Besiktas arbeitet trotz der Derby-Niederlage gegen Galatasaray (0:1) bereits intensiv an der kommenden Saison. Im Fokus stehen ein möglicher Transfer von Aymeric Laporte, der eskalierte Streit um den VAR, starke Einnahmen rund um das Derby und mehrere Personalfragen, die den Kader im Sommer deutlich verändern könnten. Damit verdichtet sich bei den Schwarz-Weißen das Bild eines umfassenden Umbruchs. Sportliche Planung, wirtschaftliche Signale und institutioneller Druck auf den Verband laufen derzeit parallel.
Laporte bleibt das große Ziel für die Abwehr
Nach Informationen von Fanatik hat Besiktas für die neue Saison einen klaren Wunschkandidaten für die Innenverteidigung definiert: Aymeric Laporte. Der spanische Abwehrspieler gilt als bevorzugte Lösung, um gemeinsam mit Emmanuel Agbadou ein neues Defensivzentrum zu bilden. Aus Sicht des Klubs würde diese Kombination Erfahrung, Führungsqualität und internationale Klasse vereinen. Genau deshalb soll die Vereinsführung in den kommenden Tagen nach Spanien reisen, um die finanziellen Rahmenbedingungen für einen möglichen Transfer zu besprechen.
Die Aufgabe wird allerdings nicht einfach. Auch Klubs aus Saudi-Arabien interessieren sich für Laporte, was den Wettbewerb um den 31-Jährigen deutlich verschärft. Für Serdal Adali und die sportliche Führung ergibt sich daraus ein klares Zeitfenster: Wer den Transfer wirklich realisieren will, muss schnell und überzeugend handeln. Laporte, dessen Name schon zu Beginn der Saison in Istanbul kursierte, absolvierte zuletzt 20 Spiele in Spanien und bleibt für Besiktas der prestigeträchtigste Name auf der aktuellen Defensivliste.
Der VAR-Streit mit dem Verband spitzt sich zu
Neben der Kaderplanung sorgt auch der Konflikt mit dem türkischen Fußballverband weiter für Unruhe. Nach dem Derby gegen Galatasaray erhöhte Besiktas den Druck deutlich und forderte offizielle Aufklärung über die Abläufe im VAR-Zentrum. Der Klub beantragte die Herausgabe der Kameraaufzeichnungen aus dem Korridor und dem Raum rund um den VAR-Bereich und machte dieses Anliegen öffentlich. Damit unterstreichen die Schwarz-Weißen, dass sie den Vorfall nicht als gewöhnliche Schiedsrichterdiskussion behandeln, sondern als strukturelles Problem verstehen.
Besonders scharf fiel dabei der Ton von Präsident Serdal Adali aus, dessen Aussagen bei HT Spor aufgegriffen wurden. Adali äußerte große Zweifel an den portugiesischen VAR-Ausbildern im Umfeld des MHK und forderte personelle Konsequenzen. Er erklärte, er glaube nicht an die Ehrlichkeit dieses Teams und wünsche, dass diese Personen ihre Aufgaben umgehend niederlegen. Zudem verlangte er Transparenz bei den Aufnahmen rund um das Spiel und machte klar, dass Besiktas den Antrag beim Verband gestellt hat und nun auf eine Antwort wartet. Auch der Rücktritt von Ferhat Gündogdu wurde in diesem Zusammenhang offen verlangt.
Das Derby brachte sportlichen Frust, aber einen wirtschaftlichen Rekordtag
So groß der Ärger über das 0:1 gegen Galatasaray auch war, wirtschaftlich brachte der Spieltag dem Klub einen bemerkenswerten Ertrag. Nach Angaben von Fanatik flossen rund 250 Millionen TL (ca. 4,86 Mio. Euro) in die Kassen von Besiktas. Damit wurde das Derby trotz der sportlichen Enttäuschung zu einem der lukrativsten Heimspiele der jüngeren Vereinsgeschichte. Vor allem der komplette Ticketverkauf und die starke Nachfrage im VIP-Bereich trugen zu dieser Summe bei.
