Vor dem Playoff in Istanbul: Terim erwartet „das beste Spiel der Runde“
Fatih Terim hat das UEFA-Champions-League-Duell Galatasaray gegen Juventus Turin vor der italienischen Presse analysiert und dabei sowohl Stärken als auch Risiken offen benannt. Im Interview mit Tuttosport setzte der 72-Jährige den Ton schon mit seiner Erwartungshaltung: „Es ist sehr aufregend, ein mit Spannung erwartetes und fesselndes Duell. Wenn ich aus neutraler Sicht zuschauen würde, würde ich mir auf jeden Fall das Spiel in Istanbul ansehen, nicht die anderen.“ Terim verknüpfte die Vorschau auch mit der Historie, weil Begegnungen zwischen beiden Klubs für ihn „eine einzigartige Geschichte“ tragen.
Terims Juventus-Bindung: „Einer der wichtigsten Konkurrenten meiner Karriere“
Terim erinnerte an frühere Duelle und ordnete Juventus als einen prägenden Gegner ein: „Jedes Galatasaray-Juventus-Spiel hat seine eigene einzigartige Geschichte, einschließlich der Spiele, die ich 1998 und 2003 gespielt habe. Juventus war einer der wichtigsten Konkurrenten meiner Karriere.“ Er verwies zudem auf weitere prägende Europacup-Momente aus dieser Zeit und machte damit deutlich, wie sehr ihn diese Paarung bis heute begleitet.
Schlüsselwort „Intensität“: Terim erwartet einen harten Kampf um jeden Meter
Für Terim entscheidet im Hinspiel vor allem die physische und mentale Schärfe. „Ich denke, das Schlüsselwort für dieses Spiel wird Intensität sein“, sagte er. Aus seiner Sicht möchte Galatasaray als schnelle Mannschaft auftreten, „die mit Victor Osimhen im Sturm beginnt und mit der Unterstützung des Mittelfelds weitermacht“, gerade in Champions-League-Spielen. Mit Blick auf den „neuesten Spielstil“ von Juventus erwartet Terim „einen sehr harten Kampf auf dem Spielfeld“ – und betonte seine emotionale Bindung: „Galatasaray ist mein Leben. Ich werde Cimbom unterstützen.“
Voller RAMS Park als Faktor: „Mehr als 50.000 Fans“ als Vorteil im Hinspiel
Auf die Heimkulisse legte Terim besonderen Wert. „Die Unterstützung unserer leidenschaftlichen Fans im ersten Spiel zu haben, wird für Galatasaray definitiv ein großer Vorteil sein“, sagte er und ergänzte: „Ich bin sicher, dass mehr als 50.000 Fans ihr Bestes geben werden. Ich hoffe, wir werden einen der unvergesslichen Abende der Galatasaray-Geschichte erleben.“ Die Botschaft: Atmosphäre kann Spiele nicht allein gewinnen, aber sie kann Intensität und Mut über lange Phasen stabilisieren.
Juventus’ größtes Plus: „Taktische Flexibilität“ unter Luciano Spalletti
Terim benannte den zentralen Vorteil der Italiener sehr konkret. Für ihn liegt Juves größter Trumpf in der Variabilität: „Einer der größten Vorteile von Juve ist seine taktische Flexibilität.“ Seit Luciano Spalletti Ende Oktober übernommen habe, sei Juventus „energiegeladener, intensiver und schneller“ geworden. Als Beispiel führte Terim Weston McKennie an, der für ihn „äußerst wertvoll“ sei, weil er „als Rechtsverteidiger, im mittleren Mittelfeld oder sogar als zweiter Stürmer“ agieren könne. Er hob zudem Andrea Cambiaso, Khephren Thuram, Manuel Locatelli und Francisco Conceicao hervor und fasste Juventus als „ernsthaften Konkurrenten“ zusammen, „der immer respektiert werden muss“.
Galatasarays Star-Paket und die Sekunden-These: „Champions ändern alles“
Im Kader von Galatasaray sieht Terim die Fähigkeit, ein Spiel in einem Moment zu drehen. „Man kann nichts anderes tun, als große Namen wie Osimhen, Mauro Icardi und Lucas Torreira, der eine Champion-Mentalität hat, zu respektieren“, sagte er und nannte zudem Ilkay Gündogan, Leroy Sane und Noa Lang als Weltklassespieler. Terim formulierte dabei eine zentrale Spiel-Logik: „Manchmal dauert es nur eine Sekunde, bis diese besonderen Spieler und Champions das gesamte Szenario ändern.“ Gleichzeitig betonte er die Bedeutung des einheimischen Kerns mit Yunus Akgün, Baris Alper Yilmaz und Abdülkerim Bardakci als „Herz“ der Mannschaft.
Terims klarer Nachteil: „Das Fehlen von Lemina ist ein Handicap“
Der markanteste Punkt in Terims Analyse betrifft jedoch die Personalie Mario Lemina. Terim stellte klar, dass Lemina wegen einer Strafe nicht zur Verfügung steht – und ordnete es als echten Nachteil ein: „Das Fehlen von Mario Lemina ist ein Nachteil für Galatasaray.“ Für Terim fehlt damit „ein Anführer mit Kapitänscharakter“ auf dem Platz, was in einem Duell auf höchstem Intensitätsniveau Gewicht hat. Gleichzeitig verwies er auf Optionen, die dennoch wichtig werden können: Roland Sallai als laufstarker Überraschungsfaktor und Gabriel Sara als „Schlüsselwaffe“ – besonders bei Standards.
Kenan Yildiz als mögliches Juventus-Idol: Terim zieht den Del-Piero-Rahmen auf
Auch zu Kenan Yildiz fand Terim deutliche Worte. „Ein echter Star, wie sein Nachname schon andeutet“, sagte er und ergänzte: „Er ist einer der besten Spieler nicht nur bei Juventus, sondern auch in Europa.“ Terim sieht in Yildiz das Potenzial, nach Alessandro Del Piero eine neue Identifikationsfigur zu werden: „Wenn er so weitermacht, könnte seine Karriere bei Juventus das Niveau von Del Piero erreichen.“ In diesem Zusammenhang nannte er die Messlatte mit Legenden wie Platini, Zidane, Buffon und Nedved und erinnerte an eine persönliche Begegnung: Yildiz habe ihn besucht und „mein Trainer“ genannt, was Terim als Zeichen von Respekt und Charakter wertete.
Spalletti und Terim: Respekt, Nähe und „lange Gespräche über Fußball“
Zum Abschluss betonte Terim die besondere Beziehung zu Luciano Spalletti. „Manchmal ist ein aufrichtiger Händedruck oder eine feste Umarmung wirksamer als tausend Worte“ sagte er und beschrieb die Verbindung als freundschaftlich. Terim erinnerte daran, dass man sich „Anfang der 2000er Jahre“ in Florenz kennengelernt habe und „lange Gespräche über Fußball“ führte. Zudem würdigte er Spallettis Stationen und Erfolge: „Er führte Neapel 33 Jahre später zur Meisterschaft und mit seiner Ankunft wurde Juventus viel gefährlicher.“


