1:4 im Supercup-Halbfinale: Tekke nennt die Schlüsselmomente
Trabzonspor verlor im Halbfinale des Turkcell Supercup im Gaziantep Sehir-Stadion mit 1:4 gegen Galatasaray. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel sprach Trabzon-Trainer Fatih Tekke offen über den Verlauf, die entscheidenden Szenen und die strukturellen Probleme seines Teams. Seine zentrale Aussage fasste er in einem Satz zusammen: „Wir waren spielerisch nicht schlechter oder unterlegen geblieben, aber wir wurden bezwungen.“
„Der Start war gut“ – dann kippt das Spiel nach dem ersten Gegentor
Tekke beschrieb einen Auftakt, der aus seiner Sicht Mut machte. „Der Beginn des Spiels war gut, wir hatten zwei Positionen.“ Danach habe sich vieles mit dem ersten Gegentor verändert. Trabzonspor habe eigentlich geplant, stärker auf den Gegner zu reagieren, sei aber in der Defensive nicht sauber in die Lösungen gekommen.
Besonders kritisch bewertete Tekke die Entstehung der Gegentore. Er sprach von falscher Positionierung einzelner Spieler und davon, dass Galatasaray diese Momente konsequent ausgenutzt habe. Auch das zweite Gegentor sei aus seiner Sicht ein Signal gewesen, das nicht passieren dürfe: „Das zweite Tor von der Krone haben wir gefressen. Auch dort haben wir gravierende Positionsfehler.“
„Wir werden für den kleinsten Fehler bestraft“ – trotz guter Phase nach der Pause
Tekke machte deutlich, dass ihn eine Sache besonders ärgert: die Wiederholung derselben Fehler trotz langer Arbeit. „Wir arbeiten seit acht Monaten. Das ist die Seite, die mir leidtut.“ Der Trainer betonte dabei, dass es nicht um Emotionen oder Einsatz gehe, sondern um die Fähigkeit, Positionsspiel und Abläufe stabil auf den Platz zu bringen.
Nach der Pause sah Tekke seine Mannschaft zunächst auf einem guten Weg. Trabzonspor startete nach seinen Worten ordentlich, fand den Anschluss und hatte aus seiner Sicht sogar die Möglichkeiten, auf 2:2 zu stellen. „Wir sind gut in die zweite Halbzeit gestartet. Wir haben das Tor gefunden und die sehr klaren 2:2-Positionen gehabt, aber es hat nicht geklappt.“ Kurz darauf fiel jedoch das dritte Gegentor – für Tekke der Moment, in dem das Spiel endgültig aus den Händen glitt:„Wir wurden innerhalb weniger Augenblicke besiegt.“
Wenig Fans im Stadion: „Die Fans müssen bei dir sein“
Angesprochen auf die geringe Unterstützung auf den Rängen, wählte Tekke deutliche Worte. Er zog einen Vergleich zu seinem ersten Tag und erklärte, dass sich sein Empfinden nicht verändert habe. Seine Erwartung an die Verbindung zwischen Klub und Anhängern formulierte er grundsätzlich: „Die geliebten Freunde eines Menschen müssen bei ihm sein, egal was passiert, wenn auch gut, wenn auch schlecht“, sagte Tekke mit Blick auf die Fans. Den Abend im Stadion ordnete er so ein, dass er dieses Gefühl „heute“ nicht gespürt habe.
Transferbedarf und Kaderlücken: „Wir brauchen mindestens zwei Verteidiger“
Ein großer Teil der Analyse betraf den Kader. Tekke verwies auf Verletzungen und fehlende Alternativen und machte klar, dass die Personalstruktur den Handlungsspielraum begrenzt. Er nannte explizit die Situation um Stefan Savic, zudem habe Anthony Nwakaeme nur kurz spielen können. Auch Rayyan Baniya sei nicht voll verfügbar. Zusätzlich betonte er, dass junge Spieler im Kader stehen, aber gerade in der Defensive Stabilität gebraucht wird.
Seine Forderung formulierte er ohne Umschweife: „Wir brauchen mindestens zwe Innenverteidiger.“ Darüber hinaus gebe es keine Alternativen rechts und links und es fehle dem Team an Schärfe, die dringend notwendig sei. Tekke skizzierte auch, was er bei besseren Möglichkeiten ergänzen würde: Mit mehr Budget hätte er gern ein zusätzliches Mittelfeld und eine Nummer 10.
Tekkes Transfer-Position: Nicht Namen, sondern Entwicklung des Spiels
Bei aller Deutlichkeit in der Kaderkritik betonte Tekke, dass sein Blick auf Transfers nicht primär an individueller Leistung hängt, sondern an der strukturellen Weiterentwicklung. „Mein Standpunkt zum Transfer ist nicht die Leistung, sondern die Weiterentwicklung des Spiels.“ Er verwies zudem auf den Umbruch: Zu Saisonbeginn seien knapp 20 Spieler abgegeben oder verliehen worden, das Team sei jung und neu zusammengestellt. Es gebe zudem Spieler, von denen er sich trennen möchte.
Am Ende blieb trotz Ärger über die Gegentore und das Ergebnis auch ein fairer Abschluss: Tekke gratulierte Galatasaray – und hielt an seiner Kernaussage fest, dass Trabzonspor spielerisch nicht eingebrochen sei, das Halbfinale aber dennoch verloren hat.


