Trabzonspor hat zum Start der Rückrunde der Trendyol Süper Lig auswärts bei Kocaelispor einen wichtigen 2:1-Sieg geholt. Nach der Partie ordnete Trainer Fatih Tekke den Spielverlauf ein, sprach offen über Defizite im eigenen Spiel und gab Einblicke in die Transferrealität des Klubs. Gleichzeitig stellte er klar, wie wertvoll dieser Auftakterfolg für die nächsten Wochen ist.
Tekke nach Abpfiff: Kritik an Ballverlusten und ein Blick nach vorn
Unmittelbar nach dem Spiel betonte Fatih Tekke, dass der Erfolg nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, woran gearbeitet werden muss. Er sagte über Ernest Muci: „Ernest Mucis Ehrgeiz und sein Wille sind sehr gut, aber sie entsprechen nicht dem von uns gewünschten Niveau; das habe ich ihm auch gesagt.“ Gleichzeitig unterstrich Tekke die Bedeutung stabiler Arbeit gegen den Ball: „Wir müssen in der Verteidigung gute Arbeit leisten.“
Tekke machte deutlich, wie schmal der Grat bei solchen Auswärtsspielen ist: „Gott sei Dank haben wir drei Punkte geholt, sonst würde man über andere Dinge sprechen. Sie kennen unsere Vereinsgemeinde.“ Der 48-Jährige richtete den Fokus bereits auf das nächste Duell: „Am Freitag haben wir wieder ein schweres Spiel vor uns.“
„Einer der schwierigsten Auswärtsorte“ – und dann die Entscheidung
Auf der Pressekonferenz widmete Fatih Tekke den Sieg den Fans, die trotz der Kälte ins Stadion gekommen waren. Er erklärte, dass die erste Halbzeit mehr positive Aspekte gehabt habe, während der zweite Durchgang stark von Zweikämpfen geprägt gewesen sei. Zudem beschrieb er die Kulisse und die Herausforderung in Kocaeli als außergewöhnlich anspruchsvoll.
Tekke ordnete die späte Entscheidung ein und wählte dabei klare Worte: „Kocaeli ist einer der schwierigsten Auswärtsorte in der Türkei.“ Dann folgte sein Schlüsselsatz zum Spiel: „In einem Moment, in dem wir es überhaupt nicht erwartet hatten, haben wir dank eines Schusses von Muci, der ein Geschenk Gottes war, mit 2:1 gewonnen.“ Er räumte ein, dass die Partie über weite Strecken eher nach einem Unentschieden roch – und in einzelnen Phasen sogar nach einem Heimsieg: „Das hätte auch passieren können.“
„Weit unter dem Niveau“ – Tekke bleibt trotz Sieg selbstkritisch
Auf die Frage nach Defiziten und möglichen Kaderentscheidungen betonte Tekke, dass sie auch mit einer für den Gegner überraschenden Aufstellung begonnen hätten. Gleichzeitig erklärte er, dass die Spieler die gewünschte Spielweise verinnerlicht hätten, aber jeder einzelne weiterhin Übung brauche, um diese Idee konstant auf den Platz zu bringen.
Der Trainer lobte den Einsatz seiner Mannschaft, blieb aber streng in der Bewertung: „Ich gratuliere meinen Spielern, aber wir sind weit unter dem Niveau, das ich mir für das Spiel erhofft hatte. Das muss ich sagen.“ Besonders ein Punkt sei für Teams ihrer Qualität entscheidend: „Bei Teams unserer Qualität dürfen einfache Ballverluste nicht vorkommen. Sie können vorkommen, aber nicht so oft.“ Tekke ergänzte, dass intern klar sei, wo die Probleme liegen.
Transfers und Realitäten: „Das ist nicht einfach“
Beim Thema Transfers gab Fatih Tekke einen Einblick in den Prozess und die Parameter, die gerade im Winter eine Rolle spielen. Er erklärte, dass Präsident, Vorstand, Scouting-Team, Scouts, Assistenten und Trainerstab seit zehn oder elf Monaten Spieler beobachten und Optionen prüfen, die zu Trabzonspor, zur Struktur und zur finanziellen Situation passen.
Tekke sprach auch über den Wunsch nach einem „punktgenauen Transfer“ – also einem Profi, der sofort hilft – und warum das oft scheitert: Spieler entscheiden sich gegen den Wechsel, es gebe viele Faktoren. Und er machte deutlich, wie schwierig Gehaltsforderungen die Umsetzung machen: „Wir sprechen jeden Tag mit unserem Präsidenten. Der Präsident sagt: „Das ist sehr gut.“ ‚Ja, das ist sehr gut, Herr Präsident.‘ Der Präsident fragt: ‚Wie viel?‘ ‚Er will fünf Millionen Euro pro Jahr.‘ Ich spreche nicht von seiner Ablösesumme. Er verlangt vier Millionen Euro pro Jahr. Von seiner Ablösesumme spreche ich gar nicht. Das ist nicht einfach.“
Gleichzeitig verwies Tekke auf die Entwicklung der jungen Spieler und deren Wert: Angesichts der Risiken, die der Klub seit Amtsantritt eingegangen sei, habe die Zahl der jungen Spieler und ihr Marktwert „vielleicht 100 Millionen überschritten“. Seine sportliche Zielmarke formulierte er ebenfalls: „Wenn wir uns in der Liga zwischen Platz eins und vier positionieren, ist das für uns mit diesen jungen Spielern völlig in Ordnung.“
Folcarelli nach dem 2:1: „Drei Punkte waren sehr wichtig“
Auch Tim Jabol-Folcarelli bewertete das Spiel nach dem 2:1-Sieg und hob die Bedeutung des Ergebnisses hervor. Er sagte, dass sie sich der besonderen Atmosphäre bewusst gewesen seien und dass es in einem solchen Auswärtsspiel entscheidend sei, die Punkte mitzunehmen: „Die Punkte, die wir geholt haben, waren für uns sehr wertvoll. Die drei Punkte, die wir gewonnen haben, waren sehr wichtig.“
Folcarelli betonte zudem, dass es ein Spiel mit viel Körperkontakt gewesen sei und dass es immer Möglichkeiten gebe, sich zu verbessern. Gleichzeitig verwies er auf die Anpassung an die Erwartungen des Trainers: Er habe versucht, die Wünsche von Fatih Tekke umzusetzen.
Muçi als Unterschiedsspieler und ein Team mit klarem Fokus
Über den späten Siegtorschützen Ernest Muci sagte Folcarelli: „Er geht mit großem Selbstvertrauen voran. Es läuft sehr gut für ihn. Wir sind sehr glücklich, ihn zu haben.“ Er betonte, dass Muci dem Team mit seinem Treffer drei wichtige Punkte beschert habe – auch getragen vom Kampfgeist der gesamten Mannschaft.
Zum Abschluss unterstrich Folcarelli den Anspruch des Klubs und die gemeinsame Ausrichtung: Trabzonspor müsse immer an der Spitze stehen. „Alle Spieler konzentrieren sich auf Trabzonspor. Ihr einziger Gedanke ist der Erfolg von Trabzonspor„, sagte er – und wertete den Last-Minute-Sieg als Zeichen dafür, dass das ganze Team dasselbe wolle.


