Besiktas

Abdullah Avci: “Alle wollten mich. Doch ich wollte Besiktas!”

Derzeit belegen die „Adler“ mit nur drei Punkten Abstand zur Tabellenspitze Platz acht in der höchsten türkischen Spielliga. Noch vor wenigen Wochen hätte davon niemand zu träumen gewagt. Der katastrophale Saisonstart steckte vielen Anhängern, aber auch dem Trainerteam, dessen Stuhl zuletzt immer wackeliger wurde, noch tief in den Knochen. Besiktas-Trainer Abdullah Avci äußerte sich im Interview mit “beIN SPORTS Haber” zur aktuellen Lage bei den Schwarz-Weißen. Zugleich würdigte er auch die Leistungen des türkischen Nationalteams, denen die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 mit Bravour gelungen ist.

„Ich möchte Senol Günes gratulieren“

Abdullah Avci zeigte sich beeindruckt von der Leistung der türkischen Nationalmannschaft, die sich für die EURO 2020 qualifizierte und gratulierte Senol Günes. „Aufgrund meiner früheren Tätigkeit in der Nationalmannschaft sind mir viele junge Spieler bekannt. Es ist erkennbar, dass die Zahl der jungen Spieler, die auf internationaler Ebene eingesetzt werden, enorm angestiegen ist. Es ist wichtig für diese Spieler Ziele zu verfolgen, neue Gesichter zu sehen und fokussiert zu sein. Heute genügt ein Blick auf das Spielfeld, um die positive Aufregung, die Begeisterung, aber auch die Integrität in ihren Gesichtern zu sehen.“

„Cengiz hat sich in Rom bestens bewiesen “

Cengiz Ünder gehört zweifelsfrei zu den begehrtesten Spielern in Europa. Eine gute Arbeitsmoral, viel Fleiß und Charakterstärke verhalfen ihm in den letzten Jahren zu diesem Aufstieg. Besiktas-Trainer Avci verrät, dass er Ünder einige Ratschläge mit auf den Weg nach Italien gab. „Cengiz Ünder hat sich bereits bei Basaksehir bewiesen. In Rom brauchte er aufgrund seines Könnens und seiner Charaktereigenschaften lediglich fünf Monate dafür. Als er nach Rom ging sagte ich ihm, dass er viel in seine Entwicklung und in einen guten Physiotherapeuten  investieren müsse. Heute sehen wir, dass er meinen Rat befolgt hat.“

„2012 hagelte es Kritik als ich Emre für die Nationalmannschaft nominierte“

Geschätzt, bewundert, respektiert. Emre Belözoglu ist inzwischen ein Hybrid zwischen Mentor und Spieler. Er übernimmt allerlei Aufgaben auf und neben dem Rasen. Abdullah Avci sah bereits im Jahre 2012 als Nationaltrainer dieses Potenzial. Allen Kritikern zuwider brachte Avci das auf Emre zugeschnittene Konzept in seiner Zeit als Trainer bei Basaksehir zur völligen Reife. Belözoglus Erfolg gibt Avci Recht. „Burak Yilmaz ist nun 35 Jahre alt und er will immer noch dort sein, wo er ist. Emre Belözoglu hat die 40 überschritten, auch er will mehr. Emre ist ein Spieler, an dem man sich ein Beispiel nehmen muss. Sicherlich plant er bereits jetzt, wie er bei der EURO 2020 spielen muss. 2012 hagelte es Kritik als ich Emre für die Nationalmannschaft nominierte. Heute hingegen fragen alle, wo Emre sei, wenn er nicht spielt. Emre Belözoglu wird auf jede erdenkliche Weise dort sein. Wir werden sowohl von seinem Können als Fußballer als auch von seiner mentalen Einstellung profitieren.“

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„Ich habe keinen Rosengarten betreten“

