Cengiz Ünder beschreibt sich im Trainingslager in Belek als körperlich bereit, lobt die Arbeit von Sergen Yalcin – und will auch in der kommenden Saison für Besiktas spielen.
Besiktas nutzt das Camp in Belek als Neustart für die zweite Saisonhälfte. Cengiz Ünder spricht mit der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi dabei nicht nur über die Atmosphäre innerhalb der Gruppe, sondern auch über die Gründe, warum die Hinrunde trotz guter Spielphasen nicht die Erträge brachte, die sich die Mannschaft vorgenommen hatte. Seine Aussagen verbinden zwei Ebenen: den sportlichen Anspruch im Klub – und den persönlichen Fokus auf Fitness, Vertrauen und Nationalmannschaft.
„Im Moment ist alles gut“: Positives Umfeld trotz harter Einheiten
Ünder schildert die Tage im Camp als intensiv, aber stimmig. „Wir haben ein sehr positives Umfeld. Camps sind meist anstrengend. Auch unser Training ist ebenso fordernd“, sagt er. Trotzdem beschreibt er den Alltag als geschlossen und betont den Wunsch, Einheit und Solidarität zu bewahren: „Wir verbringen Zeit miteinander. Im Moment ist alles gut.“
Comeback nach Verletzung: „Ich fühle mich jetzt körperlich gut“
Ein zentraler Punkt ist seine Rückkehr in den Rhythmus. Ünder war aufgrund einer Verletzung längere Zeit raus und spricht nun deutlich über seinen Zustand: „Ich fühle mich jetzt körperlich gut. Ich werde anfangen, mit dem Team zusammenzuarbeiten.“ Er betont die tägliche Verbesserung und formuliert ein klares Ziel: „Ich möchte sofort mit meinen Teamkollegen am Feldtraining teilnehmen.“
Hinrunde mit bitteren Mustern: Führung, Platzverweise, Punktverluste
Ünder sieht die Mannschaft nicht als chancenloses Team, sondern als Gruppe, die sich zu oft selbst stoppte. „Als Team gab es einige Unglücke“, sagt er und verweist auf eine wiederkehrende Dynamik: „Denn nachdem wir in jedem Spiel in Führung gegangen waren, hatten wir einige Punktverluste.“ Besonders die Roten Karten hebt er als Einschnitt hervor: „Oft brachte uns die Situation, mit zehn Personen zu spielen, wegen der Platzverweise, als wir vorne waren, in eine sehr schlechte Situation.“
Für ihn ist das nicht nur ein taktisches Problem, sondern ein emotionales. Ein Rückfall treffe die Moral, und danach könne es passieren, dass aus einer kontrollierten Partie plötzlich Niederlage oder Unruhe werde. Gleichzeitig betont er, dass Besiktas in vielen Spielen vorne lag und in viele Positionen kam – am Ende fehlte die saubere Absicherung, um Führungen ins Ziel zu bringen.
Lob für Sergen Yalcin: „Ich liebe es, mit ihm zusammenzuarbeiten“
Ünder macht keinen Hehl daraus, wie sehr ihn die Arbeit unter dem Trainer reizt. Er beschreibt, dass er schon vor dem Wechsel mit Sergen Yalcin sprach und danach erneut ein enges Verhältnis aufbaute. Seine Botschaft ist klar: „Ich liebe es, mit unserem Trainer Sergen Yacin zusammenzuarbeiten.“ Er charakterisiert die Einheiten als „wirklich intensiv“ und zieht einen Vergleich zu Europa: „Es ist fast die gleiche Ausbildung, die ich in Europa gemacht habe. Es ist sehr intensiv.“
Besonders wichtig ist für ihn die Freiheit im letzten Drittel. Ünder beschreibt eine klare Ansage des Trainers an die Offensivspieler: „Denk nicht zu viel nach, wenn Du in der dritten Zone bist.“ Genau das gebe ihm Selbstvertrauen als Flügelspieler – und passt zu seinem Wunsch, wieder mit Mut und Tempo aufzutreten.
Klare Ansage zur Zukunft: Ünder will bei Besiktas bleiben
Ünder fühlt sich unter dem schwarz-weißen Trikot glücklich und drückt den Wunsch aus, dass die Option genutzt wird: „Ich bin wirklich glücklich hier. Ich möchte es nur tragen, und das ist das Wichtigste.“
Er beschreibt den Wechsel innerhalb Istanbuls als seltene Konstellation und sagt offen, dass er den Fokus nicht auf Spekulationen legt. Stattdessen richtet er seinen Blick auf das nächste Ligaspiel. Genau dieser kurze Zeithorizont ist Teil seiner Haltung: weniger Grübeln, mehr Leistung – und die Chance, im Saisonendspurt den eigenen Stempel aufzudrücken.
