Mehrere umstrittene Szenen aus der Trendyol Süper Lig stehen weiterhin im Mittelpunkt der Diskussionen. Besonders das Derby zwischen Besiktas und Galatasaray sowie weitere strittige Situationen aus den vergangenen Wochen haben für intensive Debatten gesorgt. Zwei Ausbilder des Zentralen Schiedsrichterrates des türkischen Fußballverbandes (TFF), Jouni Hyytia und Joao Capela, nahmen in einer Fernsehsendung Stellung zu mehreren Entscheidungen.
In einer Analyse bei TRT Spor bewerteten beide Experten verschiedene Spielszenen und erklärten, warum bestimmte Entscheidungen der Schiedsrichter aus ihrer Sicht korrekt oder fehlerhaft gewesen seien.
Capela erklärt die rote Karte gegen Leroy Sané
Ein zentraler Punkt der Diskussion war die Szene aus dem Derby zwischen Besiktas und Galatasaray, bei der Leroy Sane die Rote Karte sah. Für Capela war die Entscheidung eindeutig.
„Es gibt einen sehr starken und unfairen Kontakt. Der Ball ist in dieser Situation nicht mehr im Spiel. In solchen Momenten müssen Schiedsrichter vor allem die Sicherheit des Gegenspielers berücksichtigen. Diese Art von Eingriff gefährdet die Gesundheit des Spielers“, erklärte der portugiesische Schiedsrichterausbilder.
Weiter führte er aus: „Wir behaupten nicht, dass der Spieler absichtlich handeln wollte. Doch auch ohne Absicht kann ein Foul die Sicherheit des Gegners ernsthaft gefährden. Deshalb handelt es sich hier um ein schweres Foulspiel und die rote Karte ist die richtige Entscheidung.“
Gelbe Karte für frühere Szene als korrekt bewertet
Neben der Roten Karte analysierte Capela auch eine frühere Situation aus derselben Partie. Dabei ging es um ein ähnliches Einsteigen von Leroy Sane gegen Kristjan Asllani., das für viele Experten, unabhängige Beobachter und ehemalige Schiedsrichter einheitlich deutlich härter war und nicht mit Rot bestraft wurde.
Nach Ansicht des Ausbilders befand sich diese Szene genau im Grenzbereich zwischen Gelb und Rot. „Das ist eine Position an der Grenze. Die Entscheidung des Schiedsrichters, Gelb zu zeigen, ist in diesem Fall korrekt. Es gibt in Europa viele ähnliche Situationen. Auch die UEFA bewertet solche Szenen oft als Grenzfall“, erklärte Capela. Diese Aussage zog in den sozialen Netzwerken großen Unmut und Kritik nach sich.
Diskussion um Osimhens Verhalten nach dem Pfiff
Auch eine Szene mit Victor Osimhen aus dem Derby wurde thematisiert. Capela erläuterte, dass solche Situationen häufig aus Missverständnissen entstehen können.
„Manchmal hört ein Spieler den Pfiff des Schiedsrichters wegen der Lautstärke im Stadion nicht sofort. Das kommt bei beiden Mannschaften vor. Der Schiedsrichter unterbricht das Spiel, aber nicht jeder Spieler registriert das im gleichen Moment“, erklärte der Ausbilder.
In der konkreten Szene sei jedoch klar gewesen, dass Osimhen den Pfiff wahrgenommen habe. „Nachdem der Schiedsrichter gepfiffen hatte, schaute der Spieler in seine Richtung und spielte den Ball dennoch weiter. Dieses Verhalten gilt als unsportliche Handlung. In solchen Fällen ist eine Gelbe Karte korrekt.“
Kritik an VAR-Entscheidung im Spiel Antalyaspor gegen Fenerbahce
Neben dem Derby analysierte Capela auch eine Szene aus dem Spiel zwischen Hesap.com Antalyaspor und Fenerbahce. Dabei ging es um eine Situation mit Mert Müldür, die seiner Meinung nach anders bewertet werden hätte müssen.
„Es gibt in dieser Szene zwei Kontakte. Der erste Kontakt passiert vorher, danach folgt ein weiterer zufälliger Kontakt. Entscheidend ist jedoch, dass der erste Kontakt den Spieler daran hindert, den Ball weiter zu spielen“, erklärte Capela.
Seine Schlussfolgerung fiel deutlich aus: „Wenn ein Spieler nach einem Kontakt weiterhin problemlos spielen kann, entsteht kein Problem. Wenn der Kontakt jedoch die Möglichkeit nimmt, den Ball zu spielen, ist das entscheidend. In dieser Situation hätte ein Strafstoß gegeben werden müssen.“
Besonders kritisch bewertete er die Rolle des Video-Assistenten. „Hier hat sich der VAR nicht eingeschaltet. Das ist eine Fehlinterpretation der Situation und eine verpasste Intervention.“
TFF äußert sich zur Forderung nach ausländischen VAR-Schiedsrichtern
Neben einzelnen Spielszenen sorgt derzeit auch eine strukturelle Frage für Diskussionen: Mehrere Vereine der Trendyol Süper Lig fordern den Einsatz ausländischer VAR-Schiedsrichter.
Nach Angaben von HT Spor steht eine solche Maßnahme beim türkischen Fußballverband derzeit jedoch nicht auf der Agenda. Demnach gibt es keine konkrete Planung, für den restlichen Saisonverlauf ausländische Video-Assistenten einzusetzen.
Klubs äußern unterschiedliche Positionen zur VAR-Frage
Die Debatte wird vor allem von Vereinsvertretern vorangetrieben. Besiktas-Präsident Serdal Adali wiederholte zuletzt seine Forderung nach ausländischen VAR-Schiedsrichtern.
„Auch Galatasaray hat eine solche Anfrage gestellt. Hätten wir diese Unterstützung früher erhalten, müssten wir heute nicht darüber sprechen“, erklärte Adali (mehr dazu). Gleichzeitig kritisierte er den Zeitpunkt der Diskussion: „Viele Vereine bringen solche Themen erst auf den Tisch, wenn sie sich selbst benachteiligt fühlen.“
Auch von Seiten Galatasaray wurde die Diskussion aufgegriffen. Der Vizepräsident des Sportbereichs, Abdullah Kavukcu, betonte jedoch, dass die Qualität der Schiedsrichter entscheidend sei (GazeteFutbol berichtete).
„Wir unterscheiden nicht zwischen inländischen und ausländischen Schiedsrichtern. Wir unterscheiden zwischen guten und schlechten Schiedsrichtern“, sagte Kavukcu. „Wenn Schiedsrichter aus den fünf großen europäischen Ligen kommen, kann ein ausländischer VAR eine sinnvolle Lösung sein. Gleichzeitig vertrauen wir auch vielen türkischen Schiedsrichtern.“
Auch aus dem Lager von Fenerbahce kamen ähnliche Stimmen. Vorstandsmitglied Ertan Torunogullari erklärte nach der Auslosung des türkische Pokals: „Der Titelkampf und der Abstiegskampf werden immer intensiver. In dieser Phase könnte ein ausländischer VAR zusätzliche Transparenz schaffen. (zum Nachlesen).“
Die Diskussion zeigt, wie sensibel das Thema Schiedsrichterentscheidungen in der entscheidenden Phase der Saison geworden ist. Während der Verband derzeit keinen strukturellen Wechsel plant, dürfte die Debatte über VAR und Schiedsrichter weiterhin eine zentrale Rolle im türkischen Fußball spielen.


