Vor dem Richtungsweisenden Auswärtsspiel am dritten Spieltag der UEFA Champions League beim französischen Vertreter OSC Lille hat Galatasaray-Cheftrainer Okan Buruk die enorme Bedeutung der anstehenden Wochen hervorgehoben. Nach den bitteren Auftaktniederlagen gegen Sporting Lissabon und den FC Barcelona steht der türkische Meister enorm unter Zugzwang. Auf der offiziellen Pressekonferenz räumte der Coach den schwachen Start offen ein, richtete den Fokus aber entschlossen nach vorne, um die Chance auf den Einzug in die nächste Runde zu wahren.
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Mangelnde Konstanz über 90 Minuten und Blick auf den veränderten Gegner Lille
Der Übungsleiter analizierte die bisherigen Auftritte in der Königsklasse gewohnt selbstkritisch: „Vor jedem Champions-League-Spiel ist die Vorfreude bei uns sehr groß. Wir sind nicht gut gestartet, das ist uns bewusst. Hatten wir die Möglichkeit, besser zu starten? Ja, die hatten wir. Das Spiel in Lissabon war für uns eine Gelegenheit, einen guten Auftakt hinzulegen. Diese Chance haben wir allerdings nicht genutzt. Die Begegnung gegen Barcelona war dagegen ein schwieriges Spiel. Wir haben gegen eine Mannschaft gespielt, die sich momentan in sehr guter Form befindet. In beiden Begegnungen gab es erste Halbzeiten, die uns Hoffnung gemacht haben. Vielleicht haben wir sogar in beiden Spielen die ersten Halbzeiten besser gespielt. Allerdings konnten wir diese Leistungen in den zweiten Halbzeiten nicht wiederholen. Deshalb wird es morgen wichtig sein, unsere Leistung über die gesamten 90 Minuten auf den Platz zu bringen.“

Zugleich warnte Buruk vor den Stärken des Gegners, der aktuell den zweiten Tabellenplatz in der französischen Liga belegt: „Wir werden gegen eine gute Mannschaft spielen. Unser Gegner steht derzeit in seiner Liga weit oben, auf dem zweiten Tabellenplatz. Lille hat in dieser Saison erstmals einen Trainerwechsel vorgenommen. Wenn wir uns die Leistungen des neuen Trainers ansehen, erkennen wir, dass er einen guten Saisonstart hingelegt hat. In der Champions League wissen wir allerdings, dass Lille genau wie wir in den ersten beiden Begegnungen keinen Sieg feiern konnte. Sie werden versuchen, die große Chance vor heimischem Publikum zu nutzen. Gemeinsam mit ihren Fans werden sie alles daransetzen, ihre bestmögliche Leistung zu zeigen.“

Fünf Schlüsselspiele für die K.-o.-Phase: „Müssen sehr wichtige Punkte sammeln“
Im Hinblick auf das Erreichen des Achtelfinals unterstrich der Coach die Dringlichkeit von Punktgewinnen in der verbleibenden Gruppenphase. „Wenn man sich den Spielplan realistisch ansieht, erwartet man von jeder Begegnung Punkte und Siege. Aber insbesondere die nächsten fünf Spiele sind für uns äußerst entscheidend. Das erste dieser fünf Spiele findet morgen statt. Um die nächste Runde zu erreichen, müssen wir in diesen Begegnungen sehr wichtige Punkte sammeln. Das morgige Spiel ist eines davon. Die Punkte, die wir hier holen können, sind sehr wichtig und wertvoll. Sie werden dafür sorgen, dass wir uns in der Tabelle weiter oben halten können. Dasselbe gilt auch für unseren Gegner“, betonte Okan Buruk energisch.
Personell reist der türkische Traditionsklub keineswegs sorgenfrei nach Frankreich, da Starstürmer Rafael Leao verletzungsbedingt passen muss. Allerdings steht Wilfried Singo nach auskurierter Verletzung wieder zur Verfügung und absolvierte das gesamte Abschlusstraining: „Singo gehört zu den Spielern, die wir morgen abhängig vom Spielverlauf einsetzen können.“ Beim Gegner beobachtet Buruk ebenfalls Personalnot in der Defensive (Fehlen von Santos) und der Offensive, erwartet aber dennoch einen stürmischen Gastgeber.

Mentale Einbrüche stoppen und defensive Einheit bilden
Einen konditionellen Rückstand schloss der Meistertrainer für die Formkrise in den zweiten Halbzeiten ausdrücklich aus und machte vielmehr mentale Faktoren aus. „Ich kann diese Situation nicht mit körperlichen Defiziten erklären. Ganz im Gegenteil: In der Liga haben wir eine Galatasaray-Mannschaft, die ihre Spiele bis in die letzten Minuten hinein offenhält und in drei von vier Begegnungen noch in der 90. Minute den Siegtreffer erzielt hat. Ich denke, dass es weniger ein körperliches Problem ist, sondern vielmehr mit den Einbrüchen zusammenhängt, die wir insbesondere nach Gegentoren erleben. Das ist einer der Punkte, die wir korrigieren müssen“, stellte er klar. In der Liga habe man bereits bewiesen, dass man Spiele bis zur letzten Minute offenhalten könne.

In Bezug auf die Neuzugänge und Rekonvaleszenten wie Victor Osimhen, Mario Lemina und Wilfried Singo forderte Okan Buruk Geduld und Kontinuität. „Für unser Spiel ist es sehr wichtig, dass sich die Fußballspieler untereinander gut kennen. Die neuen Spieler müssen sich an ihre Mannschaftskollegen gewöhnen. Ich denke, dass wir in der kommenden Zeit mit einem vollständigen Kader, einer besseren Form und Spielern, die häufiger zusammengespielt haben und sich gegenseitig besser kennen, ein deutlich höheres Leistungsniveau erreichen werden“, zeigte er sich optimistisch. Mit Blick auf das geforderte Pressing verdeutlichte der Coach schließlich, dass das Kollektiv gefordert sei: „Wir sind nicht die einzige Mannschaft auf der Welt, die Pressing spielt. Aber im Fußball dreht sich nicht alles nur um Pressing. Es ist ebenso wichtig, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort richtig zu verteidigen. Ich denke, dass wir morgen als Mannschaft sehr gut verteidigen müssen.“



