Ende der Pauschalsteuer im Taxigewerbe – vollständige Digitalisierung
In der Türkei wird die bisherige Pauschalsteuer für das Taxigewerbe abgeschafft. Künftig werden alle Fahrten digital erfasst und die Steuer auf Basis der tatsächlich erzielten Einnahmen berechnet. Herzstück der Reform ist ein neues „Taxi-Abrechnungsgerät“, das jede Fahrt in Echtzeit an das Finanzamt übermittelt.
Manuelle Eingaben sind nicht mehr möglich. Beim Stoppen des Taxameters wird automatisch ein Beleg oder e-Dokument erstellt. Ohne diesen Beleg kann keine neue Fahrt begonnen werden. Zudem sind alle Fahrer verpflichtet, Kartenzahlungen zu akzeptieren. Ziel ist mehr Transparenz, eine bessere Kontrolle der Einnahmen und eine korrekte Steuerabführung.
460 Millionen Bank- und Kreditkarten im Umlauf
Parallel dazu wächst der bargeldlose Zahlungsverkehr weiter. Die Gesamtzahl der Bank- und Kreditkarten in der Türkei stieg bis Ende 2025 um 5,8 Prozent auf 460 Millionen Stück. Davon entfallen 142 Millionen auf Kreditkarten und 318 Millionen auf Bankkarten. Die Zahlen verdeutlichen, wie stark die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs bereits vorangeschritten ist.
„Alo Adalet“ – neue Hotline gegen Verfahrensverzögerungen
Der neue Justizminister Akin Gürlek kündigte die Einrichtung einer „Alo Adalet“-Hotline an. Bürger sollen sich künftig bei Problemen mit langwierigen Gerichtsverfahren – etwa bei Miet- oder Scheidungsprozessen – direkt an das Justizministerium wenden können.
Die Hotline ist noch nicht gesetzlich verankert und trifft selbst keine Entscheidungen. Sie soll Fälle an zuständige Stellen weiterleiten und die Kommunikation bei Verzögerungen verbessern. Ziel ist es, die Sichtbarkeit von Verfahren zu erhöhen, da viele Betroffene durch lange Prozesse „sehr benachteiligt“ würden.
Uber übernimmt Getir-Geschäft für 335 Millionen Dollar
Im Technologiesektor sorgt ein milliardenschwerer Deal für Aufsehen. Der US-Konzern Uber übernimmt das Essensliefergeschäft von Getir in der Türkei für rund 335 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig investiert Uber weitere 100 Millionen US-Dollar für einen 15-prozentigen Anteil an Getirs Lebensmittel-, Einzelhandels- und Wasserliefergeschäft.
Bereits im Mai 2025 hatte Uber Trendyol Go für 700 Millionen US-Dollar übernommen. Getir wurde 2015 von Nazim Salur in Istanbul gegründet und im Jahr 2024 vom Abu-Dhabi-Staatsfonds Mubadala übernommen. Durch die Integration will Uber seine Position im türkischen Liefermarkt deutlich stärken.
KI-System „Avci“ zerschlägt 69 Gruppen
Auch in der Strafverfolgung setzt die Türkei neue Maßstäbe. Erstmals wurde eine künstliche Intelligenz namens „Avci“ (Jäger) bei einer großangelegten Drogenoperation eingesetzt. Die Software analysierte über einen Zeitraum von fünf Monaten Millionen Datensätze auf Plattformen wie WhatsApp, Telegram und Instagram.
Das KI-gestützte Analyse- und Überwachungssystem identifizierte versteckte Nachrichtenmuster und verschlüsselte Codes. Trotz häufiger Namensänderungen der Verdächtigen konnten 69 Gruppen zerschlagen und 305 Personen in 14 Provinzen festgenommen werden. „Avci“ wird laut Berichten von den Sicherheitsbehörden genutzt, um kriminelle Aktivitäten im Internet schneller zu erkennen.
Die Reformen und Entwicklungen zeigen, dass die Türkei im Jahr 2026 auf Digitalisierung, Transparenz und technologische Modernisierung setzt – sowohl im Wirtschafts- als auch im Sicherheits- und Justizbereich.


