Bohrer, Tresorraum, Massenplünderung: So lief der Zugriff auf die Schließfächer
Beim Einbruch in die Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer verschafften sich die Täter Zugang zum Tresorraum und öffneten ihn mit einem speziellen Bohrer. Anschließend wurden rund 3.200 von insgesamt 3.300 Schließfächern geplündert. Der Wert der Beute wird auf geschätzt 30 Millionen Euro beziffert. Über die Täter ist weiterhin nichts bekannt, was die Unsicherheit in der Nachbarschaft zusätzlich verstärkt.
Warum Buer besonders betroffen ist: Schließfächer als traditioneller Sicherheitsort
Buer ist ein Stadtteil mit traditionell vielen Familien mit türkischem Migrationshintergrund. In vielen Haushalten gilt das Schließfach seit Jahrzehnten als sicherer Ort für Bargeld, Schmuck oder Gold, weil diese Werte häufig nicht zu Hause gelagert werden sollen. Genau diese Gewohnheit führt nun dazu, dass besonders viele Kunden mit türkischem Hintergrund massiv betroffen sind. Der Einbruch trifft damit nicht nur einzelne Kontoinhaber, sondern ganze Familien, die ihre Vorsorge und ihre Wertgegenstände über Jahre im Schließfach gesichert haben.
Versicherung, Erstattung, offene Fragen: Was Betroffene jetzt belastet
Unklar bleibt, ob und in welcher Höhe die Betroffenen von der Versicherung Geld zurückbekommen. Die Absicherung ist von Vertrag zu Vertrag unterschiedlich, und es steht noch nicht fest, welche Schäden im jeweiligen Einzelfall gedeckt sind. Für viele Betroffene beginnt damit ein zweiter Kampf: der um Anerkennung und Regulierung. Neben dem materiellen Verlust steht auch die Angst im Raum, dass nur ein Teil ersetzt wird – oder gar nichts.
Das größte Problem: Die Bank kennt die Inhalte nicht – Nachweise werden entscheidend
Ein zentraler Punkt erschwert die Aufarbeitung: Die Bank kennt den Inhalt der Schließfächer nicht. Damit liegt die Beweislast bei den Kunden, die belegen müssen, was sich im Schließfach befand und was ihnen gehört. Ohne Nachweise wird es schwierig, Ansprüche durchzusetzen – insbesondere bei Bargeld, Gold oder Schmuck, der häufig ohne Quittungen aufbewahrt wird. Für viele Betroffene wird damit nicht nur der Einbruch selbst zur Belastung, sondern auch der bürokratische Weg, um den Verlust überhaupt glaubhaft zu machen.