Das Stadion war vollständig ausgelastet, auch die Logen waren voll besetzt. Für die Klubführung ist dieses Ergebnis ein wichtiges Signal, weil es zeigt, welches wirtschaftliche Potenzial in großen Heimspielen steckt. Gerade in einer Phase, in der Besiktas Transferentscheidungen vorbereitet und gleichzeitig die Mannschaft qualitativ neu aufstellen will, gewinnen solche Einnahmen zusätzlich an Bedeutung. Sportlich blieb am Ende nur Frust, finanziell aber war der Derbytag ein klares Plusgeschäft.
Bei Ersin Destanoglu und Altay Bayindir deutet sich eine Wende an
Auch auf der Torhüterposition zeichnet sich eine folgenreiche Veränderung ab. Nach Informationen von Sözcü plant Besiktas, den auslaufenden Vertrag von Ersin Destanoglu nicht zu verlängern. Der 25-Jährige, der seit vielen Jahren mit dem Klub verbunden ist und aus der eigenen Jugendabteilung stammt, könnte den Verein damit nach einer langen gemeinsamen Zeit verlassen. In der laufenden Saison absolvierte Ersin 22 Spiele, blieb siebenmal ohne Gegentor und kassierte insgesamt 23 Treffer.
Als Nachfolger rückt Altay Bayindir in den Mittelpunkt. Dem Bericht zufolge gibt es bereits eine Grundsatzeinigung mit dem Nationaltorhüter, der aktuell bei Manchester United unter Vertrag steht. Sollte dieser Wechsel umgesetzt werden, wäre das auf mehreren Ebenen ein deutliches Signal. Besiktas würde nicht nur eine zentrale Position neu besetzen, sondern gleichzeitig einen Torhüter mit hoher nationaler Bekanntheit und internationaler Erfahrung holen.
Bei Kristjan Aslani ist die Lage offener, der Spieler sendet aber ein klares Signal
Weniger eindeutig ist die Situation bei Kristjan Asllani. Der von Inter Mailand ausgeliehene Mittelfeldspieler verfügt über eine Kaufoption in Höhe von 13 Millionen Euro, doch eine abschließende Entscheidung von Besiktas liegt noch nicht vor. Klarer ist dagegen offenbar der Wunsch des Spielers selbst. Nach Informationen von Tuttomercatoweb möchte Asllani über die Leihe hinaus in Istanbul bleiben und sieht in Besiktas den richtigen Ort für seine weitere Entwicklung.
Der 24-Jährige betonte, dass er zwar zunächst nur auf Leihbasis gekommen sei, aber dauerhaft bleiben wolle. Er beschrieb Besiktas als einen Verein mit außergewöhnlichen Fans und mit allem, was sich ein Fußballer wünschen könne. Zudem erklärte er, er wisse genau, was Sergen Yalcin von ihm erwarte, und sei überzeugt, dem Klub sportlich sehr nützlich zu werden. In seinen bisherigen sechs Einsätzen sammelte Aslani 325 Minuten und steuerte einen Assist bei. Sein Vertrag bei Inter läuft noch bis zum 30. Juni 2028, was die Ausgangslage für einen festen Transfer finanziell anspruchsvoll macht.
Unter dem Strich deutet bei Besiktas vieles auf einen Sommer hin, in dem mehrere große Entscheidungen gleichzeitig fallen. Die Abwehr soll mit einem Namen wie Laporte aufgewertet werden, der Druck auf den Verband nimmt weiter zu, die wirtschaftlichen Möglichkeiten wachsen und im Kader stehen auf zentralen Positionen Veränderungen bevor. Gerade deshalb wirken die kommenden Wochen für den Klub fast wichtiger als die vergangenen. Denn sie entscheiden darüber, mit welchem Gesicht Besiktas in die nächste Saison geht.


