135-Millionen-Enthüllung erschüttert den Fußball: Süper-Lig-Schiedsrichter droht die Zelle
Die weitverzweigten Ermittlungen der Abteilung für illegale Wetten und Sportdelikte der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft, die in Fachkreisen als sogenannte „Schiedsrichter-Akte“ geführt werden, steuern auf einen dramatischen Höhepunkte zu. Der im Rahmen der Ermittlungen in Trabzon festgenommene und nach Istanbul überführte Trendyol Süper Lig-Schiedsrichter Yasin Kol sowie Schiedsrichterassistent Göktug Hazar Erel wurden am Morgen der Staatsanwaltschaft überstellt. Nach der Einvernahme beantragte die Staatsanwaltschaft beim zuständigen Friedensstrafrichter umgehend Untersuchungshaft für beide Unparteiischen. Nach Angaben von NTV-Reporterin Dilek Yaman Demir wird Yasin Kol konkret Spielmanipulation, die Zahlung von Anreizprämien, illegale Wetten, Urkundenfälschung und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Zudem soll er bei seinen Ansetzungen die Assistenten und Video-Assistenten (VAR) eigenmächtig bestimmt haben. Dem Assistenten Göktug Hazar Erel wird Beihilfe zur Fälschung amtlicher Dokumente zur Last gelegt.
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MASAK-Enthüllung: Unfassbares Transaktionsvolumen von 135 Millionen Lira
Parallel zur Vorführung wurden brisante Details aus dem offiziellen Prüfprotokoll der Finanzermittlungsbehörde MASAK vom 30. September 2026 bekannt. Die Finanzfachleute wiesen auf den Konten des 38-jährigen Referees zwischen 2012 und 2026 insgesamt 5.978 Finanztransaktionen mit einem Gesamvolumen von atemberaubenden 135 Millionen Lira (ca. 2,45 Mio. Euro) nach. In diesem Zeitraum flossen 72,1 Millionen Lira von seinen Konten ab, während 62,5 Millionen Lira eingezahlt wurden. Besonders im Zeitraum von 2024 bis 2026 beschleunigte sich der Geldverkehr drastisch: Allein im Jahr 2026 standen Einzahlungen von rund 22,3 Millionen Lira massiven Auszahlungen von 40,8 Millionen Lira gegenüber.

Yasin Kol weist alle Vorwürfe vehement zurück: „Niemals einen solchen Geldbetrag besessen“
Im Rahmen der polizeilichen Vernehmung wies Yasin Kol die Anschuldigungen und den MASAK-Bericht entschieden von sich. Zu den Millionenströmen auf seinen Bankkonten bezog der Referee eindeutig Stellung: „Ich hatte in meinem gesamten Leben weder einen solchen Geldbetrag noch einen solchen Geldverkehr. Abgesehen von dem Geld, das ich durch meine Arbeit als Schiedsrichter und Sicherheitsmitarbeiter verdient habe, hatte ich niemals derartige Geldsummen. Diese Geldtransfers gehören definitiv nicht zu mir.“
Auch die Vermutung, dass die Überweisungen in Verbindung mit illegalen Wettgeschäften stehen könnten, wies er kategorisch zurück. „Das hat nichts mit illegalen Wetten zu tun. Ich habe niemals illegal gewettet und auch niemandem Geld geschickt, damit er für mich oder selbst Wetten platziert. Ich akzeptiere diese Feststellungen nicht. In meinem gesamten Leben hatte ich weder mit legalen noch mit illegalen Wetten etwas zu tun. Ich besitze auch auf keiner entsprechenden Plattform ein Konto. Ich weise die gegen mich erhobenen Vorwürfe zurück“, betonte der Unparteiische protokollarisch.

Klarstellung zu Absprachen mit MHK-Chef Ferhat Gündogdu
Mit den Zeugenaussagen des ehemaligen Schiedsrichters E.A. konfrontiert, wonach der in Haft sitzende MHK-Vorsitzende Ferhat Gündogdu ihn vor und nach dem Ligaspiel zwischen Alanyaspor und Galatasaray per FaceTime kontaktiert und instruiert habe, reagierte Yasin Kol mit Unverständnis. „Die Aussage, dass vor und nach dem von Yasin Kol in der vergangenen Saison geleiteten Spiel Alanyaspor gegen Galatasaray FaceTime-Gespräche geführt worden seien, ist vollkommen haltlos. Niemand hat mich vor oder nach einem Spiel angerufen und mir Anweisungen gegeben, wie ich mich während des Spiels verhalten soll. Das könnte auch niemand“, stellte der Schiedsrichter klar.
Zu den vorgelegten WhatsApp-Chatverläufen mit Ferhat Gündogdu bezüglich der Einteilung der Schiedsrichtergespanne erklärte er, dass es sich hierbei um ein völlig normales Prozedere handele. „Der MHK-Vorsitzende spricht bei Derbys und wichtigen Spielen etwa drei Tage vor der Partie mit dem Schiedsrichter, der das Spiel leiten wird, und fragt ihn, mit welchen Personen im Schiedsrichterteam er harmonischer zusammenarbeiten könnte und ob wir diesbezüglich Vorschläge haben. Diese Praxis gilt nicht speziell für mich, sondern wird bei allen Schiedsrichtern angewendet, die ein Derby leiten“, erläuterte Yasin Kol im Detail. Er habe dem Funktionär lediglich Kollegen vorgeschlagen, mit denen er gut zurechtkomme, und die Partien nach dessen Zustimmung geleitet.
Erdbeben im Verband: Zahlreiche Funktionäre bereits in Haft
Die Festnahmen von Yasin Kol und Göktug Hazar Erel nach dem Testspiel zwischen Trabzonspor und Drogheda United bilden den vorläufigen Höhepunkt einer umfassenden Ermittlungswelle gegen die Führungsriege des Schiedsrichterwesens. Zuvor wurden bei Razzien in Istanbul, Ankara, Elazig und Manisa bereits schwerwiegende Festnahmen vollstreckt. Neben dem MHK-Vorsitzenden Ferhat Gündogdu wanderten auch der Vorsitzende des Schiedsrichterverbands Ferdi Karadoruk, das frühere MHK-Mitglied Yunus Yildirim sowie die Funktionäre Alican Saglar und Emre Kosif in Untersuchungshaft. Gegen den ehemaligen Vize-MHK-Chef Ahmet Sahin und den TFF-Verantwortlichen Sebahattin Sahin wurden gerichtliche Kontrollmaßnahmen sowie Ausreiseverbote verhängt.



