, dass es noch mehr talentierte Spieler in der Türkei gibt, die aber nicht gefunden bzw. gefördert werden.

    Fenerbahce´s Scouting Abteilung ist eine Katastrophe. Ich hoffe das es mit diesem Serhat Pekmezci besser wird.

    Man hat einen Demiral vor 3 Jahren Ablösefrei aus der Fenerbahce U19 Mannschaft ziehen lassen und jetzt landet der Junge bald bei Juventus Turin.

    Biz cok yetenekli oyunculari kacirdik…und von so vielen Jugendspielern haben wir die Karriere zerstört.

    Nicht nur bei Fenerbahce läuft die Jugendförderung schlecht, hierzu zählen fast alle Vereine aus der Süper Lig.

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      21. Juni 2019 um 23:07

      Diese Taktik mit Ü30 Spielern um für kurzfristigen Erfolg zu sorgen, bringt es einfach nicht. Seid 15 Jahren geht Aziz Yildirim dieser Taktik hinterher, aber konnte keine Erfolge vorweisen.
      Es funktioniert nicht. Setzt endlich Mal auf die Jugend.
      Berke Özer hätte ruhig spielen können. Nicht 1x habt Ihr diesen Jungen eingesetzt. Baris habt Ihr verliehen, bevor er sich beweisen konnte. Ferdi Kadioglu durfte immer nur aus der Tribüne zuschauen.

      Spieler wie Volkan,Topal,Dirar,Isla,Hasan Ali durften trotz unzähliger Fehler immer und immer und immer wieder auflaufen.

      Bu nasil bi is ?

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    21. Juni 2019 um 22:37

    Wenn ein Mensch, der Fenerbahce nicht kennt und schon gar nicht den Kader und sich diesen Artikel durchliest denkt der sich doch wohl “Wow dieses Fenerbahce muss wohl sehr gute Fußballer im Kader haben.”
    Aber stattdessen sieht die Welt ganz anders aus. Ich frage mich wie kann es sein, dass man 450.000 (!) Jugendspieler beobachtet, und dabei keine besseren Spieler als Slimani, Topal, Ayew und Co. gefunden werden.
    Da würde ich mir einfach verarscht vorkommen.

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      21. Juni 2019 um 22:50

      Da hast du nicht aufmerksam gelesen denn hier steht:

      “In den sechs Jahren bei Altinordu habe Pekmezci 450.000 Akteure gesichtet und nahezu alle Dörfer der Türkei besucht.”

      Sprich es ging um seine Zeit vor Fenerbahce.

      Zu dem Artikel oben kann ich nur sagen:
      Sehr interessant, langsam langsam sieht man schon einige Veränderungen.

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      22. Juni 2019 um 15:13

      Spielt ja aber keine Rolle ob das jetzt vor der Zeit von fener war. Wenn man richtig scouten würde hätte man ja einige Jungs gefunden die was taugen und die würde man dann natürlich auch weiter scouten oder nicht? Also würde er ja bei Fener trotzdem weiter diese Jungs beobachten aber anscheinend hat er bei 450 000 Jungs keinen jungen gefunden der Ayew,soldado und wie eure Gurken noch heißen abzulösen….