„Wir sollten uns auf unser eigene Angelegenheiten konzentrieren“
Auf Fragen zu kurzfristigen Entscheidungen im Klub reagiert Ünder pragmatisch. „Das sind die Dinge, die in jedem Klub der Welt passieren“, sagt er und betont den professionellen Umgang damit. Entscheidend sei, bei sich zu bleiben: „Wir müssen uns auf unsere eigenen Angelegenheiten konzentrieren.“
Formkurve und Selbstbild: „Wir laufen gut“
Ünder spricht zudem von einem Trendwechsel zum Ende der Hinrunde. „Es läuft besser. Wir haben in den letzten Spielen sehr gut gespielt“, sagt er und ergänzt, dass die Mannschaft auch körperlich gut beisammen sei. Daraus leitet er Zuversicht ab: „Ich denke, wir werden es sehr gut machen.“
„Ein Fußballer sollte Messi nicht als Beispiel nehmen“: Respekt aus direkter Erfahrung
Eine seiner eindrücklichsten Passagen dreht sich um Lionel Messi. Ünder beschreibt Messi als Ausnahmefigur und erklärt, warum er ihn zwar bewundert, aber nicht als Maßstab für die eigene Laufbahn sieht: „Ich denke, ein Fußballer sollte kein Beispiel nehmen. Weil es sich in einer ganz anderen Position befindet.“ Er erinnert sich an gemeinsame Stationen und Duelle, spricht von Messis Unberechenbarkeit am Ball und formuliert fast staunend: „Wenn du ihm den Ball vom Fuß nehmen willst, kannst du das nicht.“
Nationalmannschaft und WM 2026: „Mein größter Traum“
Ünder verknüpft den Kluballtag klar mit dem nächsten großen Ziel. „Mein größter Traum ist es, an der Weltmeisterschaft teilzunehmen“, sagt er und betont, dass jeder Spieler davon träume. Er beschreibt, dass er seit 1,5 bis zwei Jahren nicht im Nationalteam war, aber die Entwicklung der jungen Spieler aufmerksam verfolgt und stolz auf sie ist. Seine Priorität formuliert er jedoch eindeutig: erst Besiktas, dann der Weg zurück in die Auswahl.
Er spricht außerdem über seine Zeit in den USA und seine Eindrücke aus Los Angeles, die bei Blick auf das WM-Turnier 2026 in den USA, Mexiko und Kanada einen besonderen Klang bekommen. Die Bedingungen hätten ihn beeindruckt, und er hält fest: „Ich hoffe, wir können an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Das ist unser größtes Ziel.“ Den Austausch mit Nationaltrainer Vincenzo Montella erwähnt er im Kontext von Besuchen und Gesprächen.
Schmerz über die EM 2024 – und der Antrieb, zurückzukommen
Besonders emotional wird Ünder beim Thema Europameisterschaft. „Es war emotional sehr schwierig für mich, nicht zur Europameisterschaft zu fahren“, sagt er. Gleichzeitig betont er, dass er niemandem grollt, die Mannschaft im Fernsehen unterstützte und sich über die Erfolge seiner Kollegen freute. Seine Schlussfolgerung bleibt sportlich: mehr arbeiten, wieder reinkommen, den eigenen Platz zurückerobern.
Karriere, Familie, Fans: „arum Ünder den Weg nicht bereut
Ünder weist Kritik an seinen Karriereschritten zurück und beschreibt seinen Weg als logisch: Große Vereine, unterschiedliche Ligen, unterschiedliche Rollen. Den Schritt zurück in die Türkei erklärt er vor allem mit Familie. Er wollte näher bei seinen Eltern sein und beschreibt diese Entscheidung als Reifeprozess. „Ich bereue es nie“, sagt er.
Zum Schluss richtet er den Blick auf die Fans von Besiktas. Er beschreibt, wie sehr ihn das Spielen vor den schwarz-weißen Tribünen bewegt, und knüpft daran einen Anspruch: „Wir wollen ihnen unseren besten Fußball zeigen, schönen Fußball, indem wir kämpfen.“ Für Ünder ist das der Rahmen für die Rückrunde: gesund werden, Verantwortung übernehmen, liefern – und das Trikot auch in der nächsten Saison tragen.