Alles beruht auf Gegenseitigkeit. Besiktas sei ein Projekt, dem er seine eigene Handschrift aufdrücken wolle, berichtet Avci. Hierzu brauche er jedoch Zeit und das Verständnis der Anhänger. Avci sieht die Kritik an seiner Mannschaft als durchaus gerechtfertigt. Doch hält er im selben Atemzug seine schützende Hand über seine Lehrlinge und wünscht sich mehr Geduld. Geld habe bei der Entscheidungsfindung keine Rolle gespielt, als er sich zu Besiktas bekannte. Ein Stückchen Traum sei damit in Erfüllung gegangen. „Ich habe keinen Rosengarten betreten. Mir waren die Herausforderungen vorher schon bekannt. Man hat sich für mich entschieden und ich habe mich für Besiktas entschieden. Es beruht auf Gegenseitigkeit. Ein Umstand, der länger schon andauert. Es gab andere Alternativen – diese gibt es schon seit Jahren. Ein Kriterium weshalb ich zu Besiktas wechselte, war meine Spielphilosophie, die trotz der fehlenden Zuschauer und Vereinshistorie bei Basaksehir fruchtete. Ich wurde von den drei großen Istanbuler Klubs, aber auch von anderen Mannschaften begehrt, weil ich Fußball auf einem hohen Niveau spielen ließ. Alle wollten mich. Anfang dieses Jahres entschied ich mich für die Liebe, Wertschätzung und das Erreichen von Träumen. Diese Gefühle werden erwidert. Am meisten bin ich aufgeregt, wenn ich in unserem Stadion sein darf. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich. 40.000 Zuschauer nehmen am Spielgeschehen teil; wir siegen gemeinsam und teilen die gleiche Begeisterung. Die Begeisterung der Besiktas-Anhänger ist einmalig und in dieser Form sah ich es nirgendwo zuvor.“

„Uns trennen drei Punkte vom Tabellenführer“

Avci weiter: „Es gibt einige Dinge, die mich in Bezug auf unsere Performance nicht zufriedenstellen, aber aus den letzten fünf Begegnungen holten wir vier Siege und ein Unentschieden. Der achte Platz mag auf den ersten Blick nicht attraktiv erscheinen, jedoch trennen uns nur drei Punkte vom Tabellenführer. Der Punktedurchschnitt liegt im oberen Bereich der Tabelle sehr eng beieinander. Die Spieler, der Saisonauftakt, die Nationalmannschaft, Spieler die vom Militärdienst zurückkehrten, aber auch meine eigenen strukturellen Pläne waren wichtige Indikatoren. Es war eine Zeit mit Höhen und Tiefen, die uns letztendlich unter Zugzwang brachte. Es hätte mich gefreut, wenn wir mit einem, meiner Meinung nach idealen Kader auf die Winterpause zugegangen wären. Jedoch kam zu der schlechten Leistung meiner Spieler ein Vorstandswechsel dazu. Alles zur gleichen Zeit. So ist das Leben. Gewinnen und verlieren. Die Emotionen werden von Erfolgen und Niederlagen beeinflusst. Es gibt nichts dazwischen. Entweder bist du ganz oben oder sehr tief unten. Ich habe in meinem Leben immer gekämpft und niemals aufgegeben. Ich redete mir selbst immer wieder ein, dass Besiktas niemals so schlecht dastehen darf und es einen Ausweg aus dieser Situation geben muss. Vielleicht müssen wir einige Positionen zur Winterpause verstärken. Wir suchen einen alternativen Stürmer. Das ist kein Geheimnis. Wir wollen zudem einen Flügelspieler verpflichten. Dies sind die wichtigsten Punkte im Augenblick. Leider fiel mit Burak Yilmaz einer der besten türkischen Spieler lange Zeit verletzungsbedingt aus .Wir konnten von ihm in den ersten elf Wochen nicht profitieren.“

„Ich sprach nie über Geld“

„Ich bin hierher gekommen nachdem ich einen Fünfjahresvertrag zerrissen habe. Basaksehir war behilflich und hat mich unterstützt. Ich könnte noch immer bei Basaksehir sein. Die Interessenten wären weiterhin zu mir gekommen. Ich habe meine Gespräche nie unter finanziellen Gesichtspunkten geführt; auch nicht in meiner Zeit als Nationaltrainer. Bevor ein Verein finanziellen Schaden durch mich erleidet, setze ich mich mit den Zuständigen hin und rede mit ihnen. Man misst mich nicht mit Geld; das werden sie niemals tun können. Avci erklärt weiter: „Jeder Spieler, der das Besiktas-Trikot trägt, ist für mich wertvoll. Meine Arbeit zielt darauf ab, den möglichst größten Ertrag zu erzielen. Dies kann ich frühestens im Januar und Mai nächsten Jahres bewerten. Mein Verein ist für mich wichtig. Für mich ist es auch wichtig, meinen Spielern bei ihrer Weiterentwicklung behilflich zu sein. Solange Besiktas nicht Meister wird, kann nicht von Erfolg gesprochen werden. Für Fenerbahce und Galatasaray gilt das genauso.“

