Auszeichnung in Riva: Türkmen spricht über Stolz und Verantwortung
Mehmet Türkmen hat sich Monate nach dem viel beachteten Lob von Jose Mourinho öffentlich zu den Worten des portugiesischen Trainers geäußert. Der FIFA-Schiedsrichter sprach am Rande einer Zeremonie in den TFF-Anlagen in Riva (Hasan Dogan Nationalteam-Ausbildungs- und Trainingseinrichtungen) mit einem Korrespondenten der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi (AA) über Anerkennung im Fußball, die tägliche Arbeit der Unparteiischen und die Ziele, die ihn antreiben.
Bei der Veranstaltung bedankte sich Türkmen bei den Verantwortlichen, die diese Momente möglich machten, und sagte: „Wir möchten unserem Präsidenten und unseren Vorstandsmitgliedern danken, die es uns ermöglicht haben, diese Gefühle heute zu erleben.“ Sein Blick ging dabei auch auf den türkischen Fußball insgesamt: „Ich hoffe, dass wir den türkischen Fußball zu erfolgreicheren Tagen führen werden.“
„Wenn man die Flagge trägt“: Der besondere Moment auf internationaler Bühne
Für Mehmet Türkmen ist das Vertreten der Türkei auf internationalem Niveau mehr als eine berufliche Station. Er beschrieb den Stolz, als Schiedsrichter die Türkei im Ausland zu repräsentieren, als schwer in Worte zu fassen und machte deutlich, wie sehr ihn das antreibt. Er verwies darauf, dass das Gefühl vergleichbar sei mit einem Athleten, der in einer anderen Branche das Nationaltrikot trägt und international auftritt.
In diesem Zusammenhang nannte Türkmen auch Halil Umut Meler als Beispiel für Schiedsrichter, die auf sehr hohem Niveau arbeiten, und betonte, dass die dort erlebten Emotionen eine besondere Dimension hätten. „Selbst wenn ich träume, ist mein Herz von Begeisterung erfüllt“, sagte er, verbunden mit der Hoffnung, die Flagge weiterhin in den größten Arenen tragen zu können.
Mourinhos Satz nach dem Alanyaspor-Spiel – und Türkmens Antwort darauf
Der Anlass für die erneute Aufmerksamkeit: Jose Mourinho hatte Mehmet Türkmen nach dem Alanyaspor-Spiel der vergangenen Saison öffentlich gelobt und gesagt: „Der Schiedsrichter ist sehr gut. Ich gratuliere ihm wirklich.“ Türkmen erklärte nun, warum solche Aussagen im Fußball oft länger nachhallen als der Alltag.
Er wies darauf hin, dass sich Menschen im Fußball besonders zu negativen Kommentaren hingezogen fühlten – das gelte für viele Beteiligte, vor allem aber für Schiedsrichter. Umso wichtiger sei es, positive Dinge nicht zu verschweigen: „Es ist sehr schön, in einem solchen Umfeld schöne Dinge zu sagen und die Gefühle auf aufrichtige Weise zu teilen.“ Und er ergänzte einen Satz, der seine Haltung zusammenfasst: „Wir müssen die positiven Dinge, die wir sehen, auch aussprechen.“
VAR und Fehlerquote: „Manchmal ist es richtig, manchmal ist es falsch“
Im Kern blieb Türkmen realistisch: Eine Fehlerquote gebe es im Schiedsrichterwesen immer – sowohl auf dem Feld als auch im VAR-Raum. Entscheidend sei für ihn, „unvoreingenommen“ an die Bilder zu gehen, sich auf das zu konzentrieren, was man sieht, und innerhalb der Regeln zu entscheiden, die man kennt. „Manchmal ist es richtig, manchmal ist es falsch“, sagte er, betonte aber zugleich, dass es vor allem darum gehe, das Gelernte konsequent anzuwenden.
Sein Ziel formulierte er als Entwicklungsauftrag: Man wolle Fußballschiedsrichter „nach europäischen Standards“ formen. Dabei geht es aus seiner Sicht nicht um Perfektion in jedem Moment, sondern um klare Prozesse, saubere Entscheidungen und das richtige Mindset im Umgang mit Druck und Bewertung.
Der größte Traum: WM-Finale als Nummer eins
Auf die Frage nach seinen Zielen blieb Mehmet Türkmen bei der Grundlinie vieler Schiedsrichter-Karrieren: große Turniere. „Es ist mein Traum, wie wir alle, diese große Spannung in der Champions League, bei der Weltmeisterschaft und bei den Europameisterschaften zu erleben“, sagte er.
Als größtes Spiel im Fußball nannte er klar das WM-Finale: „Ich glaube, das WM-Finale ist die Nummer eins.“ Direkt dahinter ordnete er das Champions-League-Finale auf Vereinsebene ein, das er als „eine weitere Dimension“ beschrieb. Seine Hoffnung: Dass nicht nur Schiedsrichter, sondern auch türkische Fußballer künftig regelmäßig in den größten Organisationen der Welt auftreten – und dass man diese Momente gemeinsam erleben kann.


