Manche schaffen es nicht auf den Rasen, bleiben dem Fußball aber trotzdem auf ihre eigene Weise treu. Genau das gilt für Sertan Güner und Mecit Bayrak aus Kocaeli. Die beiden Jugendfreunde spielten früher selbst Amateurfußball, heute prägen sie mit handgefertigten Bannern die Atmosphäre auf den Tribünen. Unter dem Namen Seto Pankart gestalten sie große visuelle Arbeiten für Stadien und tragen damit zu einer Kultur bei, die im modernen Fußball immer seltener rein von Hand entsteht.
Wie sie gegenüber IHA erzählten, können ihre Banner bis zu 100 Meter lang werden. Für die beiden steht dabei nicht nur die Optik im Mittelpunkt, sondern auch das Gefühl, das Handarbeit auf den Rängen auslöst.
„Handarbeitsbanner haben einen besonderen Platz“
Sertan Güner erklärte, dass sein Weg zu den Bannern nicht erst vor zwei Jahren begonnen habe. Schon in der Schulzeit habe er sich intensiv mit Malerei beschäftigt und Bilder für Ausstellungen angefertigt. „Ich denke, dass handgefertigte Banner einen besonderen Platz in der Tribünenkultur einnehmen. Heutzutage ist alles digital geworden, aber auf den Tribünen ist der Standort von Handarbeit, Farbe und Pinsel ganz anders“, sagte Güner.
Gerade darin sieht er den Kern seiner Arbeit. Obwohl der moderne Fußball immer stärker von digitalen Produktionen geprägt sei, müsse auf den Rängen Platz für Handarbeit bleiben. Für ihn gibt diese Form der Gestaltung den Menschen auf der Tribüne ein anderes Gefühl und schafft eine direktere emotionale Verbindung.
Ein Banner von 100 Metern und Arbeiten mit besonderer Bedeutung
Das größte Werk, das Güner bislang vorbereitet hat, war ein Banner von rund 100 Metern. Es entstand für eine Choreografie und wurde gemeinsam mit der Gruppe Gulf Hodri Square fertiggestellt. „Es war die größte Bannerarbeit, die wir je gemacht haben“, sagte er.
Besonders wichtig sind für ihn aber nicht nur Größe oder Wirkung, sondern auch der emotionale Wert einzelner Arbeiten. Banner für verstorbene Freunde hätten für sie eine ganz besondere Bedeutung. Hinzu kämen Arbeiten, die Freundschaften zwischen Tribünen sichtbar machen. Als Beispiel nannte Güner das Freundschaftsbanner zwischen der Jugendgruppe 07 von Antalyaspor und dem Hodri-Platz sowie das Banner #YasasinDemirspor, das zur Unterstützung von Adana Demirspor vorbereitet wurde. „Wir wollen, dass sich solche Beispiele der Freundschaft vermehren“, sagte er.

Zwischen Arbeit, Schlaflosigkeit und kleinen Räumen
Die Banner entstehen nicht unter idealen Bedingungen. Güner berichtete, dass er bis vor Kurzem regulär gearbeitet und danach oft bis tief in die Nacht an neuen Entwürfen und Bannern gesessen habe. „Manchmal ging ich zur Arbeit, ohne zu schlafen“, sagte er. Auch der fehlende Platz erschwere die Arbeit. Große Banner entstünden oft in engen Räumen, häufig sogar im eigenen Zimmer.
Gerade diese Aussagen machen deutlich, wie viel Einsatz hinter der Tribünenkunst steckt. Was im Stadion für wenige Minuten sichtbar ist, entsteht oft unter großem Zeitdruck und mit begrenzten Mitteln.

„Wir sind mit dem Traum aufgewachsen, Fußballer zu werden“
Mecit Bayrak erzählte, dass die Geschichte von Seto Pankart direkt mit ihrer Kindheit verbunden sei. Beide seien im selben Viertel aufgewachsen und hätten jahrelang gemeinsam Fußball gespielt. „Wir sind mit dem Traum aufgewachsen, Fußballer zu werden, aber wir konnten kein Fußballer sein. Dann stellten wir fest, dass wir Banner herstellten. Ich kann also sagen, dass wir im Fußball geblieben sind“, sagte Bayrak.
Er selbst brachte vor allem seine Affinität zu sozialen Medien in das Projekt ein. Als er die Arbeiten von Sertan sah, glaubte er sofort daran, dass auch der Entstehungsprozess solcher Banner Aufmerksamkeit erzeugen könne. So entstand aus Freundschaft, Fußball und Kreativität schließlich ein gemeinsames Projekt.

„Banner sind die Identität der Tribüne“
Für Bayrak steht fest, dass Banner weit mehr sind als reine Dekoration. „Ich denke, Banner sind die Identität der Tribüne, eine Art Personalausweis. Eine Tribüne ohne Banner bleibt für mich leer“, sagte er. Für ihn bleiben manche Banner sogar länger in Erinnerung als ein verlorenes oder gewonnenes Spiel, weil sie Emotionen transportieren und Freundschaften sichtbar machen.
Auch deshalb nehmen beide die körperliche und organisatorische Belastung bewusst in Kauf. Schlaflosigkeit, Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen gehörten dazu, aber sie hätten keine Angst davor, diese Arbeit zu leisten. „Es ist kein Job, den jeder machen kann, aber weil wir die Tribünenkultur lieben, zögern wir nicht, diese Arbeit zu leisten“, erklärte Bayrak.

Der Traum reicht von der Nachbarschaft bis zur Weltbühne
Trotz aller Bodenständigkeit denken Güner und Bayrak längst größer. Ihr Ziel ist es, die Geschichte von Seto Pankart aus der Nachbarschaft heraus auf eine internationale Bühne zu tragen. Bayrak formulierte es klar: „Einer unserer größten Träume ist es, ein herausragendes Werk zu schaffen, das bei der Weltmeisterschaft oder der Champions League für Aufsehen sorgt.“
Damit bleibt ihre Geschichte im Kern einfach und stark zugleich: Zwei Freunde, die nicht Fußballprofis wurden, aber dem Fußball treu blieben. Nicht auf dem Rasen, sondern auf der Tribüne. Und genau dort geben sie dem Spiel mit Farbe, Pinsel und Handarbeit ihre ganz eigene Form von Bedeutung.