„Oguzhan muss zurückgewonnen werden“

„Als ich 2012 Nationaltrainer war empfahl ich Oguzhan an Besiktas. Nach 2012 war ich der erste Trainer, der ihn in die Nationalmannschaft aufnahm. Nach seinem Transfer zu Besiktas stand ich in regem Kontakt zu ihm. Wir reden von einem Spieler den ich sehr gut kenne. Dieses Jahr müssen wir gemeinsam ein neues Kapitel aufschlagen; wir können alles Negative nicht Oguzhan zuschreiben. Nachdem ich mit ihm über seine Leistung sprach, nahm er sich meine Worte zu Herzen. Die schlechte Mannschaftsleistung und seine Verletzungen trugen zu der Gesamtsituation bei. Gegen Göztepe rief er eine solide Leistung ab. Oguzhan hatte die Kurve bekommen, doch folgten weitere Verletzungen. Ich möchte um eine Sache bitten. Wir können seine Leistung kritisieren. Als ich Oguzhan in der 85. Minute einwechselte hagelte es Proteste von den Tribünen. Die Besiktas-Anhänger sind großartig, jedoch bitte ich sie darum ihren Protest zu einem späteren Zeitpunkt kundzutun. Oguzhan muss zurückgewonnen werden. Oguzhan tut alles in seiner Macht stehende dafür.“

„Ljajic setzt meine Anweisungen um“

„Für Adem Ljajic gilt das Gleiche. Sobald ein Fußballer längere Zeit für einen Verein spielt und über einen längeren Zeitraum keine guten Leistungen abruft, wird er mit harter Kritik konfrontiert. Die Anhänger sind im Recht, denn sie sind es, die in ihrem Leben Abstriche machen müssen, um die Spiele sehen zu können. Einzig der Zeitpunkt für diese Proteste ist einfach ungünstig. Es wird weiterhin über die Tore von Ljajic von vor einem Jahr gesprochen. Er ist jedoch auch in den letzten beiden Spielen sehr präsent gewesen. Es gibt Dinge, die die Anhänger nicht wahrnehmen können, die jedoch spielentscheidend sind. Vor einem Jahr schoss er sieben Tore und bereitete acht Tore vor. Wenn man nun neun oder zehn Treffer erwartet, können die Erwartungen nicht erfüllt werden. Er hat angefangen meine Anweisungen umzusetzen. Es ist unwahrscheinlich, dass wir verteilt über 34 Spieltage eine konstante Leistung erwarten dürfen. Es sind auch nur Menschen. Im Grunde hat Adem einen sehr guten Start in die Saison hingelegt. Er zeigte auch eine sehr gute Leistung bei der Nationalmannschaft. Leider musste er mit Verletzungen kämpfen. Doch sind wir zurzeit dabei viele Siege einzufahren, die mit der besser werdenden Leistung der Mannschaft zusammenhängen. Wir sollten besondere Spieler nicht verlieren, sondern vielmehr für uns gewinnen.“

„Ich bin ein der Befürworter der VAR Technologie“

Nach wie vor sorgt die VAR-Technologie in der Türkei Anlass für hitzige Debatten. Da sind auf der einen Seite die Gegner des VAR und auf der anderen Seite die Befürworter, zu denen sich Avci auch zählt. Er ist der Überzeugung, dass die VAR-Technologie die ohnehin sehr schwere Arbeit der Schiedsrichter ein wenig erleichtern würde. Die Verlässlichkeit dieser Technologie sei dabei über jeden Zweifel erhaben. „Ich bin ein Befürworter der VAR-Technologie. Die Schiedsrichter bewältigen schwere Aufgaben. Wenn sie ein Spiel schlecht gepfiffen haben, wird darüber eine Woche lang geschrieben, geredet und berichtet. Ich bin einer der Trainer, die sich am wenigsten über Schiedsrichter beschweren.“

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