Türkischer Fußball

Quo vadis, türkischer Fußball?


Am 17. Mai 2000 besiegte Galatasaray im Finale des UEFA-Pokals (heute: UEFA Europa League) den FC Arsenal London und gewann den ersten internationalen Titel einer Fußballmannschaft aus der Türkei. In der darauffolgenden Saison schlugen die Löwen im UEFA-Supercup die „Königlichen“ aus Madrid und krönten sich endgültig als Könige von Europa. In den Folgejahren konnten diese Erfolge nicht wiederholt werden, gar eine Finalteilnahme sollte für alle türkischen Mannschaften verwehrt bleiben. Mittlerweile ist die Türkei in der UEFA-Fünfjahreswertung auf den 20. Platz abgerutscht, hinter Ländern wie Tschechien, Griechenland, Norwegen oder Kroatien.

Betrübliche Aussichten: Liga- und Marktwerte sprechen klare Sprache

In der neuen Spielzeit wird sich der Meister der Süper Lig über den Meisterweg für die lukrative Champions League-Gruppenphase qualifizieren müssen. Der Pokalsieger nimmt an der Europa League teil, zwei weitere Teams werden in der UEFA Europa Conference League starten. Die Süper Lig verliert zur übernächsten Saison den Startplatz in der Europa League komplett, zudem ist der zweite (zumindest theoretische) Platz für die Champions League verloren. Die mächtigen Präsidenten der Topklubs aus der Süper Lig verkünden jede Saison, dass die jeweilige Mannschaft alle Titel anpeilt. Auf der anderen Seite hat die Süper Lig einen Gesamtwert in Höhe von 945,70 Millionen Euro. Fenerbahce als Marktwertspitzenreiter kommt auf einen Wert in Höhe von 133,33 Millionen Euro. Ein Spieler der Süper Lig ist im Durchschnitt 1,69 Millionen Euro wert. Die Premier League hat einen Gesamtwert in Höhe von 8,66 Milliarden Euro, ein Spieler dieser Liga ist im Durchschnitt 17,11 Millionen Euro wert. Demnach erreichen die „Sky Blues“ (Manchester City, 956,30 Mio. Euro) einen höheren Wert als die gesamte Süper Lig zusammen! Für all diejenigen, die den Vergleich für abwegig erachten, kann man auch die zweitklassige Championship als „Vergleichsliga“ heranziehen. Ein Spieler in der Championship ist im Durchschnitt 1,93 Millionen Euro wert, also im Vergleich ebenfalls wertvoller.


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Platz für Realismus und neue Strukturen im Jugendbereich schaffen

Vitor Pereira, der inzwischen entlassene Trainer von Fenerbahce musste viel Kritik einstecken, nachdem er auf der Pressekonferenz am 21. Oktober 2021 (nach einem 2:2 im Heimspiel gegen FC Royal Antwerpen) sagte: „Gibt es in diesem Verein ernsthaft jemanden, der an den Gewinn der Europa League glaubt?“ Aber ist das nicht eine mutige, jedoch durchaus realistische Aussage? Nachwuchsleistungszentren gibt es in der Türkei nicht, die Trainingsmöglichkeiten, Budgets der Jugendabteilungen und die Qualifikation sowie Bezahlung der Nachwuchstrainer sind nicht auf europäischem Niveau. Die Präsidenten kauften in der Vergangenheit Altstars, um den großen Wünschen der Fans gerecht zu werden. Spätestens mit der Abwertung der türkischen Lira sind solche Transfers ebenfalls nicht mehr möglich. Die durch den Verband festgelegte Verpflichtung zum Einsatz türkischstämmiger Spieler führt in erster Linie dazu, dass die Preise für türkische Spieler innerhalb der Türkei in unrealistische Höhen steigen. Talentierte einheimische Spieler wechseln seit einigen Jahren frühzeitig ins europäische Ausland. Aus diesem Grund ist die Qualität der Nationalmannschaft im Vergleich zu den Vereinsmannschaften größer. Wenn jedoch keine Talente mehr ausgebildet werden, wird dies direkten Einfluss auf die Nationalmannschaft haben. Könnte die Öffnung für Großinvestoren eine Lösung sein? Was sind Eure Lösungsvorschläge?

Die bittere Erkenntnis dürfte in jedem Fall sein, dass türkische Mannschaften künftig Qualifikationen für die Europa League oder Champions League als Erfolg verzeichnen können. Damit verabschiedet sich der türkische Fußball in die europäische Drittklassigkeit.





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2 Kommentare

  1. 1. Mai 2022 um 15:37 —

    Den ersten internationalen Titel für die Türkei gewann am 03. September 1967 mit dem Balkan Cup nicht GS, sondern FB als sie durch die Tore von Dogan, Saner und Cika das Finale gegen Partizani Tirana 3:2 gewonnen haben.

    Wenn man schon die türkischen Meisterschaften von FB von vor 1959 hier aus was für Gründen auch immer nicht erwähnen möchte, dann bitte schön den ersten internationalen Titel von einer türkischen Vereinsmannschaft, soviel ich weiss existierte 1967 die Süperlig oder etwa nicht, warum werden diese Erfolge einfach so unter den Tisch gekehrt oder zählen Titel und Pokal von FB einfach nichts?

    Diese gelbblaue Diskriminierung im türkischen Fussball muss endlich mal aufhören…..

    Und das ist der Beweis liebe Freunde…

    Link:

    https://www.youtube.com/watch?v=Rg-EAH40DMo

  2. 29. April 2022 um 21:22 —

    Der Artikel gibt Fakten wieder, die eh bereits bekannt sind.
    Nichts neues.
    Es wird auch ständig um den heißen Brei geredet.
    Bringen wir es auf den Punkt.
    Das Problem der Türkischen Liga ist Korruption sowie die Unfähigkeit und Unprofessionalität der Vereinsführungen.

    Steuerschulden oder Bankschulden werden durch Besuche beim Präsidenten gelöst.

    Fenerbahce hätte 2010 (oder war es 2011) Zwangsabsteigen müssen.
    Ebenso Besiktas nach der Demirören Ära.
    GS ist tief verstrickt in irgendwelche Mafiösen strukturen.
    Siehe 1996-2000.
    Trabzon ist auch nicht besser. Da ist mischt der Staat mittlerweile ebenso tief drin mit.

    Mit anderen Worten, das Strafgesetzbuch wird nicht umgesetzt.
    Da wo es keine Regeln gibt, herrscht das recht des stärkeren. So in der Süperlig.

    Und da erwartet irgendeiner Erfolge in Europa ?
    Was träumt ihr Nachts ?

    Die fans sind genauso Schuld. Die bekommen nicht genug Möchtegern transfers. Die bekommen ebenso den Rachen nicht voll und lernen nicht dazu.

    Die Medienlandschaft in der Türkei ist eine Katastrophe.
    Die erzählen Fussball als würde Krieg geführt.
    Es gibt zu viele Möchtegern Fussballjournalisten und die Medienlandschaft ist nur noch Überschwemmt von schlechten Sportsendungen.
    Die Sportsendungen sind nur darauf aus Zwietracht zwischen den Fanlagern zu sähen.

    Ich sehe nicht, wie sich das jemals in eine positive Richtung entwickeln soll.

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